Tomatensauce mal anders

Revellers play with tomatoes during a "Tomatina" i
Foto: Reuters/JOSE LUIS SAAVEDRA

Aus - wie man hört - unverkäuflichen Paradeisern bereitet man sich in Chile einen eigenartigen Genuss.

Alljährlich findet in dem chilenischen Städtchen Quillon die  "Tomatina" statt. Die Menschen beschießen sich mit überreifen Paradeisern. Da bleibt kein T-Shirt sauber. Am besten zieht man's also gleich aus. Welch herrliche Sauce man aus diesen roten Früchten hätte bereiten können. Paradeiser scheint es da unten zur Zeit jedenfalls im Überfluss zu geben. Die im "Paradeiserkampf" verwendeten Früchte sollen, wie es heißt, allesamt nicht mehr für den Verzehr geeignet gewesen sein. Im derzeit vollkommen paradeiserfreien Österreich frisst einen da irgendwie der Neid. Sechs Monate sind es noch bis zu den herrlichen Ochsenherzen und anderen Sorten.

Das Original: Die La Tomatina in Spanien

Sind Essensschlachten im Normalfall - ob der Lebensmittel-Verschwendung und dem Chaos danach - nicht gern gesehen, gibt es jedes Jahr eine große Ausnahme in der spanischen Region Valencia: Ende August nehmen tausende Menschen überreife Tomaten in die Hand und machen das, was uns die Mama schon als kleines Kind verboten hat - mit dem Essen spielen. Eine Reiseempfehlung für Kurzentschlossene. Seit über 70 Jahren geben sich Menschen in Buñol in der spanischen Region Valencia eine Stunde im Jahr eine Paradeiserschlacht mit mehreren Tonnen des Nachtschattengewächses. In der 10.000 Einwohner Stadt versammeln sich am letzten Mittwoch im August tausende Teilnehmer aus aller Welt und bombardieren sich mit den roten Früchten. Eine schmierige Angelegenheit: Schon vor Beginn versuchen die Teilnehmer am Plaza del Pueblo einen etwa sieben Meter hohen, eingewachsten Baumstamm hinaufzuklettern, um an Schinken zu gelangen, der am Baum hängt. Die eigentliche Gaudi beginnt traditionell aber danach - um 11 Uhr. Viele LKW-Ladungen Paradeiser werden dazu in das Zentrum der Schlacht gekippt und sorgen dafür, dass am Ende... ... ganze Flüsse aus Tomatensaft durch die Straßen laufen. Wer glaubt, bei der Tomatina herrsche eine Art Anarchie, irrt gewaltig, es gibt sogar ein Reglement: Von 11 bis 12, genau eine Stunde, dürfen alle Beteiligten mit den Paradeisern werfen. Danach ist aber Schluss, sagt der Ehrenkodex. Bevor die Paradeiser jemand anderem ins Gesicht geworfen werden, müssen sie außerdem erst mal in der Hand zerdrückt werden, um Verletzungen zu vermeiden. Zudem sind die Lieferanten angewiesen, nur überreife Früchte bereitzustellen. Also keine Sorge um verschwendete Lebensmittel: Für die Schlacht werden ausschließlich nicht mehr zum Verzehr geeignete Tomaten verwendet. Letzte Regel: Aufräumen ist Ehrensache! Wer mit dem Essen spielt, muss  nach der Schlacht beim Säubern der Straßen helfen. Nach dem Spaß können die Teilnehmer selbst in die "Waschstraße": Freundliche Anrainer spritzen die die Touristen mit dem Gartenschlauch sauber. Wer danach immer noch Tomaten-Matsch in den Haaren hat, kann auf mobile Duschen am Bahnhof ausweichen. Dennoch empfiehlt es sich nur Kleidung zu tragen, die man ohne Wehmut entsorgen kann und Gewand zum Wechseln mitzunehmen. Übrigens: Einen religiösen oder politischen Hintergrund hat La Tomatina nicht, das Paradeiserfest wurde einfach zum Spaß erfunden. Für Kurzentschlossene: Die diesjährige Tomatina findet am 29. August in Buñol in Valencia statt. Wer etwas länger dafür planen will, kann sich schon mal den 28. August 2013 im Kalender rot einkreisen. Wer weiter reisen möchte, kann die Tomatina auch als Anlass nehmen, um sich Kolumbien einmal genauer anzuschauen. Dort gibt es nämlich seit 2004 jedes Jahr am 15. Juni in Sutamarchán auch eine Paradeiserschlacht. Weitere Partys zu denen es sich zu reisen lohnt finden Sie hier.

(KURIER) Erstellt am

Posten

Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?