The Libertines live in Wien

KONZERT "THE LIBERTINES" IN DER WIENER STADTHALLE.
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER Pete Doherty (links) und Carl Barat Freitagabend in der Wiener Stadthalle.

Beim Stadthallen-Konzert der Libertines gab es viele falsche Töne von einem rücksichtslosen Pete Doherty.

Die gute Nachricht: Ex-Junkie Pete Doherty, der in Österreich schon so oft abgesagt hat, tauchte zum ersten Wien-Konzert seiner Libertines tatsächlich auf. Die schlechte: Er war offenbar sturzbetrunken. So war die Show vor knapp 5000 Zusehern alles zwischen traurig und empörend – aber immer nur punktweise musikalisch beeindruckend.

Das, was an den Libertines auf Platte fasziniert – die Sensibilität und Verletzlichkeit der Songs von Doherty und seinem Partner Carl Barat – flackerte schon kurz auf. Bei ruhigeren Stellen, bei "Fame And Fortune" und "You’re My Waterloo". Sonst aber wurde rücksichtlos dahin geschrammt. So, dass zwar die Energie stimmte, sonst aber gar nichts.

Doherty hatte offenbar einen ausnehmend schlechten Tag erwischt. Seine Gitarre klang permanent verstimmt, sein Spiel war häufig außerhalb des Timings der anderen, so als würde niemand außer ihm existieren. Genauso egoistisch war sein Bühnengehabe: Wiederholte Male donnerte er den Mikroständer ins Publikum. Dass dabei jemand verletzt werden könnte, war ihm egal.

Zwischendurch raufte Doherty kurz mit Barat, der beschwichtigend auf ihn einredete. Letzterer konnte einem richtig leid tun – immer im Zwiespalt zwischen dem Versuch, das Ganze auf ein professionelles Level zu heben, und einer "Ich pfeif auch drauf"-Attitüde. Die macht zwar einen Teil des Charmes der Libertines aus. Aber nicht, wenn sie alles zählt, und der eigentlich Sinn einer Band, das Musikmachen, nichts mehr.

Torkelnd

Einmal packte Barat den torkelnden Doherty und schob ihn von der Bühne. Sichtlich, um den Freund vor sich selbst und einer noch größeren Blamage zu schützen. Es war so symptomatisch für die Beziehung der beiden: Barat hatte Doherty (wie der selbst sagt) mit der Reunion der Libertines das Leben gerettet. Andernfalls wäre der in seinem Drogensumpf untergegangen.

So ist diese Tour auch eine Art Therapie für Doherty. Löblich, dass Barat sich das antut. Aber gefährlich. Wenn das öfter so schief geht wie in Wien, ist der Ruf dieser Band endgültig ruiniert.

KURIER-Wertung:

(kurier) Erstellt am
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