Ist Vegetarismus schlecht für die Umwelt?

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Foto: Simone Golob/Corbis  

Vegetarismus schadet der Umwelt – schreiben Medien und berufen sich auf eine US-Studie. Was daran faul ist.

Erst die Wurst, jetzt der Salat: Da dessen Produktion laut einer Studie der renommierten Carnegie-Mellon University in Pennsylvania viel Wasser und Energie verbrauche, ist seine Klimabilanz nicht gut. Und angeblich schlechter als der Verzehr von Speck –das schrieben diverse Medien und riefen gleichzeitig zum Grünzeug-Bashing aus. "Salat ist drei Mal so schlimm wie Speck – vegetarische Ernährung kann umweltschädlich sein", titelte etwa The Independent. "Sind Vegetarier schuld am Klimawandel?", fragte die britische Daily Mail gar.

Die Forscher Michelle Tom and Paul Fischbeck fühlen sich missverstanden. Sie fanden nicht heraus, dass Vegetarismus per se schlecht für das Weltklima ist. Sie haben den Umwelteinfluss von Lebensmitteln per Kalorien in Bezug auf Wasserverbrauch, Energiekosten und Abgasen berechnet. Und fanden heraus, dass sich die Produktion einiger Pflanzen – wie Salat oder Melanzani – nicht immer positiv auf die Umweltbilanz auswirkt bzw. besser ist als die Herstellung von Fleisch. "Man kann nicht alles Gemüse zusammenlegen und sagen, das ist alles gut. Genauso wenig, wie man jede Art von Fleisch als umweltschädlich bezeichnen kann," erklären sie in der Huffington Post.

Treibhausgasintensiv

Herwig Schuster, Sprecher von Greenpeace sagt, dass es tatsächlich bestimmte Pflanzen gibt, die treibhausgasintensiver sind, wie Reis, der um die halbe Welt transportiert wird. Dieselben Unterschiede gibt es beim Fleisch. Es kommt auf die Tierart an: "Kühe, Ziegen und Schafe stoßen Methan-Gase aus, da hilft auch nichts, wenn sie ,Bio‘ sind." Auch das unterschiedliche Wachstum der Nutztiere wirkt sich aus: "Ein Schwein braucht sechs bis neun Monate bis es schlachtreif ist, bei einem Geflügel geht es viel schneller. Ein Huhn muss nur vier Kalorien essen, damit eine Kalorie Fleisch herauskommt, bei einem Schwein sind es acht bis zehn Kalorien."

Die Tatsache, dass Salat mehr Wasser und Energie verbraucht, bestätigen die Forscher der Carnegie Mellon University auch in der Huffington Post. Sie weisen aber darauf hin, dass es immer auf die Art und Weise der Produktion und des Transports ankommt. Ähnlich sieht es Gabriele Homolka, Ernährungswissenschaftlerin der Umweltberatung: "Grundsätzlich kann ich jede Zutat klimaschädlich oder klimafreundlich kultivieren. Produziere ich saisonal und biologisch Obst und Gemüse, ist das gut. Ziehe ich Tomaten im Glashaus, das mit Erdöl betrieben wird, sieht die Ökobilanz aber sehr schlecht aus."

Was in den Medienberichten um die Carnegy-Studie allerdings ignoriert wurde ist, vor allem die Tatsache, dass Vegetarier nicht nur den vermeintlich "bösen" Salat essen, sondern einen ausgewogeneren Speiseplan haben, auf dem Hülsenfrüchte, Getreide und anderes Gemüse-Sorten stehen. Zum Beispiel Brokkoli, Kohl oder Weizen – und die verursachen weit weniger Treibhausgase als Speck vom Schwein. Eine Studie der UNO-Welternährungsorganisation (FAO) zeigt, dass die weltweite Viehhaltung 14,5 Prozent zum globalen Treibhausgas-Ausstoß beiträgt.

Wie viel Fläche die Haltung von Tieren verbraucht, weiß der deutsche Ernährungswissenschaftler Karl von Körber. Er schreibt in der Ernährungs Umschau, dass für 1000 Kalorien Rindfleisch 30 Fläche (Ackerland und Weideland) benötigt werden. Während 1000 Kalorien Gemüse nur 1,5 verbrauchen.

Das hören Landwirte und Fleisch-Lobby nicht gerne. Genauso wie Konsumenten, meint Ernährungswissenschaftlerin Homolka. "Das Thema Essen ist unglaublich emotionalisiert, vor allem, wenn es um Fleisch geht. Bei Kritik werden die Stacheln ausgefahren." Sie hält aber auch nichts von missionarischem Vegetarismus: "Fleisch ist ein ineffizientes Mittel, um sich zu ernähren. Es muss deshalb aber nicht jeder darauf völlig verzichten. Wenn jemand seinen Konsum reduziert, kleinere Fleisch-Portionen isst oder an bestimmten Tagen keines isst, wäre das schon ein Erfolg."

(kurier) Erstellt am
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