Letztes Update am 12.06.2012, 13:06
Verkostet: 25 Jahre Wachauer Smaragd.
Ein Ereignis von weingeschichtlicher Relevanz: die Verkostung von 25 Smaragd-Jahrgängen der Wachauer Winzer von 1986 bis 2010.
Verkostete Kostbarkeiten: 25 Jahre Wachauer Smaragd
Die Winzer der Vinea Wachau präsentierten die letzten 25 Jahre ihrer Smaragdweine. Zweifellos ein Ereignis von weingeschichtlichem Wert. Auch wenn naturgemäß nicht jede Flasche in Höchstform warm. Notizen aus dem Redoutensaal der Hofburg von Alexander Rabl
Am Podium: Emmerich Knoll jr, Präsident der Vinea Wachau, Franz Hirtzberger, sein Vorgänger, Roman Horvath, der Geschäftsführer der Domäne Wachau und Master of Wine und Emmerich Knoll sen. vom Weingut Knoll.
Die Verkostung und Präsentation fand im Redoutensaal der Wiener Hofburg statt. Status: ausgebucht trotz gleichzeitig üppigem Angebot der VieVinum. Anwesend: was Rang und Namen hat in der heimischen Szene von Klaus Wagner (Landhaus Bacher) bis Peter Moser (falstaff) sowie die Sommelière Paula Bosch, die Autorin Christina Fischer, die Weinjournalisten Joel Payne, Stephan Reinhardt sowie Armin Diel vom Weingut Diel, und Aldo Sohm, österreichischer Sommelier im Le Bernardin in New York mit den Sommeliers vom Daniel (NYC) und French Laundry (Napa Valley), mithin die Weinverantwortlichen einiger der besten Restaurants der USA.
Ein paar Worte zur Einführung: Wachauer Smaragd - was ist das jetzt genau?
Die Bezeichnung steht für Weine, zu denen man früher Spätlese sagte. Nach dem Weinskandal 1985 (von den Wachauer Winzern war niemand involviert) war dieser Begriff erstmal tabu. Man dachte nach: Honivogl fiel damals nach einem Jahr wegen Verwechslungsgefahr mit einer Person flach. Irgendwann kam die Wachauer Eidechse ins Spiel, die gerne auf Steinen die Sonne genießt. Der Smaragdwein und sein Logo waren geboren. Das war 1987.
Die Verkostung startet mit dem Grünen Veltliner Smaragd Höheneck 2010 von Tegernseehof.
Kein leichtes Jahr, Ertragseinbußen, Wetterumschwünge, Kälteeinbrüche, verspätete Traubenreife. Dieser Grüne Veltliner ist ein Paradebeispiel für diesen Jahrgang, wie er sein kann/soll. Sehr schlank, reifer Apfel in der Nase, grüne Nuss, Grapefruitnoten ganz zart, prägnante Säure. 2010 war ein spezifisches Jahr, was die von manchen geschätzte, von anderen weniger geliebte Botrytis betrifft: es gab nämlich keine solche.
Aus dem Jahr 2009 gibt es den Grünen Veltliner Smaragd Singerriedel vom Weingut Rixinger.
Im Gegensatz zu 2010 war das Wetter 2009 nicht ganz so ungnädig zu den Winzern. Frühere Rebblüte, allerdings auch ordentlich Niederschläge im Sommer, der Donau und Bäche über die Ufer treten läßt. Gewitter ohne Hagelschäden. Starker Botrytisbefall im September. Dieses Jahr haben die Weine Konzentration und Potenzial. Der Grüne Veltliner vo Rixinger, das lässt auf seine künftige Entwicklung schließen, braucht offenbar noch bis zur richtigen Hochform.
Fortsetzung: Grüner Veltliner Smaragd Vießling-Kalkofen 2008 vom Weingut Piewald.
Wie Emmerich Knoll sen. meint, ein wegen des großen Jahres 2009 zu wenig gehätscheltes Jahr. Kühler Frühling, viel Regen und hohe Nachttemperaturen im Sommer - was Winzer gar nicht gerne haben. Die, die im ebenfalls nicht sehr euphorisierenden Herbst mit der Ernte zuwarteten, kriegten wunderbare, straffe und nicht zu schwere Weine hin. So wie diesen, der großartig nach frischem Gebäck duftet, nach Frucht (Birne) und eigentlich als exemplarisch bezeichnet werden kann.
Mit dem Spitzer Riesling 2007 vom Graben Gritsch folgt der erste Riesling der Verkostung.
2007 war ein gutes Jahr. Ziemlich früh begannen die Reben zu blühen, man erwartete eine gute Ernte, doch August und September machten den Winzern einen Strich durch die Rechnung. Wer selektiv bei der Lese war, bekam bekömmliche und elegante Weine hin. Wie diesen Riesling, der in Hochform ist. Duft nach Marillen und Mandeln, grüne Nuss, später Pfirsich am Gaumen, tolle Intensität und klare, durch nichts überlagerte Frucht.
Es folgt ein Grüner Veltliner Smaragd Spitz Point von Johann Donabaum aus dem großen Jahr 2006.
Nach den gemisctten Gefühlen, die der Frühling (heiß und trocken) und der Sommer (kühl und nass) den Winzern bescherten, folgt ein Paradeherbst. Die Mengen sind nicht groß, vor allem beim Veltliner. Doch was da ist, ist herausragend. Leichte Malztöne und Duft nach eingelegten Zitrusfrüchten, auch Karamell (hohes Mostgewicht), bereits sehr reif, Röstton, reife Melone.
Aus dem Jahr 2005 kommt der Riesling Smaragd Vießling-Bruck vom Weingut Högl.
2005 machte den Weinmachern ein wenig Sorge, denn die Monate Juli und August lassen es ergiebig niederschlagen. Dafür ist der Herbst, besonders der Oktober, so, wie man es als Weintraube gerne hat. Resultat: Weine mit großer Tiefe und guter, sprich ausgewogener Säurestruktur. Wie dieser Riesling, der alle Vorzüge der Rebsorte ausspielt: reifer Weingartenpfirsich in der Nase, dann Marille, stringent und von unfassbar gelungener Strukturiertheit. Des Verkosters Dilemma: diesen Wein will man nie mehr aus dem Mund geben!
Aus dem Jahr 2004 Grüner Veltliner Smaragd Höhereck vom Weingut Schmelz.
2004 war das erste Jahr eines neuen Qualitätsstrebens, erzählt Emmerich Knoll. Bis dahin hatten viele Winzer den Jahrgang so genommen wie er war. 2004 überlegten viele, ob ein Zuwarten mit der Ernte vielleicht noch bessere Ergebnisse bringen könnte. Wie man heute weiß, ist das durchaus der Fall. Der Veltliner vom Schmelz präsentiert sich in makellos Form, frisch, Apfeltöne, reife Note am Gaumen.
2003 Grüner Veltliner Smaragd Weißenkirchen-Achleiten vom Weingut Holzapfel
Das Jahr 2003: warmer Frühling, frühe Blüte, sehr heißer Sommer. Ein sehr gehaltvoller Wein ist das Ergebnis. Man wirft dem Jahrgang anfangs Breite und zu wenig Säure vor, doch dieser Veltliner präsentiert sich fast zehn Jahre später als überraschend wenig fett, allerdings doch etwas flach, was an der fehlenden Säure liegen mag. Doch, wie uns Emmerich Knoll aufklärt, habe man erkannt, dass die physiologische Reife der Trauben für die Qualität des Weins oft wichtiger sei als die Säure.
Aus 2002 kommt der Riesling Smaragd Weißenkirchen-Steinriegl vom Weingut Jäger.
Eine durchaus vielversprechende erste Jahreshälfte mit perfektem Wetter bis Anfang August wird gefolgt von einem Regen-Desaster. Das höchste Hochwasser seit Menschengedenken bringt viele Steinmauern zum Einsturz, überschwemmt Erdgeschosse und Weingärten. Danach geht es ruhig und warm weiter. Resultat: klassiche Weine, ausgeprägt in ihrer Sortentypizität. Den Wein prägt klare Rieslingfrucht, leichte Petroltöne, reife Säure, wunderbar.
Gefolgt vom Riesling Smaragd Singerriedel vom Weingut Hofstätter aus 2001
Ein kühles Frühjahr, späte Blüte, schöner August und kühler September bringen einen anfangs wenig geschätzten Jahrgang, der sich nun als wunderbar erweist. Denn der sonnige Oktober begünstigste eine späte Reife der Trauben und ergab feine und elegante Rieslinge wie diesen, der immer noch frisch wirkt im Glas. Milder Pfirsichton, ein phantastischer Wein, mit dem Hofstätter der die Kollegen in Deutschland das Fürchten lehrt.
Aus dem Jahr 2000 kommt der Grüne Veltliner Smaragd Rossatz-Steiger vom Weingut Sigl
Extrem frühe Blütezeit der Reben, die es im Sommer zeitweise auch sehr warm haben. Deshalb wird auch früh gelesen, wobei ein Regen anfangs Oktober zu Botrytis führt. Die Lese geht selektiv vonstatten. Resultat: durchaus opulente Weine mit großem Alterungspotential. Auch dieser Veltliner hat eine klare, tolle Frucht, schmeckt nach Honigmelonen und reifem Apfel. Ist da auch eine Spur Sojasauce? Jedenfalls ein Touch Exotik.
Der Grüne Veltliner Smaragd Joching-Kollmütz vom Weingut Franz Pichler repräsentiert das Jahr 1999
Gutes Wetter, gute Verteilung der Niederschläge bringen einen sehr guten Jahrgang. Elegante Rieslinge sind da und Veltliner voller Schmelz und Geschmeidigkeit. Ein Blick ins Glas: Am Anfang ist der der Wein etwas verhalten in der Nase, kommt aber dann dezent zur Sache, bringt also elegante Fruchtigkeit mit Reifetönen.
Aus 1998 der Riesling Smaragd Spitz-Steinporz vom Lagler
Das Jahr 1998 gilt als klassicher Botrytisjahrgang, verursacht durch nebelige Witterung Anfang Oktober. Es sind dichte und konzentrierte Weine und Emmerich Knoll nennt sie die idealen Speisenbegleiter. Doch dieser Riesling macht auch alleine beste Figur: satte gelbe Farbe und starker Auftritt im Glas, pikant, reife Säure, nicht zu viel Petrol, wie dem Jahr unterstellt wird.
Der Riesling Smaragd 1997 vom Weingut Prager
Kühl ist es im Juli, dafür mit guter Wasserversorgung, dann schön warm im August und September. Ergebnis: gesunde Trauben und merkbare Temperaturunterschiede bringen einen unverwechselbaren Wein. Der Riesling vom Prager hat im Glas allerdings grasige Töne und keine Spur seiner Sortentypizität. Wahrscheinlich Kork. Pech gehabt.
Für 1996 der Grüne Veltliner Smaragd Kellerberg von F.X.Pichler
Das Jahr war gar nicht freundlich zu Winzern und Reben. Zuerst warmes, wenn auch feuchtes Frühjahr, dann schöner Sommer, schließlich nass und kalt im September. Keine Sonne und nur eine späte Lese kann die Reifeverzögerung teilweise ausgleichen. Da muss schon ein Meister wie F.X.Pichler her, um da noch was draus zu machen, wie den großen Veltliner aus seiner Paradelage Kellerberg. Cremig, honigartig, perfekt, eine Ausnahmeerscheinung von Wein.
Aus 1995 kommt der Riesling Smaragd Wösendorf-Kirchweg von Rudi Pichler
Winterfrostschäden, späte Blüte, doch ein warmer Sommer und gute Niederschlagsverteilung, also gute Voraussetzungen für eine schöne Reife. In der nebeligen ersten Oktoberhälfte setzt Botrytis ein, das folgende schöne Wetter läßt die Trauben erheblich an Konzentration gewinnen. Fazit: ein Jahr der dichten, gehaltvollen Weine, wie es heißt. Der Riesling von Rudi Pichler präsentiert sich indessen doch eher schlank, weist starke Botrytistöne neben herrlicher Fruchtigkeit auf. Ein guter Wein, um nicht zu sagen: besonders gut.
Die Domäne Wachau steuert zum Jahr 1994 den Riesling Smaragd Achleiten bei
Im Frühjahr kühl und feucht, im Sommer trocken und heiß. So trocken, dass in Terrassen ohne Bewässerung sogar Trockenschäden auftreten. Denn zu wenig Wasser mögen die Reben genauso wenig wie zu viel davon. Jedenfalls gilt das Jahr mittlerweile als "groß", wenn es in den Lagen genug Feuchtigkeit gab. Auch der Riesling von der Domäne ist in wunderbarer Form, vielleicht nicht so stark in der Nase, aber idealtypisch am Gaumen.
Es folgt der Riesling Smaragd 1993 Loiben-Steinertal von Leo Alzinger.
Man kann von einer idealen Karriere sprechen, die die Trauben nach einer frühen Rebblüte durchmachen. Warmer Sommer, schöner Herbst. Nur eine leichte Botrytis, die der Qualität der Weine gut bekommt. Leider hat die Flasche einen Fehler, wahrscheinlich Kork.
Aus 1992 der Riesling Smaragd Mautern-Im Weingebirge vom Nikolaihof
Es war ein heißer Sommer im Jahr 1992. Die Weine wurden früh gelesen, dennoch fehlt es ihnen teilweise an der pikanten Säure, die sie zu ihrer Ausbalanciertheit brauchen. Der Riesling vom Nikolaihof zeigt sich geradlinig, ideal eigentlich, fehlerfrei mit schlanker Note und reifer Frucht.
1991 steht auf dem Etikett des Riesling Smaragds von den Terrassen Thal Wachau von der Domäne Wachau
"Für die Jahreszeit zu kühl", eine der beliebtesten Phrasen der Wetter-Redaktionen, kriegte man auch 1991 oft zu hören. Damit nicht genug: Im August das höchste Donauhochwasser seit 1954. Ein schöner Herbst rettet den Wein. Im Glas haben wir es hier mit einem reifen Riesling zu tun, der fast likörartigen Duft nach Pfirsich verströmt, mit leichten Anklägen von rosa Grapefruit und ja, vielleicht einem klitzekleinen Fehlton in der Nase.
Noch einmal Riesling Smaragd von der Domäne Wachau, allerdings vom Bürgerspital Spitz und aus dem Jahr 1990
Ein wunderbarer Jahrgang dank guter Wetterkonditionen. Er wird als ausgezeichnet bezeichnet und so schmeckt dieser Riesling auch.
Aus 1989 kommt der Riesling Smaragd Loiben Rothenhof vom Weingut Hutter
Späte Rebblüte dank kühlem Frühjahr, auch im Sommer ist es eher kühl, was zu einer späten Traubenreife führt. Doch der späte Herbst ist schön und bringt keine großen Mengen, dafür aber leichte und sortentypische Weine. Die Rieslinge erweisen bei der Verkostung im Redoutensaal als in besonders guter Form. Auch dieser hier ist ein Genuss: purer Honig im Glas ohne einen einzigen Fehler.
Der 1988er Weissburgunder von der Wösendorfer Hochrain vom Weingut Jamek
Sehr gutes Jahr mit warmem Herbst und sehr schönem Lesewetter. Der Weissburgunder ist in Hochform, ohne den geringsten Alterston, am Gaumen leicht mit sanften Noten von Vanille und perfekter Burgunderfruchtigkeit.
Grüner Veltliner Smaragd 1987 vom Weingut Knoll
1987 und die Euphorie hält sich in Grenzen. Späte Blüte, kühler Sommer und immerhin ein akzeptabler Herbst. Die Trauben reifen spät und bringen eher leichte und säurebetonte Weine. Auch dieser Veltlinervom Knoll, dessen Weine sonst durch extrem hohes Alterungspotential glänzen, zeigt ziemliche Anzeichen von Müdigkeit.
Riesling Honivogl 1986 vom Weingut Hirtzberger
Die Trauben reifen früh, so ist die Lese am 20. Oktober fast abgeschlossen. Das Jahr bringt langlebige und gehaltvolle Weine dank gesundem Traubenmaterial und guter Säurewerte. Das erste Jahr, in dem in der Wachau die Kategorien "Federspiel" (früher Kabinett) und "Honivogl" (früher Spätlese) eingeführt werden. Ab 1987 heißt der "Honivogl" dann "Smaragd". Ein Wein mit WOW-Effekt ist dieser Riesling, der so straff und frisch daherkommt, als hätten sie in erst vor kurzem gelesen. Und kaum einer kriegt die Rieslingfrucht so präzise hin wie dieser Klasse-Wein von Franz Hirtzberger.
(kurier)
Erstellt am 12.06.2012, 12:53