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Foto: APA

Letztes Update am 24.02.2013, 07:39

Welche Fische dürfen wir überhaupt noch essen?. Die liebsten Speisefische der Österreicher stammen zum Teil aus problematischen Quellen. Einige Arten sind vom Aussterben bedroht

Die Österreicher stehen auf Fisch. Warum auch nicht? Fisch ist erwiesen gesund. Fast acht Kilo verputzen wir mittlerweile pro Jahr. Das ist 1,5 Mal so viel wie 1995. Aber nicht nur die Mengen haben sich geändert, auch der Geschmack. War früher Hering gefragt, papperlt man heute Thunfisch, Pangasius, Wolfsbarsch und Scholle. Die schlechte Nachricht: Die Hälfte der zwölf Liebslingsfische der Österreicher – 30.000 Arten gibt es weltweit – sollte man mit Vorsicht genießen und genau auf ihre Herkunft achten (siehe Grafik). Denn entweder sind diese Arten durch Überfischung akut gefährdet oder die Zuchtbedingungen sind, wie etwa beim Wolfsbarsch im Mittelmeer, miserabel.

Die Meere leeren sich

Wer auf Meeresfisch nicht verzichten will, dem sei die Lektüre des World Ocean Review WOR 2 der Maribus-Gesellschaft ans Herz gelegt (world­oceanreview.com), ein Bericht über den Zustand und die Zukunft der Fischerei. Er liegt seit vergangener Woche vor. Aktuell sind 40 Prozent der Fischbestände überfischt, erläutert der Herausgeber der Studie, Nikolaus Gelpke. In europäischen Gewässern ist die Hälfte aller Speisefische bedroht. „Wenn wir nicht kehrtmachen, sieht es wirklich schlimm aus.“ Statt weiter Raubbau an den Meeren zu betreiben, sagt Gelpke, müssten die Fangquoten von der Politik konsequent kontrolliert werden.

Die intensive Nutzung der Meere nimmt seit Jahrzehnten zu. Wobei nicht jeder gefangene Fisch in der Statistik landet, 30 bis 40 Prozent der weltweiten Fänge schaffen es nie an Land, sondern gehen gleich wieder über Bord, weil sie zu klein sind, um vermarktet zu werden. Millionen Tonnen Fisch werden so jährlich verschwendet. Was übrig bleibt, ist zwar in seiner Gesamtmenge seit zwei Jahrzehnten konstant, aber die Fische werden aufgrund der Drucks durch immer ausgefeiltere Fanggeräte und -techniken immer kleiner. Die Tiere haben gar keine Chance, groß zu werden. „Wir fischen uns langsam die Nahrungskette runter“, erläutert WWF-Fischereiexperte Georg Scatollin.

Dem einen oder anderen wird beim Studium des Berichts der Appetit vergehen, wenn er von den Zuständen in vielen Aquakulturen erfährt. In den Zuchtbecken schwimmen so viele Fische, dass sie sich gegenseitig wund scheuern und mit Antibiotika behandelt werden müssen. Von manchen Fischen sollte man überhaupt die Finger lassen, weil sie vom Aussterben bedroht sind, etwa der Europäische Aal, der südliche Blauflossenthun oder der Rotbarsch, ein Tiefseefisch. Speziell für Fische, die am Meeresgrund leben, ist der Raubbau existenzbedrohend. Scatollin: „Man kann ein Tier wie den Rotbarsch, der bis zu 70 Jahre alt und erst mit 35 geschlechtsreif wird, nicht nachhaltig befischen. Die Population (Fischbestand, Anmerkung) kann sich wegen der langen Generationszeit nicht erholen. Tiefseefischerei ist bedenklich.“

Aber es gibt auch positive Anzeichen. Länder wie Kanada, Australien und Neuseeland betreiben seit einigen Jahren nachhaltige Fischereien und sind damit auch wirtschaftlich erfolgreich, sagt Gelpke. So haben Fischarten wie Alaska-Pollock, Kabeljau und Seehecht in einigen Meeresregionen eine Atempause bekommen. „Dorsch ist inzwischen keine bedrohte Fischart mehr, weil man da strenge Fangquoten durchgesetzt hat, ein billiger Speisefisch“, sagt Gelpke. „Der Blauflossen-Thunfisch ist hingegen so vom Aussterben bedroht, dass die Preise in die Höhe geschossen sind, und er in Deutschland und Österreich fast nicht mehr auf den Tisch kommt.“

Die Käufer dürfen wählen

Informationen darüber welche Bestände gefährdet sind, liefern auch die Umweltorganisationen WWF und Greenpeace, wenn auch mit unterschiedlichen Ergebnissen (www.wwf.at/meere, marktcheck.greenpeace.at). Für Greenpeace sind fünf Fische empfehlenswert, der WWF gibt für zehn grünes Licht. Die Botschaft an die Konsumenten: Bewusstes Einkaufen kann eines Tages dazu führen, dass nur noch Fisch aus intakten Beständen verkauft wird. Bedeutet: geringere Mengen, aber gesündere Meere.

 

(kurier) Erstellt am 24.02.2013, 07:39


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