Esskultur Kulinarische Tabus Diskussion Weitere Artikel Letztes Update am 18.02.2013, 17:45 Bildergallerie drucken An Instapaper senden Kulinarische Tabus. Von Pferd bis Heuschrecke, von Affe bis Hund: Was wo von wem gegessen wird und was nicht. Vollbild Zurück Bild von / Weiter Schliessen Vollbild Ein Königreich für ein Pferd! Seit Shakespeare wissen wir, wie hoch das Ross im Ranking der Lebewesen steht bei den Briten. Sowas isst man nicht, das reitet man in Ascot. Die meisten Esstabus haben weniger geschmackliche, sondern kulturhistorische Gründe. In Frankreich, Teilen Österreichs und in Oberitalien findet man Pferdefleisch hingegen sehr akzeptabel. Pferdefleischer verzeichnen während der letzten Tage, wie man hört, durchwegs einen Run neugieriger Esser. Dennoch hat auch das Pferd eine kulinarisch schwierige Geschichte. Die Kirche, die Pferde für die Kreuzzüge brauchte, hat unter anderem damit zu tun, dass Pferd in vielen Gegenden Europas ein Tabu ist. Als der dänische Kultkoch Rene Redzepi (Noma, Kopenhagen) im vergangenen Sommer Ameisen servierte, betrat er damit die Tabuzone europäischer Esser. Redzepi verstand die Aufregung nicht ganz: "In Südamerika", so er, "isst man gerne Ameisen." (Die Ameisen schmecken übrigens wie Blaubeeren.) Singvögel zu fangen beziehungsweise fangen zu lassen und zu essen, gehörte bis zum 18. Jahrhundert zur Liebhaberei des Adels und des Bauerntums. Aufstrebendes Bürgertum, das sich von beiden Schichten abgrenzen wollte, machte dem Vogelverzehr ein Ende. Seither sind Amsel und Kollegen auf dem Speisezettel tabu. Während man in unseren Breiten vom Rindvieh so wenig genug kriegen kann, dass man es sogar mit Pferd verstärkt, ist die Kuh den Indern heilig. Und dementsprechend unessbar. Im arabischen Raum wie auch in Israel isst man kein Schwein. Die Schweinehaltung war in der heißen Gegend auch immer schon schwierig. Vielleicht daher die - mittlerweile religiös reglementierte - Abneigung. Die Schweinefleisch-Beigabe im Döner muss daher auch als besonderer Insult angesehen werden. Großes Thema: Insekten essen. Hier zum Beispiel eine frittierte Heuschrecke. Im Westen ein Tabu. In manchen, heißen Ländern eine Delikatesse. Reich an Proteinen, knusprig und gar nicht fad. Insekten sollen so gut schmecken, dass sie auch als Ernährungsquelle für die ständig wachsende Weltbevölkerung in Frage kämen. Wer schon mal in China zu Gast war und beobachtet hat, wie sie im Restaurant einem Affen bei lebendigem Leib das Hirn aus dem Kopf essen, weiß: andere Länder, andere Ess-Sitten. Zum Beispiel gibt es in vielen chinesischen Kantonen Hund. Auch die Inder lieben das Vierbeinige mit der Schnauze, aber nicht als Haustier, sondern im Topf und in der Pfanne. In Südchina und in Vietnam zählt Ratte zu den gefragten Delikatessen. (Schmeckt angeblich wie Kaninchen.) In Vietnam oder auch Singapur haben die Menschen eine Schwäche für Schlangen. Auch das Blut der Tiere zählt dort zur Delikatesse. Und gibt es auch eine europäische Spezialität, die die Esser andere Länder als unsittliches Futter betrachten? Nehmen wir zum Beispiel Kutteln - von Florenz bis Paris gilt der Pansen des Kalbs oder des Lamms als reine Delikatesse. Für viele aber, die Kutteln unter anderem als Hundefutter kennen, ein echtes No-Go. Da haben's die Chinesen wiederum leicht. (Kurier) Erstellt am 18.02.2013, 17:45 Diskussion Kommentare aktualisieren Weitere Artikel zum Thema Genuss Zu Tisch zwischen Florenz und Siena