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Symbolbild
Symbolbild - Foto: Reinhard Vogel

Letztes Update am 07.03.2013, 09:07

Antikörper gegen zu hohes Cholesterin. Grazer Spezialisten testen neues Therapieprinzip, LDL-Cholesterinsenkung um 60 Prozent möglich.

Das ist durchaus eine neue Therapieoption, die Zukunft hat.“ – So stellte Mittwochabend bei der Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden der Grazer Stoffwechselspezialist Hermann Toplak die Situation um eine brandneue Behandlungsstrategie gegen zu hohe „böse“ LDL-Cholesterinwerte im Blut dar. Es handelt sich um einen humanen monoklonalen Antikörper, an dessen Entwicklung die Grazer Wissenschafter mitarbeiten.

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Foto: KURIER
Der Hintergrund: Zu hohe Cholesterinwerte – zu wenig Konzentration an „gutem“ HDL-Cholesterin und zu hohe Werte an „bösem“ LDL-Cholesterin im Blut – sind mit Bluthochdruck und Rauchen der bedeutendste Risikofaktor für Atherosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall. Für das LDL-Cholesterin gibt es de facto keinen Wert, der niedrig genug sein könnte. Bei Risikopersonen wird derzeit bereits ein sehr tiefer „Pegel“ von höchstens 70 Milligramm pro Deziliter Blut angestrebt.


Doch mit den herkömmlichen Medikamenten – vor allem sogenannten Statine, welche die Cholesterinsynthese der Leber hemmen, gelingt das nicht immer. Die Reduktion des LDL-Cholesterins dadurch beträgt 25, 30 Prozent. Trotzdem: Insgesamt haben riesige Studien gezeigt, dass mit solchen Medikamenten die Infarktsterblichkeit um 42 Prozent, die Gesamtsterblichkeit um rund 30 Prozent gesenkt werden kann.

Gerade für Patienten, die auf diese Therapie nicht genügend ansprechen, wird nach neuen Behandlungsmöglichkeiten gesucht. Toplak: „Wir entwickeln einen Antikörper in klinischer Prüfung. Die Leberzelle gibt ein Eiweiß ab, das an den LDL-Cholesterin bindet und ihn so markiert, dass er bei der nächsten Aufnahme in die Zelle (mit abzutransportierendem LDL-Cholesterin, Anm.) abgebaut wird.“

Der monoklonale Antikörper entfernt dieses PCSK9-Eiweiß von den LDL-Rezeptoren, sie bleiben erhalten und beseitigen zu einer größeren Rate das „böse“ LDL-Cholesterin aus dem Blut, indem sie es aufnehmen und in die Leberzellen einschleusen. Dort wird es dann abgebaut. Laut dem Wissenschafter könnte man diesen monoklonalen Antikörper alle zwei oder vier Wochen verabreichen: „Das LDL lässt sich damit um 60 Prozent senken.“ Das wäre ein ausgesprochen starker Effekt.

Klinische Studie

Beim 61. jährlichen Wissenschaftskongress des US-Kardiologenverbands American College of Cardiology (ACC) in Chicago vor etwa einen Jahr wurden für das Therapieprinzip mit dem monoklonalen Antikörper „SAR236553/ REGN727“ für die Injektion unter die Haut gegen das PCSK9-Eiweiß (Proprotein Convertase Subtilisin/Kexin Typ 9) Daten aus einer klinischen Studie der Phase II (Dosisfindung) vorgestellt. Dabei zeigte sich an 183 Patienten, dass eine Behandlung über einen Zeitraum von acht bis zwölf Wochen bei Patienten mit erhöhten LDL-C-Werten (mehr als 100 Milligramm/Deziliter Blut) und normaler Behandlung mit einem Statin zu einer signifikanten Verringerung des LDL-Cholesterins um 40 bis 72 Prozent führte.

Die Forschungsergebnisse sind umso wichtiger, als in den vergangenen Jahren neue Medikamente zur Behandlung zu hoher Cholesterinwerte mehrmals in der Entwicklung stecken geblieben sind. Der US-Pharmakonzern Pfizer erlitt mit Torcetratib ein Milliarden-Desaster. Auch die Entwicklung einer zweiten, ähnlichen Substanz wurde gestoppt (CETP-Inhibitoren). Diese Mittel sollten die Konzentration des „guten“ HDL-Cholesterins stark erhöhen, gleichzeitig das „böse“ LDL-Cholesterin reduzieren. Doch in den Studien an Patienten traten sogar mehr Todesfälle auf. Es befinden sich allerdings weitere derartige Wirkstoffe noch in Entwicklung.

(APA) Erstellt am 07.03.2013, 09:09

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