Aufreizend und doch reizlos

Rihannas „Diamonds“-Tour machte in der Wiener Stadthalle Halt.

Rihanna, der Popsuperstar des digitalen Zeitalters, war am Dienstagabend erstmals live in Österreich zu erleben. Nach dem Opener "Mother Mary", bei dem Rihanna alleine auf der Bühne kniete, ging es im R&B-Einheits-Getöse ("Phresh Out The Runway", "Birthday Cake" etc.) dahin. Rihanna wackelte manchmal lasziv mit dem Po und streckt die Zunge heraus, was hysterisch bejubelt wurde. Vor allem im ersten Teil sah man das "In-den-Schritt-Gefasse" sehr oft. Die Berliner Zeitung titelte kürzlich, anlässlich des Berlin-Auftritts der Sängerin: "Scheide reiben, Felsen schlecken" Aber im Vergleich zu dem, was manche Kolleginnen aufgesetzt provokant in ihren Shows ab- und anziehen, war Rihannas Gehabe noch eher zurückhaltend. Der Griff in den Schritt war offenbar vor allem für die Fotografen gedacht. Die Eckpunkte der „Diamonds“-Welt-Tournee von Rihanna: Ein schlichtes Bühnenbild, hydraulische Hebebühnen, ... ... zig Kostümwechsel mit Outfits von Givenchy und Dior. Die Lady aus Barbados brachte natürlich auch unzählige Hits nach Wien mit. Im nächsten Teil freuten sich die Fans über "Umbrella", wie viele Songs sehr knapp dargeboten. Die Dauer mancher Lieder passte sich der Rocklänge an: Viel weniger ging da nicht mehr. Später sollten manche Hits gar zu Medleys zusammenschrumpfen. Den Schlusspunkt setzte "Diamonds", ein Nummer-Eins-Hit in 27 Ländern. Da machte die Pop-Queen im Glitterkleid dann aber wirklich alles richtig.
 

Tatsächlich dauerte es keine fünf Minuten, bis sich Rihanna bei ihrem Wien-Konzert Dienstagabend in der Stadthalle zum ersten Mal zwischen die Beine griff. (siehe Bildergalerie).

Zwar hockte sie zu Beginn bei „Mother Mary“ noch züchtig verhüllt vor einer antiken Statue. Doch kaum wuchtete sich der Beat von „Phresh Out The Runaway“ durch die Halle, war die Hülle verschwunden und die Gastgeberin des Abends tanzte in Hotpants und durchsichtigem Oberhemdchen über die Bühne: Kniebeugen mit breit gespreizten Beinen, laszives Zungenspiel, Hände, die immer wieder vom Busen abwärts streichen.

Doch so aufreizend, wie Rihanna das vielleicht gerne hätte, wirkt ihre Show nicht. Denn da ist der dröhnende Bass, der keinen Sound-Feinheiten Platz lässt. Da sind Songs, die sich in Disco-Manier vorwärtsstampfen, zu denen Rihanna mehr rappt als singt, wobei ihre Stimme ohnehin vielfach im Lärm der Band untergeht. So hat schon der Sound null Erotik. Rihanna selbst stapft dazu mit der Grazie eines Nilpferdes über die Bühne, breitbeinig, Bauch nach vorn, Hände – man weiß inzwischen, wo. Es ist anfangs beim Beat, beim Gesang und beim Wollust-Gehabe zu viel vom Selben, deshalb einfach fad.

Dankbar

Dazu kommt, dass die 25-Jährige häufig nicht selbst singt und sich gar nicht die Mühe macht, das zu verschleiern. Nicht nur einmal „stimmt“ sie einen längeren Ton an, der immer noch klingt, wenn sie das Mikro schon wieder vorm Bauch hält. Sie grinst häufig, schreit noch häufiger „Vienna“, was das dankbare Publikum immer mit Gekreische quittiert, wirkt aber trotzdem gleichgültig. Wenn sie mit ihren Tänzern in der Gruppe tanzt, wird das besonders deutlich: Da steckt Kraft und Wille hinter jeder Bewegung der Gruppe – während Rihannas Körperhaltung „langweilig“ sagt.

Dazu kommt, dass sie ganz auf Requisiten und Zirkus-Stunts verzichtet, die Optik mit zehn beweglichen LED-Paneelen und einem halbkreisförmigen LED-Schirm sehr geschmackvoll gestaltet hat. Das lenkt den Fokus ganz auf Tanz und Musik. Eigentlich löblich. Doch ihr Tanz hat keinen Reiz. Und leider packt sie auch erst spät jene Songs aus, die diesen Fokus von Qualität und Bekanntheitsgrad her verdienen. So spürt man in der Stadthalle erst spät eine Art Nähe zwischen Künstler und Publikum, eine Art Euphorie.

Am Ende geht Rihanna bei „We Found Love“ sogar in den Fotografengraben, um ein paar Autogramme zu schreiben. Und die Zugabe mit den Balladen „Stay“ und dem Überhit „Diamonds“ zeigt zwar, dass auf den CDs mit ihrer Stimme etwas gemogelt wird. Aber immerhin singt sie live und es klingt okay. Zumindest die paar Sätze, die sie selbst singt, bevor sie den Rest einem entrückten Massenchor von 16.000 Wienern überlässt.

Fazit: Elegante Bühne, ungraziöser Star

Show: Mit beweglichen LED-Elementen und sonst keinen Showgags sehr elegant. Weil Rihanna selbst aber weder stimmlich noch in puncto Bühnenpräsenz richtig Power hat, lebt das Konzert von den Melodien der Hits, von denen sie fraglos ein paar herausragende hat. Doch die gab es leider erst sehr spät zu hören.

KURIER-Wertung: *** von *****

Bilder vom Konzert in Wien:

(KURIER) Erstellt am
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