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Kurier Fotowettbewerb 2014
Foto: dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Letztes Update am 23.01.2013, 06:00

Babys schicken heilende Stammzellen. Stammzellen im Fruchtwasser sollen Heilungsprozesse im Körper von Schwangeren fördern.

Das Wunder Natur bringt selbst hartgesottene Wissenschaftler immer wieder zum Staunen. „Während einer Schwangerschaft schickt das Kind Stammzellen in den Körper der Mutter und heilt geschädigtes Gewebe“, fasst der Genetiker Univ.-Prof. Markus Hengstschläger von der MedUni Wien die aktuellste Publikation seiner Forschungsgruppe zusammen, die im Fachjournal Trends in Molecular Medicine veröffentlicht wird. „Erleidet eine Schwangere zum Beispiel einen Herzinfarkt, werden diese Stammzellen eingesetzt, um sie zu therapieren – das Kind hält die Mutter am Leben. Der menschliche Körper ist schon ein Wahnsinn, nicht?“

Ein kurzer Rückblick: Schon 2003 entdeckte die Arbeitsgruppe von Hengstschläger, dass Stammzellen auch im Fruchtwasser zu finden sind. Inzwischen ist klar, dass sich diese in alle Zelltypen weiterentwickeln können – man nennt das pluripotent. Allerdings wusste man bisher nicht, welche Funktion die Stammzellen im Fruchtwasser haben. Auf der Basis aktueller Erkenntnisse glaubt Hengstschläger nun die Antwort darauf gefunden zu haben: „Die Fruchtwasserstammzellen gehen über die Plazenta ins mütterliche Blut über und regenerieren dort ihren Körper – das Kind heilt die Mutter.“ Es gebe viele Hinweise darauf, die endgültige Bestätigung dafür steht aber noch aus.


Erbgut

Dem nicht genug: „Die überschüssigen Fruchtwasserstammzellen sterben im mütterlichen Blut ab und das Erbgut kommt frei.“ So kann – statt bisher durch eine riskante Fruchtwasserpunktion – mittlerweile im Blut der Mutter nach genetischen Defekten gesucht werden.

Nun gilt es für die Forscher herauszufinden, was die Fruchtwasserstammzellen alles heilen können. Im Labor können sie zu Haut, Nerven oder Muskeln herangezüchtet werden – die Frage ist, was sie im Körper der Mutter alles bewerkstelligen. Allerdings betont Hengstschläger, dass es bei den Heilkräften um zelluläre Schäden (etwa an den Organen) geht, nicht um immunologische, wie etwa durch einen Virus.

Es gebe außerdem Hinweise, dass die Fruchtwasserstammzellen auch nach der Schwangerschaft noch im Körper der Mutter zu finden sind. „Das würde bedeuten, dass sie den Körper der Mutter nicht nur während der Schwangerschaft schützen, sondern auch danach.“

Anwendung

Eine Empfehlung, Fruchtwasser für eine spätere Behandlung einfrieren und aufheben zu lassen, will Hengstschläger dennoch nicht abgeben. „Es gibt Angebote, das Fruchtwasser oder Nabelschnurblut aufheben zu lassen, aber wir empfehlen das erst, wenn es in der Wissenschaft genügend Hinweise gibt, wofür man das dann anwenden könnte. Und diese Möglichkeiten wird es definitiv geben.“

(kurier) Erstellt am 23.01.2013, 06:00

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