Letztes Update am 11.07.2012, 11:52
Was Sie schon immer über Woody Allen wissen wollten....
Am Freitag startet "Woody Allen: A Documentary" in den heimischen Kinos. KURIER.at gibt einen Überblick über das einzigartige Werk des Kultregisseurs.
50 Filme in 47 Jahren. Woody Allen ist nicht nur der neurotischste unter Hollywoods Filmemachern, er ist vor allem der produktivste. In "Woody Allen: A Documentary" schaut Robert Weide ("New York für Anfänger") dem Kultregisseur bei seiner Arbeit über die Schultern und folgt ihm dabei bis ins Schlafzimmer. Zwei Jahre lang begleitete der Regisseur den 76-Jährigen. Heraus kam ein einfühlsames Portrait und zugleich 50 Jahre Filmgeschichte. Am Freitag kommt das Biopoc in die heimischen Kinos. KURIER.at skizziert bereits jetzt das Lebenswerk des außergewöhnlichen Talents.
Allen Stewart Konigsberg wurde am 1. Dezember 1935 als Sohn jüdischer Eltern im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren. Woody nannte er sich erst mit 16, als er mit dem Schreiben von Witzen für Tageszeitungen bald mehr Geld verdiente als seine Eltern.Das Bild zeigt den jungen Allen in dem Jahrbuch 1953 der Midwood Highschool.
Dann winkte die Bühne: Mit seinen One-Man-Shows füllte er die New Yorker Nachtclubs. Seine Manager bezeichneten ihn als den ungeschicktesten und schlechtesten Komiker, der ihnen je zu Gesicht gekommen war. Das Publikum war von seiner unbeholfenen und schüchternen Art jedoch begeistert, die zu seinem Image werden sollte.Bild: "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten"
In der Rolle als Stand-up-Comedian fühlte sich Allen jedoch nie wirklich wohl. Sein Filmdebüt als Drehbuchautor feierte er schließlich 1965 mit "Was gibt`s Neues, Pussy?", eine Komödie über einen notorischen Frauenhelden. Woody Allen selbst spielte auch als Darsteller, übrigens an der Seite von Romy Schneider, mit.
Die Umsetzung seines Drehbuchs soll Allen so geärgert haben, dass er sich entschloss bei seinem nächsten Film selbst Regie zu führen. "What’s up, Tiger Lilly" war 1966 sein erster Film, in dem er neben dem Drehbuch auch für die Regie verantwortlich war (allerdings nur in der amerikanischen Version – der Film wurde in Japan produziert).
Woody Allen hatte seine Passion gefunden. In den kommenden Jahrzehnten sollte er über 70 Drehbücher, Theaterstücke und Bücher schreiben und in 40 (seiner) Filme als Haupt- und Nebendarsteller auftreten.Bild: "Schatten und Nebel" aus dem Jahr 1991
Im Jahr 1972 schuf er mit "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten" seinen ersten Kultfilm. In sieben Episoden klärte Woody Allen dort unter anderem, was Sodomie, Transvestiten und Perversion ist.
Außerdem gab er die Antwort auf die Frage, was genau bei der Ejakulation passiert und weshalb "manche Frauen Schwierigkeiten haben zum Orgasmus zu gelangen". Als tollpatschiger Liebhaber entlarvte er pointiert die Männerklischees der Frauen.
Überhaupt wurde die Beziehung zwischen Mann und Frau zum prägenden Thema seiner Filme. Woody Allen meinte dazu: "Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird." Seine ersten Filme zeichneten sich vor allem durch ihren Sprach- und Bildwitz aus. Bild: Bananas (1971)
Die Handlung diente oftmals aber nur dazu eine Abfolge von absurden Gags zu erzählen. Ab Mitte der 70er Jahre wurden seine Filme ernster. Allen wollte nicht wie Chaplin als ewiger Clown bekannt sein. Mit dem "Stadtneurotiker" fand er 1977 sein prägendes Motiv.
In dem Film spielt Woody Allen den erfolgreichen Komiker Alvy Singer. Intellektuell, jüdisch, neurotisch und ziemlich erfolglos bei Frauen. Auch wenn der Mann mit der Nerd-Brille den stark autobiographischen Charakter des "Stadtneurotikers" abstreitet: Er hatte seine Paraderolle gefunden, die er in den kommenden Jahren mehr oder wenig variantenreich spielte.
Im englischen Original war der Film übrigens weniger aussagekräftig, nach der weiblichen Hauptfigur "Annie Hall", gespielt von Diane Keaton, benannt. Seine damalige Lebensgefährtin erhielt für ihre Rolle auch den Oscar als beste Hauptdarstellerin.
Zwei Jahre später schloss Allen mit "Manhattan“ an seinen erfolgreichen "Stadtneurotiker". Wieder verliebt er sich als Gagschreiber, diesmal Isaac genannt, in Diane Keoton, diesmal Mary genannt.
Der Film ist vor allem eine Liebeserklärung an seine Stadt – New York. In Totalen wird die Stadt in den Vordergrund gerückt. Die Protagonisten sind am Bildrand oft kaum noch zu erkennen.
Die berufliche Zusammenarbeit verlief parallel zu der Beziehung zwischen Allen und Keaton: In insgesamt acht Filmen standen die beiden gemeinsam vor der Kamera. So auch in dem 1993 erschienen "Manhattan Murder Mysterys" (Bild).
Woody Allen musste auch schon früh Rückschläge wegstecken. Der Film "Stardust Memories" (Bild) fiel 1980 bei Kritikern und Publikum durch. Der Schwarzweißfilm mit einem Produktionsbudget von zehn Millionen Dollar war ein finanzieller Flop. Allens Kommentar: "Geld ist besser als Armut, wenn auch nur aus finanziellen Gründen."
1982 drehte Woody Allen mit seiner neuen Lebensgefährtin Mia Farrow in der Hauptrolle "Eine Sommernachts-Sexkomödie". Insgesamt sollte Farrow bis 1992 in zwölf seiner Filme mitspielen. Das Paar adoptierte zwei Kinder und bekam 1987 einen leiblichen Sohn.
Die Beziehung zu der 21-jährigen Adoptivtochter Farrows und die damit verbundene Trennung von Allen und Farrow sorgte im Jahr 1992 für großes mediales Aufsehen. 1997 heirateten Allen und Soon-Yi. Ansonsten sind wenig private Details aus dem Leben des New Yorkers bekannt.
Woody Allen lässt Jahr für Jahr seine Filme für sich sprechen. In "Hanna und ihre Schwestern" trat Allen 1986, anders als in den meisten seiner bisherigen Filme, nur in einer Nebenrolle auf. In den Hauptrollen waren Barbara Hershey (mitte) und Carrie Fisher (rechts) zu sehen.
Außerdem Mia Farrow (Bild), Dianne West und Michael Caine. Die beiden letzteren erhielten den Oscar als beste Nebendarsteller. Woody Allen erhielt die begehrte Auszeichnung für das beste Originaldrehbuch.
1996 drehte er mit den Julia Roberts "Alle sagen: Ich liebe dich". Mit dabei in dem Musicalfilm waren auch Edward Norton, Drew Barrymore und Jungstar Natalie Portman.
Mit "Harry außer sich" (Deconstructing Harry) sorgte er dann wieder für Lobeshymnen der Kritiker. Seinem Hauptmotiv des Neurotikers blieb er sich auch in diesem Film treu. Aber "noch nie war Allen heiterer und gelöster", meinte die Zeit 1997.
Der Film über einen Autor mit Schreibblockade, dem plötzliche seine Romanfiguren erscheinen - unter anderem Tobey Maguire (Bild), gilt unter Fans bis heute als einer der besten Filme Allens.
Für seine Rolle als Jazzgitarrist Emmet Ray in "Sweet and Lowdown" erhielt Sean Penn 1999 den Oscar als bester Hauptdarsteller. Der Film war Allens Hommage an der Swing-Ära. Er selbst spielt leidenschaftliche Klarinette in seiner Jazz-Band.
Jazz dient dem Filmemacher auch als Soundtrack zu seinen Filmen. Im Vorspann seiner Filme läuft immer ein Jazzklassiker. Die Musik kennzeichnet seine Filme im gleichen Masse wie sein Humor: "Onanie ist wenigstens Sex mit jemandem, den ich liebe".Bild: Woody Allen mit der Eddy Davis New Orleans Jazz Band.
Nach künstlerisch und finanziell durchschnittlich erfolgreichen Filmen, folgte 2005 "Match Point" (Bild). Der Film wurde von Kritikern überaus wohlwollend besprochen. Allen selbst bezeichnet den in London Melodram-Thriller bis heute als seinen Lieblingsfilm.
Der Film über einen aufstrebenden Tennislehrer (Jonathan Rhys Meyers), der sich nicht zwischen Liebe (Scarlett Johansson) und Karriere (Emily Mortimer) entscheiden kann, war der erste Film, den Allen vollständig außerhalb Amerikas drehte.
Offensichtlich auf den Geschmack gekommen, drehte Allen auch seine nächste Komödie "Scoop – der Knüller" (Bild) in London. Auch hier ließ Allen wieder Thriller-Elemente mit einfließen, was eine Neuerung in seinen Filmen darstellte.
Auch „Vicky Christina Barcelona“ wurde 2007, der Name verrät es, außerhalb Amerikas gedreht. Die Dreiecksbeziehung zwischen Javier Bardem, Penelope Cruz und Scarlett Johansson spielte in der katalanischen Hauptstadt.
Letztere entwickelte sich übrigens zu seiner Muse. Johansson stand bereits in Match Point und "Scoop – Der Knüller" (2006) vor Allen’s Kamera.
In "Midnight in Paris" wandelte Owen Wilson 2011 schlaflos durch die Stadt der Liebe und begegnete seinen literarischen Vorbildern und... Marion Cotillard.
Auch der nächste Film Allen wird wieder in Europa spielen. "To Rome with Love" mit Penelope Cruz und Greta Gerwig kommt am 30. August in die heimischen Kinos.Bild: Der Regisseur mit beiden Hauptdarstellerinnen.
Allen ist ein Workaholic. Wenn er nicht dreht, dann schreibt er oder spielt als Klarinettist in einer Jazz-Band, mit der er im vergangenen Jahr auch in Deutschland tourte. "Er kann nicht einfach mal ein paar Wochen abschalten, nichts tun und Urlaub machen", erklärt sein Biograph Weide. "Das muss psychologische Gründe haben."
Im Laufe seiner 50-jährigen Karriere wurde Woody Allen ganze 23 Mal für den Oscar nominiert und erhielt die Auszeichnung viermal, nahm sie allerdings nie persönlich entgegen.
Mit viel Ironie, Satire und Humor blickte er immer wieder auf die Beziehung zwischen Mann und Frau. Dabei schuf er einen unnachahmlichen Stil, der sein Werk einzigartig in der Filmgeschichte macht. Am Freitag kommt "Woody Allen: A Documentary" in die heimischen Kinos. Wir sind gespannt.
(kurier)
Erstellt am 11.07.2012, 11:48