Vapiano: Raupe im Salat

Eine Raupe des Buchsbaumzuenslers (Diaphania persp…
Foto: AP/WINFRIED ROTHERMEL

Wer hätte das gedacht: Vapiano setzt unfreiwillig auf den Insekten-Trend.

Größeren Hunger als ein deutscher oder österreichischer Restaurantbesucher hatte eine fette Raupe auf seinem Teller. Der Gast zeigte sein filmisches Talent und nahm das lebendige Eiweiß auf seinem Teller mit der Handykamera auf – und tatsächlich räkelt sich zwischen Blattgrün eine kleine Raupe Nimmersatt. In den USA ziehen solche Episoden Millionenklagen nach sich. In Europa gibt es dazu süffisante Facebook-Postings.

Die Raupe in Action

Unbenannt-2.jpg Foto: Facebook Vapiano zeigte via Facebook wenig Ekel: "Man könnte dies als Beleg für die Frische unserer Salate sehen. Wir nehmen dies aber im Gegenteil sehr, sehr ernst. So etwas darf bei uns nicht passieren! Wir haben einen sehr hohen Qualitätsanspruch und darum wollen wir diesen Vorfall klären. Derzeit versuchen wir, mit dem Gast in Kontakt zu kommen, um zu klären, wo genau und zu welcher Zeit das Video aufgenommen wurde. Und natürlich, um uns zu entschuldigen! Alle unsere Systeme zielen darauf ab, dass unsere Speisen nicht nur frisch und lecker, sondern auch absolut tadellos sind."

Trend

Insekten essen: In Frankreich in aller Munde

Für die einen eine Methode der Weltrettung, für die anderen ein neuer Gourmet-Lebensstil.

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Foto: Aphrodite

Ältere Cineasten erinnern sich vielleicht noch an die Szene, in der Julie Andrews in Viktor/Viktoria in einem Pariser Bistro eine Kakerlake in den Salat zum Essen schmuggelt. Ihr Ziel: Nach der Reklamation des Tierchens würde der Patron die Rechnung übernehmen.

Heutzutage würde der Patron vielleicht geantwortet haben: "Madame, das ist unsere Spezialität." Denn das Verspeisen von Insekten ist zur Zeit in Frankreich ein großes Thema. Nicht, dass es alle täten. Aber ein Pariser Bistro bietet ein Menü an, das ausschließlich aus knusprigen Eiweißgiganten mit Fühlern und Antennen besteht. Das Bistro heißt Le Festin Nu ("Das nackte Festmahl") und schaffte es mit seinem Menü immerhin zu einem Artikel in Le Monde.

Viele Franzosen sehen das Essen von Insekten als eine Frage der Ökologie und als überlebenswichtiges Thema in einer Welt, in der die Bevölkerung mit TGV-artigem Tempo wächst. Doch es geht auch um den kulinarischen Aspekt. Wer bisher Foie Gras (Gänsesopfleber) hatte, hat vielleicht schon bald indomalaischen Palmenrüssler. Statt Beef Tatar kommt vielleicht Fetakäse mit Würmern und Wurzeln auf den Tisch, anstelle von Austern gibt es Wasserskorpion. Solche Tierchen stehen beispielsweise auf der Karte des Festin Nu, das vor einiger Zeit am Montmartre aufgesperrt hat.

vers_farine_sucre_petillant.jpg Foto: Aphrodite Mehlwürmer mit Schokocornflakes und knusrpigem Zucker im Restaurant Aphrodite Dort kriegt man dann vom Besitzer zu hören, dass Grashüpfer wie Meeresfrüchte schmecken, nur knuspriger zubereitet sind.

In Nizza hat ein mit einem Michelinstern ausgezeichneter Küchenchef ein "Alternative Food"-Menü auf der Karte, wo er experimentelle Kreationen mit Mehlwürmern oder Grillen anbietet. David Faure, Küchenchef des Aphrodite, besorgt sich diese Zutaten von eigenen Zuchtfirmen, wie es sie zum Beispiel in Thailand haufenweise gibt. Die Firma nennt sich Micronutris.

Aber nicht nur in Frankreich sind Tiere mit mehr als vier Beinen gerade angesagt. In China und Südamerika sind Insekten Bestandteil der Ernährung und werden durchaus als delikat empfunden.

Der dänische Avantgarde-Koch René Redzepi postete unlängst auf facebook, ein Freund aus Südamerika habe ihm Wurmeier mitgebracht. Zum Ausprobieren. Mehrmals musste Redzepi der Facebook-Fangemeinde versichern, dass diese nicht ins Noma-Menü aufgenommen werden. Die Gäste dort sind Insekten übrigens gewohnt, nachdem Redzepi schon vor zwei Jahren ein Gericht namens Blueberry-Sandwich kreierte. Statt Brot gab es Kleeblätter und die Beeren waren in Wahrheit – Ameisen.

Andere Länder, andere Sitten

Hast Du Cojones?
Wer heuer Urlaub im Westen der USA plant, sollte den Begriff Prairie Oysters oder Rocky Mountain Oysters kennen. Die frittierten Stierhoden gelten auch in Spanien als Delikatesse. Zeig mir Dein Inneres
Schaut wie ein abgenagter Kebab-Spieß aus? Falsch. In Griechenland werden Lamminnereien in Därme gewickelt und am Spieß gegrillt. Kokoretsi gibt es in ähnlicher Form auch in der Türkei. Liebe geht durch den Magen
Wer vorhat nach Schottland zu reisen, kommt am Nationalgericht Haggis wohl kaum vorbei. Sieht ein bisschen aus wie Faschierter Braten, besteht aber aus Schafsmagen gefüllt mit Herz, Leber, Lunge und Hafermehl. Wie auf rohen Eiern gehen
Tausendjährige Eier halten in China zwar nicht tausend, dafür drei Jahre lang. Rohe Enteneier werden in einer Lake aus Wasser, Sägespänen, Asche, Salz und anderen Gewürzen eingelegt. Nach drei Monaten sieht das fermentierte Ei wie braune Götterspeise aus. Es fischelt ganz schön
Sie mögen Heringe? Vielleicht auch Surströmming: In Schweden gelten in Salz eingelegte Ostseeheringe, die bereits zum Gären beginnen, als Schmankerl. Allein das Öffnen der Dose ist angesichts des Duftes eine Mutprobe. Klein, aber stinkig
In Thailand kommen Touristen schnell in den vermeintliche Genuss der Stinkfrucht. Die Einheimischen lieben die Durian, vernaschen dürfen sie die Frucht in öffentlichen Verkehrsmitteln aber nicht. Der Geruch erinnert zu sehr an stinkige Käsefüße. Bist Du Fisch oder Zuckerl?
Die Norweger haben sich eine spezielle Weiterverarbeitung des Trockenfisches überlegt. Für den Lutefisk legen sie gewässerten Trockenfisch in eine Lauge aus Birkenasche. So erhält der Fisch eine gelatineartige Konsistenz. Auch zu Weihnachten beliebt! Viva Mécixo!
Vielleicht bekommen Sie dieses Nationalgericht nicht in den internationalen Hotels, dafür in jedem Restaurant: Escamoles sind Ameisen-Larven mit Öl, Knoblauch und Chilli. Entweder mit dem Löffel essen oder in eine Tortilla wickeln. Das große Krabbeln
Und noch einmal Mexiko: Falls es zu einer Plage mit biblischen Ausmaß kommen sollte, müssen die Mexikaner wenigstens nicht hungern. Frittierte Heuschrecken gibt es dort an jeder Straßenecke als Snack zu kaufen. Besser tot als lebend
In Kambodscha gilt Skun als die "Spinnenstadt" schlechthin. Die Vogelspinnen werden mit ein bisschen Zucker, Salz, Knoblauch und Chilli frittiert. Im Abgang angeblich etwas kratzend. Nichts für empfindliche Mägen
Auf den Philippinen gelten angebrütete Hühner- und Enteneier als Delikatesse. Nach neun Tagen wird das Ei durchleuchtet, ob ein Küken darin wächst. Wenn ja, wird das Ei in heißem Wasser gekocht und samt Küken vertilgt. Schmeck die Schneck'.
Fast schon langweilig wirken im Vergleich zu anderem Boden-Getier die Weinbergschnecken. In Frankreich gelten die Escargot a la bourguignonne in der Zubereitung als extrem aufwendig: Die Schnecken müssen fasten, gereinigt, gekocht und dann entdarmt werden. Und und und. Bis zur Vollreife
Ob sich die wunderschöne Landschaft Islands auch im Essen widerspiegelt? Die Isländer nehmen den giftigen Grönlandhai aus, säubern ihn und vergraben ihn in der Erde, dort darf er einige Monate "reifen", bis sich das Gift zersetzt hat. Manch böse Zunge nennt ihn deswegen Gammelhai. Den richtigen Riecher
In China werden auch die Schweinenasen verarbeitet. Diese müssen allerdings stundenlang gekocht werden und danach schmecken sie noch immer ein wenig zäh. Blut ist dicker als Wasser
In Vietnam besteht die Suppe wohl mehr aus Blut als aus Wasser. Rohes Entenblut, ein bisschen Gemüse und ein paar Erdnüsse gehören zum traditionellen Grundrezept der "Tiet Canh". Trau dich doch
Hauchdünn geschnittenes, rohes Muskelfleisch des Kugelfisches gilt in Japan bekanntlich als besonderes Schmankerl. Tatsächlich steht beim Fugu nicht der Geschmack im Vordergrund, sondern der Nervenkitzel. Mehr als ein prickelndes Taubheitsgefühl im Mund sollte es besser nicht sein, sonst sollten Sie den Notarzt rufen! Warum in die Ferne schweifen?
Übrigens gibt es auch ein paar österreichische Klassiker, die in anderen Nationen als skurril angesehen werden: So besteht die österreichischen Blunzen aus Schweineblut und Gewürzen, die im erkalteten Zustand schnittfähig ist. Und auch für das nächste Gericht müssen andere Nationen einigen Mut aufbringen. Für das größte Beuschel der Welt brauchte es 2004 rund eine Tonne "Innereiensuppe".

(Kurier / kaa) Erstellt am

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