Sein Name ist Schmecker, Feinschmecker

Kopie von James Bond Filmstil
Foto: Verleih Gleich knallt's. Aber es ist der Korken. Szene aus "Der Spion, der mich liebte" mit Roger Moore und Barbara Bach.

Im neuen Film trinkt Bond Bier. Die eigentliche Film- und Romanfigur James Bond bedient jedoch alle Klischees des weltgewandten Connaisseurs.

James-Bond-Erfinder Ian Fleming ließ sich das Leben was kosten. Er kam aus gutem Haus. Ein bißchen Karriere gemacht. Viel herumgekommen. Genfer See, Kitzbühel und so. Dann eine Liaison in Paris. Da lernt man schon kennen, was das gute Leben ausmacht. Seinem literarischen Ego 007 ließ er dieses Wissen schon im ersten Roman "Casino Royal" angedeihen. Der wußte schon, wie man an der Bar bestellt, was ein gutes Frühstück ausmacht (frischer Orangensaft) und dass Hummer mit nichts als heißer Butter eine Delikatesse ist. Bond brauchte keine Elmayer-Kurse, wie es sie heute für Nachwuchsmanager gibt, die ihr Besteck nicht gerade halten können. Er ging im Buch "Moonraker" auch einmal mit seinem Chef "M" in einem vornehmen Londoner Club essen und bewies Kennerschaft in beiden Fällen: Essen und die Wahl des richtigen Getränks dazu. Bond/Flemings Geständnis in dem Buch "Mondblitz": "Ich habe eine Schwäche für richtig guten Räucherlachs."

Die Filme, die Anfang der Sechziger gedreht wurden, spielten mit dem Klischee des kulinarisch gebildeten Spions, der Rotweinjahrgänge unterscheiden kann, und im nächsten Moment einen Gegner halb tot schlagen. Nur die Krawatte musste dabei richtig sitzen. Und bitte keine Saucenflecken auf dem weißen Hemd. Flecken ja, aber dann Blut. So trank, schlug und aß sich James Bond durch die Jahrzehnte. Was im Playboy als unbedingt zu erfüllende Bedingung eines erfüllten Herrenlebens beschrieben wurde, musste auch James Bond haben. Kaviar hatte immer einmal da und dort auf dem Tisch zu stehen. Der Sprudel hatte stets nur im silbernen Champagnerkübel seinen Auftritt. Mal gab es Austern. Dann wieder Lammkoteletts. Was der Mann halt zum Leben braucht.

Und der Kinogänger? Der braucht vor allem Klischees. Da zerbricht der Bösewicht kameragerecht den Hummer, dass es nur so knirscht. Ein anderes Mal begnügt er sich mit dem Fünf-Uhr-Tee, nicht ohne zu sagen, dass es sich bei dieser Zeremonie um den einzigen Beitrag Großbritanniens zur menschlichen Zivilisation handle. Als Bond dann gemeinsam mit seinem Hauptdarsteller in die Jahre kommt, konvertiert er zum Koch. Dann gibt es schon einmal Quiche aus den Resten, die gerade im Kühlschrank waren und die Frauen sind verzaubert.

Mit der Krise hat sich das allerdings erledigt. Daniel Craig wird als dem literarischen Vorbild Ian Flemings sehr nahe beschrieben (welcher seiner Vorgänger wurde das nicht?). Aber von den weltmännischen Allüren sind ihm nur noch Maßanzug und sein alter Aston Martin geblieben, der in "Skyfall" schließlich ebenfalls noch zu Schrott geschossen wird. Nix da mit Dom Perignon-Champagner und Kaviar. Gegessen wird überhaupt nicht mehr. Zu trinken gibt es Heineken. Aus der Flasche, versteht sich. Heineken soll 35 Millionen zum Filmbudget beigetragen haben. Kein Wunder, dass sich das Judy Dench nicht mehr mit anschauen wollte (sie bevorzugte übrigens Whisky statt Cognac) und um einen filmgerechten Abgang aus der Serie gebeten hat.

Bonds kulinarisches Downgrade

Vom Dom Perignon zum Lagerbier

Schon im ersten James Bond-Film "007 jagt Dr.No" positionierte sich der vom rauen Sean Connery verkörperte Geheimagent als Kenner exotischer Schauplätze, guter Getränke und feinem Essens. Der berühmteste Drink der Welt kam auf den Tisch: Vodka-Martini. Geschüttelt, nicht gerührt. 50 Jahre nach "Dr.No" geht ein Raunen durch die Fangemeinde. 007 zieht sich in "Skyfall" zwischen dem Sex nicht mehr Champagner, sondern ein Heineken rein. Es kommt eben auf die Größe an - die Größe des Werbebudgets. Daniel Craig hat es heute nicht leicht als Bond. Das Budget für Kaviar und Champagner wurde in Bier umgeleitet. Wenigstens passen der Tom Ford-Anzug und der Aston Martin-Oldtimer. Schauen wir zurück: Der Urbond Connery erwies sich in "Liebesgrüße aus Moskau" als kompetenter Weltenbummler, wenn in Istanbul zum Frühstück "Grüne Feigen, weißer Joghurt, schwarzer Kaffee" bestellte. Damals war die Luxuswelt der Geheimdienste noch in Ordnung: Sean Connery als Bond in "Goldfinger" sagte den legendären Satz: "Wenn man einen Dom Perignon über 10 Grad trinkt, ist das, als ob man den Beatles ohne Ohrenschützer zuhören würde. Dom Perignon, Lieblingschampagner aller Etikettentrinker, war der Trinkkumpane Nullnullsiebens in den schönen Sechziger. 20 Jahre später: 1983 war 007 alias Sean Connery etwas in die Jahre gekommen. Die Leber hatte nicht mehr 00-Status. Deshalb schickte ihn sein Boss M auf Kur. Im Geheimgepäck: Ein Survival-Koffer voller Delikatessen von der Gänsestopfleberterrine bis zum Wodka. Kaviar, immer schon der Inbegriff von Luxus, war in dieser Zeit so etwas wie 007s Hauptnahrungsmittel. Er ließ sich einfach nie filmen mit einem Teller Spaghetti oder einem Burger. George Lazenby prügelt sich durch den "Geheimdienst Ihrer Majestät" und beschreibt die Vorzüge von Beluga Kaviar in einem Satz: "Hmm, Beluga, das hebt die Stimmung ..." Fischeier als Aphrodisiakum. Etikettentrinkers Liebling Nummer Zwei, allerdings auch ein echt guter Stoff, ist Mouton Rothschild, einer der berühmtesten Weine aus Bordeaux. Er rettet James Bond in dem Film "Diamantenfieber" das Leben. Mit seinem Weinwissen enttarnt Bond locker einen falschen Weinkellner, der nicht weiß, dass Bordeaux im Englischen auch "Claret" genannt wird: Es kommt zum finalen Showdown in "Diamantenfieber". Mit dem Bonvivant Mooere zog in den Siebzigern die Lässigkeit im Kino ein. Zigarren statt Zigaretten (Moores Lieblingsmarke Davidoff Nummer 1) und der Champagner kam dann immer öfter aus dem Haus Taittinger. Und man gewöhnte sich daran, dass immer wieder einmal wo im Set eine Flasche Champagner dekorativ herumstand. Mal zum Trinken, mal um dem Gegner damit eins überzuziehen. Auf seine alten Jahre in "Im Angesicht des Todes" wurde Roger Moore sogar zum Koch. Er zauberte eine Quiche aus Resten, die gerade im Kühlschrank waren. Brosnan, Pierce Brosnan trank mit der Zeit. Als den Drehbuchautoren jemand gesteckt hatte, dass Mojito gerade populärer war als Martinicocktail, gab es in "Stirb an einem anderen Tag" (was für ein Titel) prompt das grüne Getränk für Bond und Halle Berry. Und nun Daniel Craig. Er definiert in "Casino Royal" den genauen Inhalt eines Drinks namens "Vesper". Eine halbe Filmstunde zuvor hat er einer Dame Champagner und Kaviar in die Hotelsuite bestellt. "Für eine Person." Bond.02 hat keine Zeit fürs Essen. Muss schnell zum Flughafen, einen Terroranschlag vereiteln. Später gibt es dann doch noch etwas Beluga, was einen James Bond in unseren Zeiten aber irgendwie eher als Parvenu denn als Connaisseur erscheinen lässt. Das Bild vom kulinarischen Luxus hat sich geändert.
(Kurier) Erstellt am

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