Mary Vetseras Abschiedsbriefe entdeckt

Abschiedbrief vecsera…
Foto: /ÖNB Abschiedbrief Vetsera

Nun ist der Beweis für den Doppelselbstmord erbracht.

Liebe Mutter – Verzeih mir was ich gethan. – Ich konnte der Liebe nicht wi(e)derstehen." Mit diesen Worten beginnt der verloren geglaubte Abschiedsbrief der Mary Vetsera, den sie kurz vor ihrem Tod in Mayerling verfasst hat. Dieser und weitere Dokumente zu der Tragödie wurden jetzt, 126 Jahre nach dem Doppelselbstmord des Kronprinzen Rudolf und seiner Geliebten, in einem Wiener Banksafe gefunden.

Der BanksafeDie Abschiedsbriefe der 17-jährigen Baronesse Mary Vetsera galten bisher als verschollen. Nun aber wurden die letzten Zeilen, die sie vor ihrem Tod geschrieben hat, in einem Safe des Bankhauses Schoeller in der Wiener Renngasse im Zuge einer Archivrevision entdeckt."Eine unbekannte Person", so ein Sprecher der Bank, "hatte 1926 in einem Ledereinband Dokumente, Briefe und Fotografien der Familie Vetsera deponiert". Darunter drei Abschiedsbriefe Marys, die sie im Jänner 1889 an ihre Mutter, ihre Schwester und ihren Bruder verfasst hatte.Nie restlos geklärtDie Briefe sind historisch hochinteressant, da die Hintergründe des mysteriösen Todes von Kronprinz Rudolf und Mary Vetsera nie restlos geklärt werden konnten. Jetzt aber, nach Auffinden der Abschiedsbriefe, kann es keinen Zweifel mehr geben, dass der 30-jährige Rudolf zuerst die Baronesse und dann sich selbst erschossen hat – und das im vollen Einvernehmen mit seiner Geliebten. "In Übereinstimmung mit Ihm", schreibt Mary Vetsera wortwörtlich an ihre Mutter, "will ich neben Ihm im Friedhof von Alland begraben sein. Ich bin glücklicher im Tod als im Leben. Deine Mary."Und ihrer Schwester Hanna schreibt sie: "Ich habe alles aus freiem Willen gethan."Diese Briefstellen belegen, dass Mary mit dem Kronprinzen sterben wollte. Auszüge der Briefe waren bekannt, da sie im Frühjahr 1889 in einer von Marys Mutter verfassten "Denkschrift" zum Tod ihrer Tochter zitiert wurden, doch gab es bisher keine Beweise für die Existenz der Originale: Man nahm an, dass Marys Briefe von der Familie Vetsera vernichtet worden waren.Entdeckt wurde der Nachlass von der Schoellerbank-Archivarin Sylvia Linc: "Nachdem das Konvolut seit Jahrzehnten in unserem Zentral-Tresor unberührt lagerte und wir keine Nachfahren ausfindig machen konnten, habe ich in die Unterlagen Einblick genommen und erkannt, dass es hier um historisch einzigartige Schriftstücke geht."

Tauf- und Totenschein

Neben den Abschiedsbriefen fand Sylvia Linc weitere historisch bedeutsame Gegenstände und Dokumente wie eine Haarlocke Mary Vetseras, ihren verloren geglaubten Tauf- und den Totenschein sowie einen Brief ihrer Klavierlehrerin Hermine Tobis, "die darin schildert", so Dr. Linc, "wie Rudolf und Mary einander 1888 kennenlernten und näherkamen und auch den Tag, an dem sie intim wurden: ,Ich bin Frau geworden. Jetzt gehören wir uns mit Leib und Seele.’" Hermine Tobis beschreibt in dem Brief an Marys Schwester auch die Todessehnsucht der Baronesse und dass sie kurz vor Mayerling ihr Testament aufsetzte.

In Ausstellung gezeigt

Die bemerkenswerten Dokumente wurden der Österreichischen Nationalbibliothek als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt, wo sie der wissenschaftlichen Forschung dienen werden. In einer Ausstellung zum 100. Todestag Kaiser Franz Josephs im Jahr 2016 werden die jüngst entdeckten Objekte dann erstmals öffentlich gezeigt.Marys in ihrem Brief an die Mutter geäußerter Wunsch, neben Rudolf in Alland begraben zu werden, ging nicht in Erfüllung. Der Kronprinz fand seine letzte Ruhe in der Wiener Kapuzinergruft und Mary wurde am Stiftsfriedhof von Heiligenkreuz begraben.

Kronprinz Rudolf

Abschiedbrief vecsera… Foto: /ÖNB Geboren im Schloss Laxenburg am 21. August 1858 als Sohn Kaiser Franz Josephs und der Kaiserin Elisabeth. Verheiratet mit Stefanie von Belgien. Rudolf verfolgte eine liberale Politik, die im Gegensatz zu der seines Vaters stand, und veröffentlichte unter Pseudonym politische Kommentare. Hatte mehrmals angekündigt, dass er sich das Leben nehmen wollte. Tod mit Mary Vetsera am 30. Jänner 1889 in Mayerling.

Mary Vetsera

Abschiedbrief vecsera… Foto: /ÖNB Geboren am 19. März 1871 in Wien als drittes von vier Kindern des Diplomaten Albin von Vetsera und der Helene geb. Baltazzi, die – als Mary sechs Jahre alt war – selbst ein Verhältnis mit Kronprinz Rudolf hatte. Mary absolvierte das  „Erziehungsinstitut für adlige Mädchen“ und lernte im Sommer 1888 den Sohn des Kaisers kennen, für den sie  davor schon geschwärmt hatte. Sie starb mit ihm gemeinsam in Mayerling.

(kurier) Erstellt am
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