Gaffen unter Affen unerwünscht

Zuschauer sind bei Makaken beim Sex nicht willkommen. Dies hat aber nichts mit Schamhaftigkeit zu tun, vielmehr gibt es dafür offenbar taktische Gründe.

Makaken gehören zu den mittelgroßen Primaten und werden auch Altweltaffen genannt. Wie alle Menschenaffen verfügen auch sie über enorme intellektuelle Fähigkeiten. So nutzen sie zum Beispiel Werkzeuge, können zählen, und sind in der Lage, Zusammenhänge zwischen Zahlen zu verstehen. Makaken leben im sozialen Verband. Laut dem Zoologen und Verhaltensforscher Frans de Waal ist dies „eines der engsten und kompliziertesten Sozialsysteme, die überhaupt im Tierreich bekannt sind“. Beobachtungen japanischer Makaken haben auch gezeigt, dass sie offenbar sogar über eine „Kultur“ verfügen: Irgendwann hatte nämlich ein Tier damit begonnen, seine Nahrung zu waschen, was schlussendlich von allen anderen übernommen wurde. Vor allem zwei Arten von Makaken - der Rhesus- und der Javaneraffe – werden seit Jahrzehnten als Forschungs- und Labortiere eingesetzt. So werden an ihnen nicht nur quälende biomedizinische Versuche durchgeführt, sondern auch mitunter recht grausame psychologische Verhaltensexperimente. Makaken leben übrigens auch in Österreich: Der Affenberg Landskron in Villach ist Österreichs größtes Affenfreigehege. Auf einem 40.000 m² bewaldeten Grundstück leben hier die Tiere frei.

Wenn Makaken Sex haben, dann lieber ohne Zuschauer. Das liegt jedoch nicht daran, dass die Affen besonders schamhaft sind, sondern hat vor allem taktische Gründe. Wie Forscher des "Primate Research Centre" in den Niederlanden nämlich herausgefunden haben, versuchen Männchen wie Weibchen häufig, ihre Artgenossen aktiv und auf geradezu penetrante Weise bei der Paarung zu stören.

Anne Overduin-de Vries und ihr Team untersuchten für ihre Studie, die im Fachmagazin "Behavioral Ecology and Sociobiology" veröffentlicht wurde, eine Gruppe von 27 Langschwanzmakaken. Dabei beobachteten sie, dass in der Gruppe ein starker Wettbewerb um die Sexualpartner herrschte und schnell jemand dazwischenfunkte, sobald es bei einem Paar zur Sache ging.

Heimlichkeiten

Die Konsequenz der Primaten: Der Sex findet bevorzugt heimlich und im Verborgenen statt. Umgekehrt warben die Affen in Anwesenheit von Publikum auch seltener um einen Partner. Hinweise darauf, dass sich die Makaken beim Sex bewusst verstecken, um ihre Konkurrenten zu hintergehen, fanden sich keine.

Doch ein anderer Aspekt kam dabei ans Tageslicht: Das Verhalten kommt offenbar ausgerechnet den rangniedrigen Männchen zugute, die sich öfters am Rande der Gruppe aufhalten und weniger unter Beobachtung stehen. Dadurch nämlich haben sie mehr Gelegenheiten zum unbehelligten „Liebe machen“, und damit auch öfter die Chance, sich ungestört fortzupflanzen.

Mehr Bilder: Wenn Affen Wellness machen

(KURIER) Erstellt am
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