Letztes Update am 01.08.2012, 15:08
Lokales: Das beste Restaurant am Traunsee.
Und vielleicht im ganzen Salzkammergut. Das neue Bootshaus im Hotel Das Traunsee in Traunkirchen ist ein wahres Fest fürs Auge und den Sinn für guten Geschmack.
Der Ort Traunkirchen hat seit der Umleitung des Autoverkehrs zwischen Gmunden und Ebensee durch einen Tunnel enorm gewonnen. Ja, man möchte fast von einer idyllischen Halbinsel am Traunsee sprechen. Schön herausgeputzt hat sie sich. Und mit dem Hotel Das Traunsee verfügt sie jetzt auch über eine lohnende Adresse. So schön wohnt man im Salzkammergut selten. Seit Neuesten isst man dort auch höchst hervorragend.
Im Hotel Das Traunsee gab es immer schon Gutes auf dem Teller und im Glas. Das neue Restaurant ist ein Ausdruck der Hoteliersfamilie, die ihren Betrieb gerade selbst neu erfindet. Es nennt sich Bootshaus.
Der Name ist Programm. Das Bootshaus liegt am Wasser. Es besitzt naheliegenderweise enormen Schauwert auf Traunsee und Traunstein.
Drinnen findet der hungrige Gast eine zurückhaltend gestaltete Mischung aus ländlichen Stoffen, Holz und noch einmal Holz.
Der neue Küchenchef ist Salzkammergut-Essern kein Unbekannter. Thomas Donleitner kochte schon in der leider verblichenen Wengermühle in Schörfling auf hohem Niveau. Er und seine Mitstreiter hat hier gantz offensichtlich der Ehrgeiz gepackt. Das entnimmt man der Lektüre der aufgeräumten Speisenkarte, die richtig Appetit macht.
Donmleitner und seine Leute haben sich in den guten und besten Restaurants Europas umgesehen beziehungsweise dort auch gearbeitet (Steirereck, Taubenkobel, Vendome), bevor man ans Werk in Traunkirchen gegangen ist. Hier einer der spannendsten Sommersalate der Saison: Mit Eierschwammerl.
Während des Abendessens zieht sich der Traunstein mehrere Hemden in verschiedenen Rosa- bis Rottönen an. Erinnern wir uns noch an die fernen Zeiten, als es in Österreich fast denkunmöglich schien, an wirklich spektakulären Orten auch gutes Essen zu ergattern?
Die Zutaten sind vom Feinsten. Das Brot für die Abendgäste bringt der beste Bäcker von Linz, der in der Gegend wohnt. Die Fische kommen aus dem nahen See, bei Rind oder Kalb hat man sich längst mit den besten Lieferanten zusammengetan. Und die Blumen für diese Vorspeise zum Thema Kalbskopf kommen wahrscheinlich von der Alm ...
Nach ein paar Gerichten wird klar, dass man es hier nicht mit Anfängern zu tun hat, sondern mit jungen Köchen, die einiges von der Welt gesehen haben.
Tagesfang: Schleie, delikat mit Artischoken angerichtet, dann Saibling, der mit Radieschen eine erfrischend herb-bittere Allianz bildet.
Auf der Weinkarte dazu Passendes von Schloss Gobelsburg oder F.X. Pichler. Die Geheimtipps werden vom Autor an dieser Stelle natürlich nicht preisgegeben. Er will sie lieber selber trinken.
Wir sind noch lange nicht am Ende. Eine schöne Interpretation des Themas Kälbin.
Gänseleber mit Kirschen - auch das gefällt.
Während die Nachspeisen extrem gut gemacht sind. Gibt es auch etwas zu bekritteln in diesem schönen Haus? Man könnte von den Wartezeiten reden, die da und dort etwas überspannt wirken. Und dann wäre da noch die Sache mit dem Wetter: es gewittert einfach zu oft in der Gegend. Kann der Patron da bitte was tun?
(kurier)
Erstellt am 03.08.2012, 07:00