Menschen, die ihre Träume leben

Baggerpark
Foto: KURIER/Gilbert Novy Paul Hofer führt einen Baggerpark - ein Traum für ihn und für Kinder

Fünf Menschen, die ihre Visionen umsetzten – Toskana, Buch schreiben, Barockflöte oder Baggerpark.

Heute ist - weltweit - der "Lass-Deine-Träume-wahr-werden-Tag". Die Idee: An diesem Tag sollen Träume in Erfüllung gehen - egal, ob groß oder klein.
Ziele soll erreicht werden, statt immer nur vor sich hergeschoben.

Manche Menschen träumen noch, andere haben ihren Traum schon verwirklicht. Mehr noch: Sie haben ihre größten Sehnsüchte in den Mittelpunkt des Alltags gestellt – gemäß dem alten Sinnspruch "Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum." Ihre Erzählungen in dieser Geschichte sind demütig, aber beeindruckend. Dabei geht es nicht um so häufige Wünsche wie Weltreise oder Jobwechsel. Die wahren Lebensträume sind oft erdiger, näher am echten Leben.

Alle fünf Porträtierten fragten anfangs: "Gehöre ich denn in diese Geschichte? Ich lebe doch nur das Leben nach meinen Ideen und Vorstellungen."

So leicht kann es sein. Und doch ist es so selten.

„Kinder sollen Spaß haben“

Baggerpark Foto: KURIER/Gilbert Novy Baggerpark-Gründer Paul Hofer über seinen Ort, an dem Kinder Bagger fahren und ausbrechen dürfen: "Jedes Kind bedient gerne einmal einen echten Bagger. Im Baggerpark sollen Kinder Freude haben. Und ich kann meine Erfahrungen denen  beibringen, die noch nicht so viel wissen. Es ist schön, wie schnell die G’schrappen etwas begreifen. Hier dürfen sie halt noch alles, denn gerade dort, wo sie nie hingreifen dürfen, sollen sie einmal hingreifen. Da lernt man was. Passiert ist dabei noch nichts. Die Kinder sind hier in der Natur, dürfen Spaß haben und zusammen etwas arbeiten, mit dem Papa oder mit anderen. Das tun sie heute eh zu selten.

Ich war im Heim und hatte nichts, die anderen bekamen Chips oder Schokolade von den Eltern. Ich hatte keine Eltern. Aber meine Heimzeit war okay. Im Baggerpark sollen halt die eine Freude erleben, die nicht so viel haben. Und einmal handwerklich etwas probieren. Es gibt Kinder, die in der Schule nicht alles so hinbringen, aber sie können vielleicht gut schweißen, oder mit Holz arbeiten oder eben Bagger fahren.

Baggerpark Foto: KURIER/Gilbert Novy Ich habe in den 1990er-Jahren den ehrenamtlichen Verein „Kids on Stage“ gegründet und die erste Mini Playback-Show in Österreich veranstaltet – abgeschaut vom Michael Schanze. Ich wollte damals schon etwas für Kinder machen. Mit der Zeit wurde ich von Menschen, die Probleme hatten – keine Wohnung, kein Geld – angesprochen, ob ich helfen kann. Also habe ich den hohen Politikern Briefe geschrieben, irgendwer hat immer zurückgerufen. Und meistens konnte wer helfen. Aber Freunde habe ich mir in der Politik nicht immer gemacht, ich bin halt goschert. Deswegen ist der Baggerpark finanziell ein ewiges G’fretten, ich zahle 12.000 Euro Jahresmiete und bekomme keine Förderungen. Ich habe in den Jahren sicher 80.000 Euro reingesteckt – aber das passt, weil das letzte Hemd hat keine Taschen. Ohne Stefan Preisner (siehe Bild), der mithilft, ginge das nicht.

Aber ich mag das, bin noch nie ungern zum Platz gefahren. Es schmerzt, dass wir keine Sponsoren finden, mit 5000 Euro im Jahr wäre alles leichter. Aber die, die den Baggerpark übernehmen wollen, würden damit Geld machen wollen. Doch das entspricht nicht meinem Traum.“

Baggerpark-Erfinder Paul Hofer wird 50 Jahre alt. Mit zwei kam Hofer zu Pflegeeltern, später, als sie starben ins Kinderheim. Erlernte Vulkaniseur, war Baggerfahrer und gründete „Kids on Stage“. Er errichtete Fußballplätze für Heime und konnte viele zum Helfen bewegen. Vor Kurzem musste er seine Firma für Räumungen und Bagger-Arbeiten schließen. Im Baggerpark ermöglicht er Kindern und Erwachsenen Abenteuer (viele lädt er gratis ein): Bobcat bis Riesen- Bagger, Schmieden bis Schweißen. Info und Preise (auch Geburtstagsfeiern) auf www.baggerpark.at.

„Keine Grenze mehr zwischen Leben und Traum“

Petra Hinterreiter, Fotos einmalig honorarfrei für… Foto: /Privat Petra Hinterreiter über Einsamkeit und Offenheit: "Wenn ich mein Leben einem Fremden erklären würde, wären es dieselben Worte wie für meinen besten Freund. Es ist nicht außergewöhnlich: Ich wohne gemeinsam mit meiner Hündin in einem alten Haus inmitten von Wald und Wiese.

Aber ich denke, meinen Weg gefunden zu haben.  Angefangen hat alles mit der Erkenntnis, dass ich längere Zeit nicht mehr glücklich war. Als ich darüber nachdachte, ist mir die Absurdität des Lebens und der Inhalte, mit denen wir es füllen, bewusst geworden. Ganz nach dem konstruktivistischen Prinzip – eines meiner  Lieblingsbücher: „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Watzlawick – habe ich es mir schließlich zur Aufgabe gemacht, meine Wirklichkeit zu ändern und am nächsten Tag gekündigt. Nach einem halben Jahr bei Freunden in Italien hatte ich Raum und Zeit, wieder zu mir zu finden. Ab da hat sich alles von alleine ergeben. Nichts war geplant. Natürlich dachte ich oft darüber nach, wie es weitergehen soll, wie ich mein Leben finanziere, wie wichtig eine Krankenversicherung ist – und alles andere, von dem behauptet wird, man braucht es unbedingt. Ich hatte in dieser Zeit viel damit zu tun, bestehende Glaubenssätze zu überprüfen und loszulassen, um mich frei zu fühlen.

Durch Zufall erfuhr ich von diesem leer stehenden Haus. Ohne Geld und Plan, aber sehr glücklich, fand ich hier Unterschlupf. Anfangs nur für ein bis zwei Monate, um darüber nachzudenken, wie es weitergeht.

Petra Hinterreiter, Fotos einmalig honorarfrei für… Foto: /Privat Das ist über ein halbes Jahr her, ich habe einen Job gefunden, den ich gerne mache und mich eingelebt. Es gibt viele Ideen und Möglichkeiten, hier ein gutes Leben zu führen, ich genieße die Einsamkeit und versuche für das Leben offen zu bleiben. Mit dem Mut und dem festen Willen, etwas zu verändern, ist beinahe alles möglich. Aber ich hatte das große Glück, Freunde und Familie an meiner Seite zu wissen, die mir vieles ermöglicht haben. Dafür bin ich unglaublich dankbar. 

Ab einem gewissen Moment gab es keine Grenze mehr zwischen meinem Leben, dem Traum und dem Alltag. Diese Erfahrung ist unbeschreiblich. Ich hoffe, das Prinzip dahinter nie wieder zu vergessen."

Petra Hinterreiter, 27, bewohnt alleine einen Hof im Hausruckviertel. Sie  entdeckte die Ruhe für sich, und definiert ihren Traum mit der Freiheit, für das Leben offen zu bleiben.

„Ich lebe mit meinen Figuren“

Larissa Kopeczky, Fotos einmalig honorarfrei für G… Foto: /Privat Larissa Kopeczky, 13, über ihre Liebe zum Schreiben: "Es ist nicht schwer, ein Buch zu schreiben. Eines Tages hatte ich die ganze Geschichte im Kopf. Ich kannte die Hauptpersonen. Olewarien war auf einmal da und  für mich ein Zufluchtsort. In meinem Kopf kenne ich jede Lichtung und jedes Bächlein in Olewarien. Wenn ich einen Ort brauche, an dem ich nur ich sein kann und an dem mir niemand sagt, was ich zu tun habe, dann bin ich in Olewarien willkommen. Wenn ich schreibe, kann ich alle Sorgen vergessen. Wenn man eine Welt hat, in der man sich wohl fühlt, ist es nicht schwer, stundenlang darin zu bleiben und obwohl ich das Ende von Anfang an weiß, ist es trotzdem so spannend, als ob man es nicht wüsste. Genau das liebe ich am Schreiben so.

Ich lebe mit meinen Figuren. Sie sind wie eine Familie für mich. Das ist auch der Grund, warum in meinen Büchern niemand stirbt. Ich würde es nicht übers Herz bringen, diese Figuren sterben zu lassen.

Larissa Kopeczky, Fotos einmalig honorarfrei für G… Foto: /Privat Viele Menschen hätten das Talent, eine Geschichte zu schreiben. Nicht aus jeder Idee wird ein Buch, es wird erst gut, wenn man mit Leidenschaft schreibt. Wenn man nicht daran denkt, was den Menschen gefallen könnte, sondern schreibt, was man für richtig hält. Ich möchte auch Bücher schreiben, wenn ich groß bin. Ich habe herausgefunden, dass das meine Art ist, mit Alltagsproblemen besser umzugehen. Da man als Autor nicht wirklich viel verdient, werde ich einen anderen Hauptberuf haben, doch ein Leben ganz ohne Schreiben kann ich mir nicht mehr vorstellen."

Larissa Kopeczkys Mutter las zum Schlafengehen oft Geschichten vor: „Larissa hat früh angefangen zu überlegen, was die Bücher und Autoren sagen wollten. Und sie sagte: ‚Ich würde das anders schreiben‘“, erzählt Martina Kopeczky. Trotzdem habe sie Larissa nie zum Schreiben gedrängt: „Das kommt von selbst oder gar nicht. Fördern heißt, Kindern ermöglichen, eigene Ideen zu verwirklichen.“ Irgendwann schrieb Larissa Bücher plötzlich lieber selber als sie zu lesen. „Als der Fantasieroman ‚Olewarien‘ fertig war, wollte sie unbedingt, dass es ein richtiges Buch wird. Da haben wir zufällig von Selfpublishing erfahren.“ Das Konzept heißt „myMorawa“ (www.mymorawa.com), Autoren können ihr Buch ab 149,90 € drucken lassen, es hat eine ISBN und ist somit überall erhältlich. Bisher erfüllten sich damit 74 Menschen den Traum vom eigenen Buch, demnächst gibt es neben der Bewerbung auf Facebook und beim Großhandel auch Lesungen der Neo-Buchautoren.

„Das ist meine Sprache“

Hiroko Huemer, Traversflötistin und Musikpädagogin… Foto: /Privat Traversflötistin Hiroko  Huemer über Träume, die man nicht bereut: "Als ich in Tokio Querflöte studierte, hat mir mein Professor empfohlen,  Traversflöten-Aufnahmen zu hören. Johann Sebastian Bach komponierte seine Musik für dieses Holzinstrument, die modernen Flöten aus Gold oder Silber wurden erst später entwickelt. Damals gab es in Japan nur CDs von Barthold Kuijken und seinen japanischen Schülern. Ich war von Kuijkens Klang begeistert und hörte mir jeden Tag seine Musik an. Als er in Tokio ein Solokonzert gab, holte ich mir ein Autogramm. Von diesem Tag an war es mein Traum, Traversflöte zu spielen.

Die Querflöte ist das massentauglichere Instrument, aber aus Liebe zur Traversflöte zog ich einen radikalen Schlussstrich und mottete die Querflöte ein. Der Anfang war sehr schwierig. Fast alle rieten mir davon ab, nur vier Menschen unterstützten mich bei meiner Entscheidung. Dafür bin ich ihnen bis heute dankbar. Ich habe einmal in einem Buch die Erzählung einer Hospizmitarbeiterin gelesen, was Sterbende am Ende ihres Lebens am meisten bereuen. Viele sagten, dass sie im Leben mehr hätten machen sollen, was ihnen ihr Herz gesagt hatte und nicht, was andere erwarteten. Anfangs war es für mich schwierig, der Kulturunterschied zwischen Japan und Österreich war enorm, ich hatte Angst, meine Identität zu verlieren. Heute ist die Traversflöte meine Sprache, die auch hier in Europa verstanden wird und mit der ich mich ausdrücken kann.

Hiroko Huemer (Kuijken), Traversflötistin und Musi… Foto: /Privat Außerdem unterrichte ich wahnsinnig gerne. Als Kind nannte mich meine Klavierlehrerin ein Problemkind, im Blick zurück denke ich, sie war eine Problemlehrerin. Sie unterrichtete alle Kinder gleich. Ich finde, es gibt bei 100 Schülern 100 verschiedene Methoden. Wenn man für seine Schüler Liebe empfindet, weiß man, was sie brauchen. Das finde ich faszinierend."

Hiroko Huemer spielt Traversflöte, ein Holzinstrument aus der Barockzeit, die Vorgängerin der Querflöte. In Österreich spielen weniger als zehn Menschen dieses Instrument hauptberuflich, die Barockmusikszene kennt keinen durchgehenden Konzertbetrieb. Huemer ist eine von ihnen, die Japanerin studierte Querflöte und später Traversflöte bei Barthold Kuijken, einem Pionier der Wiederentdeckung barocker Musik und ihrer Originalinstrumente. Er gilt als bester Traversflötist der vergangenen Jahrzehnte und sagt über seine frühere Schülerin: „Die Musik wird bei ihr zur Sprache, zum Begriff, zum Erlebnis, zur Emotion.“ Heute unterrichtet Huemer selbst, aktuell an der Wiener Musikakademie. (Am 16. und 17. Jänner bietet sie kostenlose Schnupperstunden an, von 19. bis 21. Februar leitet sie einen Meisterkurs, Info unter www.hiroko-huemer.com). Ihr nächster großer Auftritt ist die Matthäus-Passion mit dem Barockorchester Barucco im Wiener Konzerthaus (6. März).

„Die Seele will erleben und sich weiterentwickeln“

Daniela Lettner, Giambattista Pace, Fotos einmalig… Foto: /Privat Daniela Lettner führt ein Gästehaus in der Toskana und erzählt von der Suche nach ihrem Herzensweg, die nie zu Ende ist: "Seinem Herzen zu folgen und Träume zu verwirklichen  soll kein Privileg sein, sondern der natürliche Verlauf des Lebens. Und ja, oft braucht es Schlagbohrer und Pickel, um überhaupt Zugang zu seinem Herzen zu finden.  Ich habe oft gegen Vorurteile angekämpft, mir anhören müssen, ich sei idealistisch, eine Träumerin und Lebenskünstlerin ... Begriffe, die ich heute als Komplimente nehme, die aber in unserer Gesellschaft oft einen negativen Beigeschmack haben.

Daniela Lettner, Giambattista Pace, Fotos einmalig… Foto: /Privat Ich wusste früh, dass ich mich auf die Suche nach meinem Herzensweg begeben will. Der führte zur Fotografie und irgendwann habe ich mich mit meinem Partner Giambattista Pace, geborener Italiener, auf Hotel- und Reisefotografie spezialisiert und über viele Jahre in ganz Europa aus- und eingecheckt. Bald kam der Wunsch nach einem Zuhause auf vier Reifen, so fanden wir unseren Traumbus. Dann die Zeit der Rückverbindung mit meinen Wurzeln und der Natur. Über Umwege gelangte ich zu den Ziegen. Ein ganzes Jahr lernte ich bei einer österreichischen Biobäuerin das A bis Z der Ziegenzucht und Milchverarbeitung. Durch einen Sommer alleine mit Giambattista  auf einer Schweizer Alm – mit Ziegen, Kühen, Eseln und Hühnern – stellte sich eine Bewusstseinserweiterung und neue Tiefgründigkeit ein.

Die Suche nach einem ruhigen Fleckchen Erde führte uns schlussendlich in die Toskana. Der Traum war schnell formuliert: ein Haus mit Aussicht, großem Garten für Gemüseanbau und mit Olivenhain, ein kleines B&B führen. Die Suche aber war schwierig – Plan B, C, D, E wurden geschmiedet. Im kleinen Ort Riparbella fanden wir dann doch ein Häuschen, zu klein für ein B&B, dafür mit Meerblick zum Niederknien. Und wie es oft ist, führt eines zum anderen, bald tat sich die Möglichkeit auf, ein Nachbar-Haus zu mieten.

Daniela Lettner, Giambattista Pace, Fotos einmalig… Foto: /Privat Hier führen wir nun das Seminarhaus „Casale Pundarika“ für spirituelle Selbstentwicklung, Bewusstseinserweiterung und alles, das Spaß macht. Unser Herzenswunsch ist, Menschen Raum zu bieten, um wieder ein Stück weiter zu erwachen, sich selbst zu finden, die Herzen zu öffnen und die Seele zu verstehen.

So groß die Liebe zu diesem Ort ist, schließe ich nicht aus, irgendwann weiter zu ziehen. Zu viele wundervolle Dinge erwarten mich auf dieser Welt, die ich wie einen großen Spielplatz wahrnehme. Immerhin will unsere Seele etwas erleben und sich weiterentwickeln."

Daniela Lettner, 28, findet einen „klassischer Lebenslauf“ nicht so bedeutend. Wichtig ist, was einen bewegt und welche Erfahrungen man im Leben sammelt. Sie war nach der Schulzeit Aupair in  den USA und Paris, danach als Flugbegleiterin ein halbes Jahr in Europa unterwegs. Aus dem „großen Hobby“ Fotografie wurde eine Profession. Jetzt lebt sie mit ihrem Partner Giambattista Pace nahe der toskanischen Küste, wo sie Quartier und vielfältige Kurse mit erfahrenen Lehrern anbieten (www.casalepundarika.com).

(kurier) Erstellt am
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