Letztes Update am 29.06.2012, 12:16
Orient und Okzident: Künstler auf Reisen .
Das Belvedere zeigt Werke 37 österreichischer Künstler aus dem 19. Jahrhundert, die ihre Motive auf Reisen zwischen "Orient und Okzident" fanden.
"Orient und Okzident". Der Titel der am Freitag eröffneten Ausstellung lässt Exotisches erahnen. Das Untere Belvedere widmet sich österreichischen Malern aus dem 19. Jahrhundert, die von ihren Reisen Werke fremder Landschaften in ihre Heimat mitbrachten. Ausgehend von Ungarn wird der Besucher auf insgesamt 116 Bildern auf eine visuelle Reise über den Balkan, die dalmatische Küste, Griechenland, Konstantinopel, Ägypten bis nach Indien und Sri Lanka geleitet.
Bild: Bernhard Fiedler, "Jerusalem"
37 Künstler werden im Rahmen der Ausstellung präsentiert. Eine der zentralen Figuren unter den österreichischen Malern im Orient war Leopold Carl Müller, hier mit seinem Werk "Markt in Kairo" aus dem Jahr 1878 zu sehen. Ganze neun Winter verbrachte der Wiener in Ägypten.
Auch Alfons Mielich (hier mit dem Bild "Blick auf die Zitadelle von Kairo") Alois Schönn, Karl Ludwig Libay, Bernhard Fiedler und einige weitere österreichische Künstler reisten in orientalische Länder.
Während Eugen Jettel, Rudolf von Alt oder Emil Jakob Schindler Studienreisen an die dalmatinische Küste unternahmen, suchten August von Pettenkofen (im Bild: "Ungarischer Markt"), Otto von Thoren und Johann Gualbert Raffalt neue Impulse in Ungarn.
Die Ausstellung verdeutlicht eine stilistische Veränderung in der österreichischen Malerei: In den Werken der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts herrschte der nüchterne, dokumentarische Realismus vor.
Bild: Eugen von Ransonnet-Villez, "Unterseeische Landschaft" (um 1864/65)
Im weiteren Verlauf stachen aber zunehmend optische Reize hervor. Die Maler versuchten dabei unterschiedliche Stimmungen und Atmosphären festzuhalten.
Bild: Hubert Sattler - Die 60 Fuß hohen Colosse des Memnon zur Zeit der Ueberschwemmung in Ober-Egypten (1846)
Beispielsweise beschäftigten sich Julius von Blaas d. Ä. (Bild: "Sumpf mit Büffeln - 1873) in seiner Ansicht indischer Sümpfe wie auch Theodor von Hörmann in seiner Impression des ungarischen Plattensees mit der Spiegelung des Himmels im Wasser.
Zu zentralen Bestandteilen der Bildsprache werden dabei etwa die malerische Umsetzung des sich wandelnden Sonnenlichts und die Veranschaulichung brennender Hitze.
Bild: Franz Xaver Simm, "Kamelkarawane in Tiflis" (um 1881)
"Die Landstriche waren zwar oft reich an Farbnuancen, zeigten jedoch keine klaren Farben. So wurde es zur künstlerischen Herausforderung, sich mit Hell und Dunkel sowie einer reduzierten Farbpalette zu spielen", analysiert die Kuratorin der Ausstellung Sabine Grabner.
Bild: Emil Jakob Schindler, "Küstenlandschaft in Dalmatien" (1890)
Auch neue Bildformate wie postkartengroße Genreschilderungen von August von Pettenkofen veranschaulichen diese neue Herangehensweise.
Bild: Charles Wilda, "Wäscherinnen am Nil"
Zur Eröffnung am Donnerstag war unter anderem Nahost-Expertin Karin Kneissl geladen. Die Ausstellung "Orient und Okzident" ist noch bis zum 14. Oktober im Unteren Belvedere zu sehen.
(kurier/kob)
Erstellt am 29.06.2012, 10:52