Letztes Update am 31.08.2012, 16:30
Die teuersten Erdäpfel der Welt und andere Fakten.
Vielfältig wie kaum ein anderes Gemüse ist der Erdapfel. Was wissen Sie eigentlich über ihn?
Erdäpfelvielfalt, wie Sie Feinschmecker und Slow-Food-Gläubige lieben.
-
Foto: Arche Noah
Erdäpfel sind ein klassisches Beispiel für natürliche Vielfalt, die dank der Lebensmittelindustrie stark dezimiert wurde. In den letzten Jahren haben Köche und Genießer wieder Geschmack gefunden an der Breite des Angebot und es gibt Erdäpfel in allen möglichen Farben, Formen und Zubereitungen. Zu Unrecht ist der Erdapfel als Dickmacher in Verruf geraten. Dieser Funktion kommt er nur in Öl gebacken oder als hochgebuttertes Püree nach. Hier lautet die Devise: lieber weniger vom Besten als viel vom Mittelmaß. Der französische Koch des Jahrhunderts Joel Robuchon widmete der Erdapfel ein eigenes Kochbuch.
Veranstaltungshinweis:
Am 2. September findet in der Arche Noah in Schiltern ein Fest und eine Ausstellung zum Thema der seltenen Erdäpfelsorten statt. Beginn: 14 Uhr.
In unserem Zeitalter des Smarten, Schicken und des Designs hat der Erdäpfel ein kleines Imageproblem. Er sieht nicht gut aus, wächst nicht an der Sonne, sondern unten, wo es erdig und finster ist. Dennoch steckt einiges drin, in der hässlichen Knolle.
Ein bisschen Geschichte
Seit 8000 vor Chr. gibt es den Erdäpfel schon. Er wurde in Chile und Peru kultiviert. Die Spanier brachten ihn im 16. Jahrhundert nach Europa und bedankten sich bei den Südamerikanern für die Gabe mit Verwüstung und Eroberungskriegen.
1801 serviert Thomas Jefferson (Zweiter von links), ein in Frankreich geschulter Gourmet, im Weißen Haus zum ersten Mal French Fries. Von McDonalds ist derweil in Amerika noch keine Spur.
Im neunzehnten Jahrhundert löst eine Krankheit, die Erdäpfelernte in Irland dezimiert, eine Hungersnot aus. Eine Million Iren wandern nach Amerika aus und tragen Bedeutendes zu den USA bei, wie wir sie heute kennen. Eine weitere Million bleibt zu Hause und stirbt.
1995 ist der Erdäpfel das erste Gemüse, das im Weltraum angebaut wird. 2010 beträgt die weltweite Ernte 324 Millionen Tonnen.
Der Erdäpfel als Diätwunder
Er ist eigentlich fettfrei. Ein hoher Anteil an Wasser und Ballaststoffen macht ihn zum idealen Bestandteil einer Diät mit dem Ziel, ein paar Kilos abzuspecken.
In einem Erdäpfel stecken Vitamine, Ballaststoffe und Nährstoffe.
30 % des täglichen Bedarfs an Vitamin C. Hilft dem Körper gegen Infektionen. 16 % des täglichen Bedarfs an Ballaststoffen. Gut für die Verdauung und ein Mittel gegen das Risiko von Dickdarmkrebs. 39 % von Vitamin B6, das wichtig für die Erneuerung der Zellen ist und uns vor Stimmungsschwankungen bewahrt.
Gut gegen Diabetes
Komplexe Kohlehydrate, die langsam verstoffwechselt werden, halten den Zuckerspiegel im Balance. Low Carb und Erdäpfen sind also irgendwie kein Widerspruch. Auf die Zubereitung kommt es an.
Gut fürs Herz
Im Erdapfel sind auch eine Menge Flavonoide enthalten. Sie helfen gegen Verkalkung der Arterien.
Zahlen
China produziert die meisten Erdäpfel, während die Menschen in Belarus den höchsten Erdäpfelverbrauch pro Kopf haben. Die meisten Rezepte zum Thema Pommes de terre kommen jedenfalls aus Frankreich: Gratins, Soufflés, Pürées und natürlich - Pommes frites!
Der schwerste Erdapfel, der je gewogen wurde, wog 3, 76 Kilo.
Die Schotten aßen ursprünglich keine Erdäpfel, weil davon kein Wort in der Bibel zu finden war.
Unter der Schale des Erdapfels finden sich übrigens die meisten Vitamine und Nährstoffe. Weshalb es kein Fehler ist, wenn Sie Ihre Rosmarinerdäpfel mit der Schale im Rohr backen.
Apropos Backen: Wissenschafter sagen, dass schon der Geruch von gebackenen Erdäpfeln in uns wohlige Erinnerungen an gute Zeiten, vielleicht die Kindheit, aufkommen lässt.
Wenn man einen Erdapfel in Fett bäckt, erhöht sich der Fettantteil von Null auf acht Gramm. Fritten machen fett. Schlimmer noch, sagt der Gourmet, dass die wenigsten Wirte und Fast-Food-Läden gute Pommes hinkriegen: zu fett, zu lasch, zu salzig.
Der teuerste Erdäpfel der Welt
Im Golf von Biskayer, wachsen Erdäpfel mit dem klingenden Namen Bonnotte. Die Lage, die salzige Seeluft machen den Unterschied. Denn der Sandboden absorbiert die mineralischen Salze des Meeres rund um die eigentlich weniger bekannte Ile de Nourmoutier. Die Bonnottes sind klein und handlich und nur wenige davon gelangen ins Ausland. Ihr Aroma ist einzigartig. Um es zu erhalten, ist die Ernte eine reine Handarbeit.
350.000 Tonnen Erdäpfel für Erdäpfelchips
Soviel an Menge braucht ein amerikanischer Produzent im Jahr. Die Amerikaner geben dafür jährlich 8 Milliarden Dollar aus. Potatoe chips für couch potatoes.
Die salzigen Dinger lieben nicht nur die Amerikaner, sondern auch Deutsche, Engländer und Österreicher.
(kurier)
Erstellt am 01.09.2012, 07:13