Von "Stadtraum-Recherchen" bis zu "Romeo und Julia"

Der erste Spielplan von Anna Badora fürs Volkstheater umfasst nicht weniger als 22 Premieren.

Anna Badora, 1951 in Polen geboren, übernimmt das Volkstheater, davor war sie Intendantin in Graz Blumen für die designierte Intendantin Roland Koberg (Leitender Dramaturg), Heike Müller-Merten (Leitende Dramaturgin, Geschäftsführung), Anna Badora, designierte Intendantin des Volkstheaters, Cay Stefan Urbanek (Kaufmännischer Direktor) und Constance Cauers (Leitung Junges Volkstheater) im Rahmen der Pressekonferenz (v.l.n.r.). Anna Badora, designierte Intendantin des Volkstheaters

Die Sprache hat sich geändert. Gab sich der scheidende Volkstheater-Direktor Michael Schottenberg bei seinen Präsentationen stets lebensprall, poetisch und manchmal auch ein bisschen grantig, hielt bei der ersten Spielplan-Vorstellung seiner Nachfolgerin Anna Badora ein eher intellektuell-soziologischer Dramaturgen-Ton Einzug. Von "soziografischen Versuchen" war da die Rede, von "transnationaler Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft", von "Retheatralisierung", von "Stadtraum-Recherchen". Das derzeitige Theater-Modewort "postmigrantisch" fiel zwar nicht, schwebte aber stets mit.

Ob die neue Intendantin ihrem Publikum tatsächlich ein Soziologie-Proseminar verordnen will, wird die Praxis zeigen. Sie bekannte sich dazu, "Grenzen in der Stadt niederzureißen", sich mit dem Bild Österreichs in der Welt (und umgekehrt) befassen zu wollen, und auch mit "theatralen Stadtrealitäten", also Veränderungen infolge von Migration.

Prallvoll

PK VOLKSTHEATER "SPIELPLAN 2015/2016: MÜLLER-MERTE Foto: APA/HANS KLAUS TECHT Anna Badora mit ihrer leitenden Dramaturgin Heike Müller-Merten Der erste Spielplan Badoras ist prallvoll: Elf Premieren im Haupthaus, elf weitere im reanimierten Hundsturm, der jetzt "Volx/Margareten" heißt. Der Schwerpunkt liegt auf österreichischer Literatur, die Saison beginnt am 5. September mit der Kriegsheimkehrer-Geschichte "Fasching" des derzeit schwer angesagten Gerhard Fritsch, die Hausherrin inszeniert selbst. Adele Neuhauser spielt als Gast.

Dušan David Pařízek (lieferte mit "Die lächerliche Finsternis" DIE Sensation am Akademietheater) wird "Alte Meister" von Thomas Bernhard dramatisieren und inszenieren. Es gibt aber auch Klassiker wie "Romeo und Julia", Nestroys "Zu ebener Erde und erster Stock" oder Tschechows "Iwanow".

Unter dem Titel "Der Marienthaler Dachs" untersuchte der Dramatiker und Blogger Ulf Schmidt das Bild der Arbeitslosigkeit, David Lösch macht daraus eine "begehbare Installation". Das Künstler-Duo SIGNA konzipiert ein noch etwas mysteriöses "Site-Specific Theatre". Nikolaus Habjan bringt Christine Lavants Roman "Das Wechselbälgchen" mit Schauspielern und Puppen auf die Bühne. Das Grazer Theater im Bahnhof plant eine Art Studie über "Die Fleischhauer von Wien".

Zum Finanziellen: Das Volkstheater reduziert die Sitzplätze von 970 auf 850, hofft aber auf Mehreinnahmen von fünf bis sieben Prozent (auch dank erhöhter Kartenpreise). Mit der Politik verhandle man über eine Totalrenovierung (Ausmaß: etwa 35 Millionen Euro) und über eine Erhöhung der Subventionen (derzeit zwölf Millionen) um etwa 500.000 €.

(kurier) Erstellt am
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