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Foto: Jamie Oliver

Letztes Update am 04.01.2013, 16:02

Fertigpizza gesünder als Jamie Olivers Rezepte?. Britische Wissenschaftler verglichen Starkoch-Rezepte mit Fertiggerichten.

Sie sind bei Freunden eingeladen. Nach dem Apero geht es zu Tisch. Die Gastgeber servieren Fertigpizza: "Natürlich hätten wir auch ein tolles Huhn nach einem Rezept von Jamie Oliver machen können. Aber nachdem wir alle an unsere Gesundheit denken ..." Und dann erzählen sie von einer neuen Studie, die im British Medical Journal veröffentlicht wurde: Demnach sind die Rezepte von Jamie Oliver und anderen Starköchen durchwegs ungesünder als Fertiggerichte aus dem Supermarkt. Ja, die Studie gibt es wirklich.

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Foto: Jamie Oliver
Die Forscher der Newcastle University und des nationalen britischen Gesundheitsdienstes NHS haben fünf Kochbücher von Jamie Oliver und anderen britischen Fernsehköchen wie Lorraine Pascale, Nigella Lawson und Hugh Fernlay-Whittinghall untersucht – alle ausgiebig auf den britischen Bestsellerlisten vertreten. Aus den Büchern nahmen die Wissenschaftler 100 Rezepte und verglichen diese mit 100 Fertiggerichten, eingekauft bei drei großen Supermarktketten. Auf dem Prüfstand waren Fettgehalt, der Anteil an ungesättigten Fettsäuren, Salz, Ballaststoffe und – das Wichtigste – die Anzahl der Kalorien. Das Ergebnis: Die Feinschmeckerrezepte sind gesundheitlich pfui, Fertigmahlzeiten hingegen meist weniger süß, weniger fett und weniger kalorienreich. Nur beim Salz lagen die Fertiggerichte in Führung.
Was fangen Genießer und Hobbyköche mit dieser Meldung an? Müssen sie ihre Kochbuchsammlung nun beim Altpapier entsorgen? Die Studienautoren dazu: "Die Kochbücher sind vor Weihnachten erschienen, was die Auswahl der Rezepte vielleicht beeinflusst hat."

Bekanntlich ist Weihnachten die Zeit, in der wir uns einen großzügigeren Griff in die Butterdose oder zum Zuckerstreuer am ehesten verzeihen.

"In Fertigprodukten findet man mega-ungesunde Süßstoffe und allerlei E-Nummern."

 

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Foto: APA
Dass Starköche oft nicht gerade mit Kalorien geizen, sagt auch Ursula Vybiral, die in Wien als Ernährungscoach arbeitet. "Nigella Lawson haut Butter rein wie eine Verrückte. Ihre Kochvideos sind fast pornografisch. Jamie Oliver nimmt ein Viertel Kilo Butter in seine Hände und schiebt sie regelrecht unter die Haut eines Huhns. Das sind gleich einmal 1.875 Kalorien zusätzlich. Doch das ist ja nicht gerade neu."

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Foto: Oskar Schmidt
Die Ernährungsberaterin findet, dass die Studie "weiß und schwarz" zeigt und auf Grautöne vergisst. "Jeder sollte sich, ob Wissenschaftler oder Konsument, die Mühe machen, nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen." Fertigprodukte kauft man hauptsächlich aus Bequemlichkeit. Doch zwischen Tiefkühlspinat und einem Take-Away-Wok, einer Dose Ravioli mit Tomatensauce, Packerlsuppen und Essen in Schalen liegen Welten. Vybiral: "Die einen sind unbedenklich, weil sie aus puren und frischen Zutaten bestehen. Bei den anderen – etwa den Dosen- und Packerl­produkten – haben wir jede Menge E-Nummern, Fette und sehr häufig Süßstoffe, die mega-ungesund sind." Und das Weniger an Kalorien bei den Fertiggerichten „ergibt sich auch oft durch die Mini-Portionen“.

Schließlich bedeute bewusste Ernährung auch nicht, "jedes Lebensmittel oder Gericht auf Kalorien zu überprüfen".

Der besorgte Hobbykoch muss seine Kochbücher also doch nicht entsorgen.
 


Dichtung und Wahrheit

(Kurier) Erstellt am 04.01.2013, 16:02

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