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Foto: dpa/David Ebener

Letztes Update am 24.12.2012, 14:53

Es wird heiß – mit der richtigen Würze. Im Tee, in der Suppe oder im Eintopf: Gewürze verfeinern das Aroma und heizen ein

Wenn einem die Kälte in den Knochen sitzt, Hände und Füße sich wie Eisblöcke anfühlen, helfen nicht nur ein Winter-Outfit und eine kuschelige Decke. Mit der richtigen Ernährung lässt sich der Körper angenehm von innen wärmen. „Die Traditionelle Chinesische Medizin unterteilt Lebensmittel nach ihrem Temperaturverhalten, ihrem Geschmack und ihrer Wirkung in heiß, warm, neutral, erfrischend und kalt“, erklärt die Ernährungsberaterin Monika Masik-Lebeda.

Während Yoghurt und Südfrüchte zum Frühstück einen kühlen Start in den Tag bescheren, vertreibt ein warmer Brei im Magen die Eiseskälte, die einem draußen entgegen schlägt. Mit der richtigen Würze kann einem ganz schön heiß werden. Schon eine Scheibe Ingwer mit heißem Wasser wärmt angenehm von innen. „Abends ist der Glühwein, verfeinert mit den richtigen Gewürzen, an kalten Wintertagen gar nicht so abwegig“, sagt Masik-Lebeda.


Zimt

Zimt und Weihnachten - die perfekte Kombi.
Foto: segovax_pixelio
Die Kulturgeschichte des Zimts begann schon 4000 v. Chr. in China, das edle Gewürz ist sogar im Alten Testament erwähnt. Während es bei uns nur rund um Weihnachten nach Zimt duftet, hat das Gewürz im Orient ganzjährig Saison. Abhängig von der Qualität der Sorte, gilt das Zimtrindenöl des Ceylon-Zimts etwa als antibakteriell. Bei Grippe und Bronchitis soll es sogar antiviral wirken. Außerdem enthält es Stoffe, die den Blutzucker- und Blutfettspiegel senken sollen.

Pfeffer

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Foto: Stephan Boroviczenycall. +43(0)6889092400sboro@live.de
Der Ursprung der Kletterpflanze liegt im tropischen Indien, schon die Griechen und Römer der Antike betrieben regen Handel mit dem Luxusgut Pfeffer. Ihm werden antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben. Er gilt als durchblutungsfördernd und appetitanregend. Zudem wirkt Pfeffer positiv auf die Fettverdauung.

Sternanis

Als relativ junges Gewürz spielen die Früchte des gleichnamigen Baumes in der chinesischen Küche erst seit wenigen Jahrhunderten eine Rolle. Sternanis ist nicht mit der Anispflanze verwandt – er heißt nur so, weil er ähnlich schmeckt. Er hat antibakterielle Eigenschaften und wirkt schleimlösend. Die Traditionelle Chinesische Medizin schwört auf die stärkende Wirkung für Bronchien, Herz, Nieren, Darm und Blase.

Kümmel

Dieser gilt in unseren Breiten als das älteste Würz- und Heilmittel und ist nicht mit dem Kreuzkümmel zu verwechseln. Neben seinen verdauungsfördernden und entgiftenden Eigenschaften ist Kümmel reich an Vitamin C und stärkt das Immunsystem. Im Mittelalter galt Kümmel sogar als Mittel gegen Seitensprünge.

Muskatnuss

REUTERSA worker prepares nutmeg shells for storage at Kramomongga district in Fakfak, Indonesias West Papua province, October 18, 2009. Indonesia is a major producer of the spice. Picture taken October 18, 2009.  REUTERS/Yusuf Ahmad (INDONESIA AGRICULTURE
Foto: REUTERS
Die Herkunft des kostbaren Gewürzes, das lange Zeit sogar als Statussymbol um den Hals getragen wurde, galt über Jahrhunderte als Geheimnis. Später wurden sogar Kriege um das Handelsmonopol geführt. In geringen Mengen wirkt Muskatnuss antibakteriell, entzündungshemmend und entkrampfend.

Gewürznelken

Bis vor 200 Jahren wuchs der Gewürznelkenbaum nur auf den Molukken im Pazifischen Ozean. Die Herkunft des kostbaren Gewürzes war daher lange Zeit ein gut gehütetes Geheimnis. Nelkenöl wirkt antibakteriell, antiviral und antiseptisch. Die keimtötende und leicht schmerzstillende Eigenschaft wurde gerne in der Zahnheilkunde genutzt.

Ingwer

Die Knolle war im Mittelalter hierzulande weit verbreitet und galt als „Pfeffer der armen Leute“. Neben seinen wertvollen Mineralstoffen (Kalium, Kalzium, Phosphor, Magnesium, Eisen) werden Ingwer schmerzstillende, entzündungshemmende und antibakterielle Eigenschaften zugeschrieben. Außerdem fördert er die Fließeigenschaften des Bluts.

Paprikapulver/Chili

Der Familie der Chilipflanzen angehörig, kommt die Paprika aus Südamerika. Dort wurden die Schoten schon vor 6000 Jahren kultiviert. Dank Christoph Columbus schafften es die Früchte nach Europa und zierten zunächst nur königliche Gärten. Erst im 19. Jahrhundert setzte sich das Pulver in Europa als Gewürz durch. Der enthaltene Farbstoff Capsanthin ist reich an Vitamin C. Umschläge mit Paprikapulver wurden zur Durchblutungsförderung etwa bei Arthrose genutzt. Der Scharfstoff Capsaicin setzt Endorphine frei und wirkt positiv auf die Stimmung. Außerdem fördert er die Durchblutung und hat schleimlösende und entzündungshemmende Eigenschaften.

Rosmarin

Rosmarin
Foto: Stephan BoroviczenyKURIER
Schon in früher Zeit kultiviert, wurde Rosmarin seit jeher auch in religiöse Bräuche eingebunden, um die Luft von Schlechtem zu reinigen. Rosmarin stärkt die Nerven und fördert die Durchblutung.

Lorbeer

Schon in der griechischen Mythologie kommt der Kulturpflanze eine besondere Bedeutung zu. Bei den Olympischen Spielen begann man den Sieger einen Lorbeerkranz aufzusetzen. Die ätherischen Öle wirken entspannend und unterstützen die Konzentration.

Kardamom

Verwandt mit Ingwer und Kurkuma, zählt der „König der Gewürze“ zu den kostbarsten der Welt. Er war schon im 3. Jahrtausend v. Chr. zwischen Euphrat und Tigris sowie in China als Heil- und Gewürzpflanze bekannt. Kardamom ist krampflösend und wirkt sich ähnlich konzentrationsfördernd wie Koffein aus.

Knoblauch

Der starke Geruch der Knolle führte seit jeher dazu, dass sich um den Knoblauch viel Aberglaube rankte. In manchen Kulturen war er verboten, in anderen wurde er hoch geschätzt. Er wirkt antiseptisch, antibiotisch und gegen Pilze. Knoblauch stärkt das Herz-Kreislauf- und das Immunsystem, wirkt blutverdünnend und beugt Bluthochdruck vor.

Buchtipp: „Meine Küche der Gewürze“ von Alfons Schuhbeck. Zabert Sandmann, € 25,70.


Über Gewürze in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

Kompott und Suppe statt Rohkost und Südfrüchte

Nach Lehre der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden Nahrungsmittel nach ihrem Temperaturverhalten geordnet. Nicht selten spielt die Verarbeitung dabei eine Rolle. Ernährungsberaterin Monika Masik-Lebeda bringt ein Beispiel: „Rohkost ist sehr abkühlend. Aber durch den Kochvorgang kommt Wärme in die Nahrung herein. Demnach wirkt Apfelkompott wärmender als ein Apfel.“

Zu den heißen Lebensmitteln gehören Chili, Pfeffer, Zimt und Ingwer, aber auch Hammel- und Lammfleisch, Glühwein und Schimmelkäse. In Maßen vertreiben diese Lebensmittel die innere Kälte und unterstützen die Abwehrkräfte – im Übermaß erzeugen sie aber Hitze und trocknen aus.

Der Fokus sollte derzeit daher auf warmen Lebensmitteln liegen. Zu dieser Kategorie gehören Nüsse (vor allem Walnüsse), Maroni, Getreide (Hirse, Quinoa, Amaranth), Winter- und Wurzelgemüse (Kraut, Lauch, Fenchel, Karotten, Kürbis) und die meisten der im Bild links gezeigten Gewürze. „Nicht zu vergessen sind Hülsenfrüchte. Eine Linsensuppe oder ein Gemüseeintopf mit wärmenden Gewürzen sind ideal.“

Im Gegensatz dazu rät Masik-Lebeda von Zitrus- und Südfrüchten ab: „Orangensaft kühlt ab. Für die Vitamin-C-Versorgung sind dafür Granatapfel und Sanddornsaft sehr empfehlenswert.“ Bei Magenbeschwerden oder hitzigen Typen rät sie allerdings vor zu viel warmen Lebensmitteln ab.

(kurier) Erstellt am 24.12.2012, 14:53


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