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KURIER Romy 2014
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Letztes Update am 13.11.2012, 15:55

Augenmerk auf die Psyche. Strategie: Die Sozialversicherung will ihre Angebote ausbauen – von der Vorsorge bis zur Reha.

Entspannungsworkshops, Trommelkurse, Anti-Stress-Programme: Aus diesem Angebot können Schülerinnen und Schüler einer Salzburger Schule wählen. „In vielen Schulen bestehen heute zwar schon Zusatzangebote in den Bereichen Ernährung und Bewegung. In Zukunft soll es aber auch Schwerpunkte für psychische Gesundheit geben“, sagt Karin Hofer von der Salzburger Gebietskrankenkasse.

Der Bereich der Vorsorge ist ein Teil einer neuen „Strategie Psychische Gesundheit“ der österreichischen Sozialversicherung – der Krankenkassen und der Pensionsversicherungsanstalt (PVA), die Montagabend in Wien präsentiert wurde: Mehr Präventionsangebote, bessere Versorgung der Kranken und mehr Rehabilitationsplätze sind die Schwerpunkte. Auch die Psychotherapie auf Krankenschein soll ausgebaut werden.


Mehr Krankenstände

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Foto: Reuters
Zirka 900.000 Menschen erhalten jährlich Leistungen der Krankenversicherungen wegen psychischer Erkrankungen. „Die Krankenstände wegen psychischer Diagnosen sind von 2009 auf 2010 erneut gestiegen – um zwölf Prozent innerhalb eines Jahres“, sagt Christoph Klein, stellvertretender Generaldirektor des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger (Foto). „Psychische Erkrankungen sind heute der Hauptgrund für krankheitsbedingte Pensionierungen“, so Gabriele Eichhorn, stv. Generaldirektorin der PVA. Während von den 900.000 Österreichern knapp mehr als die Hälfte älter als 60 Jahre alt ist, ist die Gruppe der früh Pensionierten deutlich jünger: „Die Hälfte der Betroffenen ist unter 50 Jahre alt“, sagt Eichhorn.

Viele erleben das reguläre Pensionsantrittsalter nicht: Eine psychisch kranke Frau stirbt im Schnitt um 3,5 Jahre früher als der Durchschnitt aller Menschen in Frühpension, bei den Männern sind es sogar 6,3 Jahre früher. „Diese Menschen simulieren nichts. Sie sind tatsächlich ernsthaft krank.“

„Depressive Erkrankungen, Persönlichkeits- und Angststörungensind für den Großteil dieser Frühpensionierungen verantwortlich“, sagt Psychiater Univ.-Prof. Karl Dantendorfer. „Überlastung ist eine häufige Ursache“, ergänzt Eichhorn.

Während die Krankenstände weiter deutlich steigen, flacht der Anstieg bei den Frühpensionierungen bereits ab. „Wir haben seit 2006 die psychiatrische Rehabilitation stark ausgebaut“, sagt Eichhorn. Damals gab es 700 Reha-Plätze jährlich, im Vorjahr waren es bereits 5500 – „und es sind immer noch nicht genug“. Eine psychiatrische Reha dauert mindestens 42 Tage.

Ambulante Reha

Zwei Jahre nach einer Rehabilitation von Herz-Kreislauf- oder Orthopädie-Patienten sind nur 15 Prozent der Betroffenen in Pension. Bei der psychiatrischen Reha sind es derzeit noch 30 Prozent: „Wir hoffen, diesen Wert noch senken zu können.“

Gleichzeitig soll auch die ambulante Rehabilitation ausgeweitet werden: An einem Pilotprojekt in Wien haben 260 Patienten teilgenommen – mit Erfolg: Im ersten halben Jahr danach waren sie deutlich weniger im Krankenstand als in den letzten sechs Monaten davor.

Über 90 Prozent der Patienten mit psychischen Diagnosen werden von den Allgemeinmedizinern versorgt. Deshalb soll ihre Kompetenz in diesem Bereich noch gestärkt werden – z.B. durch gemeinsam mit der Ärztekammer festgelegte Ausbildungsinhalte. So bleibe jede zweite Neuverschreibung aus der Gruppe der Psychopharmaka eine Einmalverschreibung. Dies könne problematisch sei, da viele dieser Medikamente erst nach einigen Wochen zu wirken beginnen.

(KURIER) Erstellt am 13.11.2012, 15:55


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