Letztes Update am 24.04.2012, 16:38
Umfrage: Wein und Wien.
Eine Umfrage unter Wiener Weintrinkern: Wein wird getrunken und nicht zu knapp, vor allem, wenn er aus Österreich kommt. Aber nicht unbedingt aus Wien.
Ist das denn die Möglichkeit?
Eine Umfrage unter den Wienern hat ergeben, was viele schon lange Zeit geahnt haben. Die Wiener trinken. Wein trinken sie. Häufig, also mehrmals in der Woche. Nur ein Viertel trinkt nicht mal ein Viertel im Jahr.
Befragt wurden 300 Wiener, die Wein trinken und älter als 18 sind. Die Ergebnisse sind für den, der sich öfter in Wiener Lokalen herumtreibt, nicht so sehr überraschend. Gehen wir dennoch ins Detail.
"Es hat sich gezeigt, dass der Wiener beim Weinkonsum österreichischen Weinen klar den Vorzug gibt. Weine aus Wien führen aber immer noch ein Stiefkind-Dasein", sagt Roswitha Hasslinger, vom Österreichischen Gallup-Institut. "Weiters hat sich gezeigt, dass erstaunlich viele Weintrinker gerne bereit sind, für Bioweine etwas mehr zu bezahlen."
Für die Wiener Winzer gibt es bei der Überzeugungsarbeit ihrer potentiellen Kunden also noch einiges zu tun. Der Wiener Wein hat ja in den letzten Jahren eine beachtliche Aufwärtskurve aufzuweisen, wenn es um die Qualität geht. Aber wie so oft gilt der Prophet nichts im eigenen Land.
Ausländer gelten in Wien übrigens auch dann als wenig beliebt, wenn sie als Wein abgefüllt in Flaschen einwandern wollen.
Konkrete Zahlen, die soeben bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben wurden:
84 % der Befragten trinken hauptsächlich, 22 % sogar ausschließlich Wein aus Österreich. Überwiegend ausländischen Wein trinken 10 %, ausschließlich Wein aus dem Ausland gerade einmal 1 % der Befragten.
Obwohl 94 % der Umfrageteilnehmer wissen, dass in Wien Wein hergestellt wird, bestellen oder kaufen nur 9 % regelmäßig Wein aus ihrer Heimatstadt. Zwei Drittel greifen selten bis nie zu Wiener Wein.
„Dieses Ergebnis tut mir als Wiener Winzer weh. Sogar deklarierte Weintrinker kennen die Vorzüge des Wiener Weins viel zu wenig. Wir verstehen das als Auftrag, die Öffentlichkeit mehr über den Weinbau in Wien zu informieren, damit sich das in nächster Zukunft ändert", sagt der Döblinger Winzer Stefan Hajszan. "Der Wiener Wein muss sich im österreichischen und internationalen Vergleich wirklich nicht verstecken."
Warum trinken die, die Wiener Wein trinken, Wiener Wein? "Weil ich ein Wiener bin" heißt es und der Aspekt der Nahversorgung wird genannt. Die Befragten würden einem Wein dann das Prädikat "Wiener Wein" verleihen, wenn die Trauben aus Wien stammen (86 %), der Wein in Wien hergestellt (60 %) und abgefüllt (37 %) wird.
Worauf legt der Wiener Wert beim Weinkauf?
Auf die Weinsorte kommt es an (für 42 % sehr wichtig), gefolgt von der eigenen Erfahrung (für 40 % sehr wichtig). Jeweils als sehr wichtig eingestuft werden die österreichische Herkunft, und das Preis-Leistungsverhältnis. Für immerhin 15 % der Befragten ist biologischer Anbau sehr wichtig, für 14 %, dass ihr Wein aus Wien kommt.
Grüner Veltliner liegt vorne. Welche Sorte die Wiener am liebsten trinken, wollte man wissen. Weißwein und Rotwein sind in etwa gleich beliebt und werden von drei Viertel der Wiener Weintrinker konsumiert. Der mit Abstand am meisten getrunkene Weißwein ist der Grüne Veltliner (64 %) und damit auch der beliebteste Weißwein, gefolgt von Riesling und Chardonnay (trinken jeweils rund 30 %).
Der gemischte Satz wird von 7 % der Wiener Weinkonsumenten getrunken. Der populärste Rotwein ist der Zweigelt, gefolgt vom Blaufränkischen. Der gemischte Satz, Wiener Vorzeigewein, rangiert unter ferner liefen. Handlungsbedarf.
Bio darf ruhig etwas kosten. Mehr als die Hälfte der Weinkonsumenten in Wien geben an, dass sie für biologischen Wein bereit wären, mehr Geld auszugeben. Dass der Wein, den man trinkt, biologisch ist und ohne Chemie hergestellt wird, ist für 60 % der Befragten wichtig.
(kurier/ar)
Erstellt am 24.04.2012, 15:30