Vermisster junger Waldrapp gesichtet

Nun soll der geschützte Vogel eingefangen werden

Waldrapp (Symbolbild)

Ein Waldrapp-Jungvogel namens Shorty, der sich auf dem Weg in den warmen Süden in der Schweiz verirrt hat, hält sich offenbar im zürcherischen Knonaueramt auf. Dort soll er nun eingefangen werden, damit er den Winter überleben kann.

Martin Wehrle, Tierarzt des Natur- und Tierparks Goldau, bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Neuen Luzerner Zeitung" vom Donnerstag. "Wir gehen davon aus, dass es sich beim gesichteten Waldrappen um Shorty handelt. Auch wenn wir keine hundertprozentige Sicherheit haben", sagte Wehrle. Aber eigentlich komme gar kein anderer Vogel infrage; alle anderen Waldrappe dieses Zugs befänden sich bereits in Italien.

"Nun versuchen wir, den Vogel anzufüttern, um ihn danach hoffentlich fangen zu können", sagte Wehrle. Geschehen soll dies entweder mit einer mobilen Fanganlage oder mit Beruhigungsmittel im Futter.

Illegale Jagd war der Hauptgrund dafür, warum der Waldrapp im 17. Jahrhundert in Europa ausgerottet wurde. Nun gibt es wieder eine freilebende Gruppe dieser schwarzen Ibis-Vögel, doch die Tiere sind erneut durch Wilderei bedroht. Deshalb werden die Vögel mit Rucksäcken mit GPS-Sendern ausgestattet, ... ... die regelmäßig ihre exakte Position bestimmen und als SMS an die Waldrappteam-Zentrale senden. "Das Waldrappteam, das vom Tiergarten Schönbrunn unterstützt wird, zieht Waldrapp-Küken aus Zoos mit der Hand auf ... ... und zeigt ihnen mit Ultraleichtflugzeugen die Flugroute in geeignete Wintergebiete. Im vergangenen Jahr sind erstmals vier Waldrappe selbstständig über den Alpenhauptkamm geflogen, ... ... um ihr Brutgebiet im bayrischen Burghausen zu erreichen", so Tiergartendirektorin Dagmar Schratter. Nach diesem sensationellen Erfolg, mit dem sich für den Waldrapp in Europa eine zweite Chance erschließen sollte, gab es aber einen herben Rückschlag: ... Während der herbstlichen Vogeljagd verschwanden in Italien 15 Tiere. "Nachdem einige mit Schrotkugeln im Körper aufgefunden wurden, ... ... ist davon auszugehen, dass sie größtenteils Wilderern zum Opfer gefallen  sind", erklärt Johannes Fritz, Projektleiter vom Waldrappteam. Ab Ende März sollen wieder bis zu 14 Waldrappe von der Toskana nach Burghausen fliegen. Vorweg will Fritz die Jäger über die Bedeutung dieses Projektes informieren. "Ich gehe davon aus, dass der illegale Abschuss von hochbedrohten Vogelarten auch vom Großteil der Jäger abgelehnt wird. Vertreter der italienischen Jagdverbände haben die Abschüsse in den Abruzzen scharf kritisiert und sich sehr deutlich für unser Artenschutzprojekt ausgesprochen." Fritz: "Diese Technologie erlaubt uns, die Aufenthaltsorte aller Vögel  permanent zu kontrollieren ... ... Dadurch ergeben sich ganz neue Möglichkeiten  für den Schutz unserer Vögel und für die Forschung". Mitarbeiter des Waldrappteams werden den Vögeln während des Vogelzuges folgen, um sie vor Wilderern zu schützen. Die Handaufzucht der Tiere findet im Schönbrunner Tiergarten statt. Danach übersiedeln die Vögel in eines der Trainingcamps. Das neueste Camp befindet sich in Anif bei Salzburg, einem der prominentesten historischen Waldrapp-Brutplätze Europas. Die Reisen mit dem Leichtflugzeug verlaufen nicht immer ohne Probleme. Manchmal verlieren die Tiere auf den Migrationsflügen die Motivation zum weiterfliegen. Eine längere Pause und eine Futterumstellung können in so einem Fall Wunder wirken. Eine wichtige Rolle spielt auch die Sozialstruktur während des Formationsfluges. Für deren genaue Untersuchung leistet das GPS-System ebenfalls wertvolle Dienste.

Shorty zu finden ist wichtig, weil der Waldrapp eine sehr gefährdete Zugvogelart ist. Laut dem österreichischen Waldrappteam, das das Artenschutzprojekt seit Jahren betreibt und den Zug der Waldrappe begleitet, gibt es weltweit weniger als 30 Exemplare. Jedes Individuum sei deshalb wichtig.Der Waldrapp ist ein Ibis und hat mit seinem roten, kahlen Kopf, seinem langen gebogenen Schnabel und seinen langen Nackenfedern ein markantes Aussehen. Shorty war auf dem Weg vom Brutgebiet im bayrischen Burghausen ins Wintergebiet in der Toskana, wo er aber nie ankam.

Vergebens versuchte man, den Vogel im Wallis einzufangen: Shorty war bereits wieder auf den Rückweg in den kalten Norden. Der Vogel trägt zwar einen Positionsmelder am Rücken, der Akku aber ist in Zwischenzeit leer.

Im Knonaueramt findet der verwirrte Waldrapp offenbar noch ausreichend Futter. Er stochert im Boden, um Käfer, Insekten, Spinnen und Larven zu finden. Falle viel Schnee oder gefriere der Boden, werde die Futtersuche für Shorty jedoch schwierig, sagte Wehrle.

Gelingt es, den Vogel zu fangen, soll Shorty nach einem kurzen Aufenthalt im Tierpark Goldau nach Österreich zu Johannes Fritz, dem Leiter des Waldrappteams, gebracht werden und anschließend zu seiner Gruppe in Italien.

(APA / nk) Erstellt am
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