Schimpansen: Gesellige Vielkönner

Gerade einmal 1,4 Prozent unserer Gene unterscheiden uns von den geselligen Primaten.

Gesellige Vielkönner: Als die nächsten lebenden Verwandten des Menschen zählen Schimpansen zu den bekanntesten Primaten und sind in vielen Zoos die besonderen Lieblinge der Besucher. Als Tarzans aufgeweckte Begleiterin Cheeta begeisterte in den 1930ern eine Schimpansin das Kinopublikum, 1961 wurde Ham als erster Menschenaffe im Verlauf des Mercury-Programms ins Weltall geschickt, und Schimpansenweibchen Washoe erlernte Ende der 1960er Jahre als erstes Tier sogar die Gebärdensprache. Schimpansen verfügen also über eine erstaunliche Palette an Fähigkeiten und Verhaltensweisen, und sind dem Menschen dabei oft recht ähnlich. So reagieren sie z.B. auf bedrohliche Geschehnisse im Fernsehen genau so, als ob sie selbst involviert wären (Studie des Yerkes Regional Primate Research Centers in Atlanta). Auch haben Forscher der Georgia State University in Atlanta erkannt, dass die Primaten durchaus einen Sinn für Gerechtigkeit haben und sich in der Gruppe dementsprechend fair verhalten. Experten vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig wiederum fanden heraus, dass die Tiere sich einer Fehlentscheidung bewusst sein und diese beim nächsten Versuch korrigieren können. Eine interessante Entdeckung machten auch Forscher im westafrikanischen Tai-Nationalpark. Hier zeigte sich, dass erwachsene Schimpansen verwaiste Jungtiere adoptieren. Das Besondere daran: Nicht nur die Weibchen beteiligen sich an der Aufzucht, sondern auch die Männchen. Den Wissenschaftern zufolge handle es sich dabei also nicht um ein instinktives Verhalten, sondern um ein Zeichen von fürsorglichem Mitgefühl. Auch benutzt kein anderes Tier Werkzeuge auf eine so vielfältige Weise. So kommen Stöcke und Steine beim Herunterschlagen und Öffnen von Früchten zum Einsatz, Blätter werden zur Wassergewinnung verwendet, bei verschnupften Affen dient Gras sogar als Taschentuchersatz. Für Verblüffung sorgte in diesem Zusammenhang  auch eine Meldung, wonach Schimpansen gezielt Heilkräuter sammeln, die natürliche Antibiotika enthalten. Auch schmerzstillende Pflanzen sind den Tieren bekannt (Studie u.a. vom CNRS-Institut de Chimie des Substances Naturelles). Ein weniger schönes Kapitel gilt der Verwendung von Schimpansen als Labortiere zu Versuchszwecken. Das Affenhaus in Gänserndorf hat sich ganz deren Resozialisierung verschrieben. 40 Schimpansen werden dort betreut, um nach und nach zu lernen, was für Schimpansen in freier Wildbahn selbstverständlich ist.

Sie benutzen Werkzeuge auf geschickte Weise, treten im Kino auf, und reisten sogar schon ins Weltall: Schimpansen, die nächsten lebenden Verwandten des Menschen. Gerade einmal 1,4 Prozent unserer Gene unterscheiden uns von den geselligen Primaten. Und die verblüffen uns immer wieder mit erstaunlichen Fähigkeiten - und Ähnlichkeiten.

(KURIER) Erstellt am
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