Zur mobilen Ansicht wechseln »
KURIER
Gleich knallt's. Aber es ist der Korken. Szene aus "Der Spion, der mich liebte" mit Roger Moore und Barbara Bach.
Gleich knallt's. Aber es ist der Korken. Szene aus "Der Spion, der mich liebte" mit Roger Moore und Barbara Bach. - Foto: Verleih

Letztes Update am 13.11.2012, 09:58

Sein Name ist Schmecker, Feinschmecker. Im neuen Film trinkt Bond Bier. Die eigentliche Film- und Romanfigur James Bond bedient jedoch alle Klischees des weltgewandten Connaisseurs.

James-Bond-Erfinder Ian Fleming ließ sich das Leben was kosten. Er kam aus gutem Haus. Ein bißchen Karriere gemacht. Viel herumgekommen. Genfer See, Kitzbühel und so. Dann eine Liaison in Paris. Da lernt man schon kennen, was das gute Leben ausmacht. Seinem literarischen Ego 007 ließ er dieses Wissen schon im ersten Roman "Casino Royal" angedeihen. Der wußte schon, wie man an der Bar bestellt, was ein gutes Frühstück ausmacht (frischer Orangensaft) und dass Hummer mit nichts als heißer Butter eine Delikatesse ist. Bond brauchte keine Elmayer-Kurse, wie es sie heute für Nachwuchsmanager gibt, die ihr Besteck nicht gerade halten können. Er ging im Buch "Moonraker" auch einmal mit seinem Chef "M" in einem vornehmen Londoner Club essen und bewies Kennerschaft in beiden Fällen: Essen und die Wahl des richtigen Getränks dazu. Bond/Flemings Geständnis in dem Buch "Mondblitz": "Ich habe eine Schwäche für richtig guten Räucherlachs."

Die Filme, die Anfang der Sechziger gedreht wurden, spielten mit dem Klischee des kulinarisch gebildeten Spions, der Rotweinjahrgänge unterscheiden kann, und im nächsten Moment einen Gegner halb tot schlagen. Nur die Krawatte musste dabei richtig sitzen. Und bitte keine Saucenflecken auf dem weißen Hemd. Flecken ja, aber dann Blut. So trank, schlug und aß sich James Bond durch die Jahrzehnte. Was im Playboy als unbedingt zu erfüllende Bedingung eines erfüllten Herrenlebens beschrieben wurde, musste auch James Bond haben. Kaviar hatte immer einmal da und dort auf dem Tisch zu stehen. Der Sprudel hatte stets nur im silbernen Champagnerkübel seinen Auftritt. Mal gab es Austern. Dann wieder Lammkoteletts. Was der Mann halt zum Leben braucht.


Und der Kinogänger? Der braucht vor allem Klischees. Da zerbricht der Bösewicht kameragerecht den Hummer, dass es nur so knirscht. Ein anderes Mal begnügt er sich mit dem Fünf-Uhr-Tee, nicht ohne zu sagen, dass es sich bei dieser Zeremonie um den einzigen Beitrag Großbritanniens zur menschlichen Zivilisation handle. Als Bond dann gemeinsam mit seinem Hauptdarsteller in die Jahre kommt, konvertiert er zum Koch. Dann gibt es schon einmal Quiche aus den Resten, die gerade im Kühlschrank waren und die Frauen sind verzaubert.

Mit der Krise hat sich das allerdings erledigt. Daniel Craig wird als dem literarischen Vorbild Ian Flemings sehr nahe beschrieben (welcher seiner Vorgänger wurde das nicht?). Aber von den weltmännischen Allüren sind ihm nur noch Maßanzug und sein alter Aston Martin geblieben, der in "Skyfall" schließlich ebenfalls noch zu Schrott geschossen wird. Nix da mit Dom Perignon-Champagner und Kaviar. Gegessen wird überhaupt nicht mehr. Zu trinken gibt es Heineken. Aus der Flasche, versteht sich. Heineken soll 35 Millionen zum Filmbudget beigetragen haben. Kein Wunder, dass sich das Judy Dench nicht mehr mit anschauen wollte (sie bevorzugte übrigens Whisky statt Cognac) und um einen filmgerechten Abgang aus der Serie gebeten hat.


Bonds kulinarisches Downgrade

Vom Dom Perignon zum Lagerbier

(Kurier) Erstellt am 13.11.2012, 09:58


Diskussion

Kommentare aktualisieren
Bitte Javascript aktivieren!