Letztes Update am 30.04.2012, 12:54
Zeit für ein paar Frühlings-Gedichte.
Die wahrscheinlich beste Patisserie Wiens im Café Central hat sich zum Frühling schöne Sachen einfallen lassen. Wir garnieren diese mit etwas Lyrik von Goethe, Fontane, Storm und Kollegen zum Thema Lenz .
Rum Savarin
Beeren treffen auf Rum, Marscarpone und Biskuit.
Dazu ein beschwingter Mörike:
Frühling lässt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte Süße, wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll das Land Veilchen träumen schon, Wollen balde kommen Horch, von fern ein leiser Harfenton! Frühling, ja du bist`s! Dich hab ich vernommen!
(Eduard Mörike)
Gießkanne
Aromen von Zitrusfrüchten und Verbene treffen auf Honig, der beim Anstechen des Ganzen wie ein zäher Brunnen über das Gericht läuft.
Dazu frisch eingepflanzte Blümchen von Goethe:
Gefunden
Ich ging im Walde So für mich hin, Und nichts zu suchen, Das war mein Sinn.
Im Schatten sah ich Ein Blümchen stehn, Wie Sterne leuchtend, Wie Äuglein schön.
Ich wollt es brechen, Da sagt es fein: Soll ich zum Welken Gebrochen sein?
Ich grub`s mit allen Den Würzlein aus. Zum Garten trug ich`s Am hübschen Haus.
Und pflanzt es wieder Am stillen Ort; Nun zweigt es immer Und blüht so fort.
(Johann Wolfgang von Goethe)
Blumentopf
Topfencreme und Cassisgelee ergeben eine frisch-fruchtig-herb-süße Frühlingskombination.
Dazu gibt es einen aufblühenden Heinrich Heine:
Neuer Frühling
Unterm weißen Baume sitzend, Hörst du fern die Winde schrillen, Siehst, wie oben stumme Wolken Sich in Nebeldecken hüllen;
Siehst, wie unten ausgestorben Wald und Flur, wie kahl geschoren; Um dich Winter, in dir Winter, Und dein Herz ist eingefroren.
Plötzlich fallen auf dich nieder Weiße Flocken, und verdrossen Meinst du schon, mit Schneegestöber Hab der Baum dich übergossen.
Doch es ist kein Schneegestöber, Merkst es bald mit freudgem Schrecken; Duftge Frühlingsblüten sind es, Die dich necken und bedecken.
Welch ein schauersüßer Zauber! Winter wandelt sich in Maie, Schnee verwandelt sich in Blüten, Und dein Herz es liebt aufs neue.
(Heinrich Heine)
Frühlingsmelange
Ein Bogen mit Minzegeschmack, darunter Holunderblüte und Rhabarber in erfrischend saurer und süßer Verbindung.
Hierzu kredenzen wir etwas Blümlein und Schmetterling von Wilhelm Busch:
Sie war ein Blümlein hübsch und fein, Hell aufgeblüht im Sonnenschein.
Er war ein junger Schmetterling, Der selig an der Blume hing.
Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm Und nascht und säuselt da herum.
Oft kroch ein Käfer kribbelkrab Am hübschen Blümlein auf und ab.
Ach Gott, wie das dem Schmetterling So schmerzlich durch die Seele ging.
Doch was am meisten ihn entsetzt, Das Allerschlimmste kam zuletzt.
Ein alter Esel fraß die ganze Von ihm so heißgeliebte Pflanze.
(Wilhelm Busch)
Gartenfest
Frische und fröhliche Mischung aus Limetten und Basilikum, ergänzt mit Walderdbeeren.
Zu diesem ausgelassenen Dessert servieren wir als Kontrast eine kleine Melancholie von von Eichendorff:
Frühlingsklage
Ach, was frommt das Wehen, Sprossen in der schönen Frühlingszeit: Ist des Liebes Born verschlossen und der Seele Freudigkeit. Die erste Blüte bringt den Sprossen und den Frühling in die Zeit.
Gib den alten Frieden wieder, in der Brust den Sonnenschein. Gib die Laute mir und Lieder, dann laß blühen oder schnein. Selbst weck ich den Lenz mir wieder, sollt es auch der letzte sein!
(Joseph Freiherr von Eichendorff)
Erdbeeren
Erdbeeren kommen ideal zur Geltung mit der frischen Säure der Joghurt.
Zu den Erbeeren gibt es Goethes Osterspaziergang, immer gerne genossen, immer gerne zitiert:
Osterspaziergang
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick, im Tale grünet Hoffnungsglück; der alte Winter, in seiner Schwäche, zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur ohnmächtige Schauer körnigen Eises in Streifen über die grünende Flur. Aber die Sonne duldet kein Weißes, überall regt sich Bildung und Streben, alles will sie mit Farben beleben; doch an Blumen fehlt`s im Revier, sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen nach der Stadt zurückzusehen! Aus dem hohlen, finstern Tor dringt ein buntes Gewimmel hervor. Jeder sonnt sich heute so gern. Sie feiern die Auferstehung des Herrn, denn sie sind selber auferstanden: aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern, aus Handwerks- und Gewerbesbanden, aus dem Druck von Giebeln und …
Mara des Bois
Topfenmousse trifft auf Erdbeere und setzt sich auf einen Biskuitboden.
Zu dieser Nascherei etwas in Grün gehaltenes von Novalis:
Es färbte sich die Wiese grün
Es färbte sich die Wiese grün Und um die Hecken sah ich blühn, Tagtäglich sah ich neue Kräuter, Mild war die Luft, der Himmel heiter.
Ich wusste nicht, wie mir geschah, Und wie das wurde, was ich sah.
Und immer dunkler ward der Wald Auch bunter Sänger Aufenthalt, Es drang mir bald auf allen Wegen Ihr Klang in süßen Duft entgegen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah, Und wie das wurde, was ich sah.
Es quoll und trieb nun überall Mit Leben, Farben, Duft und Schall, Sie schienen gern sich zu vereinen, Dass alles möchte lieblich scheinen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah, Und wie das wurde, was ich sah.
So dacht ich: ist ein Geist erwacht, Der alles so lebendig macht Und der mit tausend schönen Waren Und Blüten sich will offenbaren?
Ich wusste nicht, wie mir geschah, Und wie das wurde, was ich sah. Vielleicht beginnt …
Weichselschnitte
Die Weichseln kommen in der quasi idealen Kombination mit der Pistazie.
Dazu darf es etwas Kirsche von Hebel sein:
Das Lied vom Kirschbaum
Zum Frühling sagt der liebe Gott: „Geh, deck dem Wurm auch seinen Tisch!" Gleich treibt der Kirschbaum Laub um Laub, viel tausend Blätter, grün und frisch.
Das Würmchen ist im Ei erwacht, es schlief in seinem Winterhaus; es streckt sich, sperrt sein Mäulchen auf und reibt die blöden Augen aus.
Und darauf hat`s mit stillem Zahn an seinen Blätterchen genagt; es sagt: „Man kann nicht weg davon! Was solch Gemüs` mir doch behagt!"
Und wieder sagt der liebe Gott: „Deck jetzt dem Bienchen seinen Tisch!" Da treibt der Kirschbaum Blüt` an Blüt`, viel tausend Blüten, weiß und frisch.
Und`s Bienchen sieht es in der Früh im Morgenschein und fliegt heran und denkt: „Das wird mein Kaffee sein; was ist das kostbar Porzellan!
Wie sind die Tässchen rein gespült!" Es steckt sein Züngelchen hinein, es trinkt und sagt: „Wie schmeckt das süß! Da muss …
Exotischer Cheese-Cake
Eine Creme aus Mango und anderen exotischen Früchten in der Kombination mit Karamel und Schokolade.
Dazu etwas, das uns allen alles andere als exotisch vorkommt:
Kuckuck, Kuckuck ruft aus dem Wald: Lasset uns singen, Tanzen und springen! Frühling, Frühling wird es nun bald.
Kuckuck, Kuckuck lässt nicht sein Schrei`n: Kommt in die Felder, Wiesen und Wälder! Frühling, Frühling, stelle dich ein!
Kuckuck, Kuckuck, trefflicher Held! Was du gesungen, Ist dir gelungen: Winter, Winter räumet das Feld.
(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben)
(kurier/jwg, ts, wb, jfe, ahf, jph, n, ar, hh)
Erstellt am 30.04.2012, 12:00