Letztes Update am 11.09.2012, 09:20
Und täglich grüßt die Dauerschleife.
Déjà-vus im Fernsehen: Viele Sender zeigen Serien in der Dauerschleife. Eine Wiederholung jagt die andere. Das nervt.
Kennen Sie das Gefühl? Hungrig öffnet man den Kühlschrank, und obwohl er prall gefüllt ist - mit der Entscheidung was man essen soll, tut man sich schwer. Mit dem Fernsehen kann es einem an manchen Tagen ähnlich gehen. 60 Kanäle und mehr können per Satellit oder Kabel empfangen werden – Angebot also reichlich vorhanden, und trotzdem nur lustloses Hin- und Hergezappe. Denn gesehen hat man irgendwie schon alles.
Dass sich das Gefühl des permanenten Déjà-vus im Fernsehen nicht von ungefähr einstellt, wird nun auch durch objektive Zahlen belegt. Das Medienmagazin DWDL.de hat sich die Mühe gemacht und die Sendungen mit den meisten Ausstrahlungen gezählt. Eindeutiges Fazit: "Viele Sender füllen immer mehr Programm mit immer weniger Formaten, die dafür in immer höherer Schlagzahl in Dauerschleife wiederholt werden." Soll heißen: Im vergangenen Jahr lief etwa "How I Met Your Mother" ganze 2.045 Mal im deutschen TV. Das ergibt bei 160 bisher produzierten Folgen den theoretischen Aufwärmfaktor Acht. Das genaue Ergebnis im Überblick:
An der Spitze der Liste der Serien mit den meisten Ausstrahlungen rangiert "Sturm der Liebe". Fast 2.300 Sendeplätze habe die ARD-Telenovela im vergangenen Jahr belegt, errechnete das Medienmagazin dwdl.de.
Ganze 2.045 Mal war "How I Met Your Mother" ("HIMYM") von Anfang August 2011 bis Ende Juli 2012 auf deutschen Fernsehstationen zu sehen. Die Dauerschleife ist da schon programmiert: ProSieben besitzt etwa die Rechte für 147 Folgen der Serie, um die Sendeplätze zu füllen.
Seit 2005 wurden sieben Staffeln der äußerst erfolgreichen Serie rund um Ted`s ewiger Suche nach der großen Liebe abgedreht. Die achte Staffel soll in den USA am 24. September starten. Insgesamt wurden bis jetzt 160 Folgen produziert. ProSieben kann also innerhalb eines Jahres die gesamte Serie zeigen, nutzte laut dwdl.de aber nur 35 Sendeplätze, um tatsächlich neue Folgen zu zeigen.
Auf Platz drei folgt mit 1.922 Ausstrahlungen bereits die nächste Telenovela: "Rote Rosen". Zu den rund 240 Erstausstrahlungen würden zahlreiche Wiederholungen in regionalen Programmen kommen.
"Scrubs": Ein Dauerbrenner seit mehr als zehn Jahren. Turk und J.D zelebrierten auch in den vergangenen zwölf Monaten ihre "Guy-Love" in aller Ausführlichkeit - ganze 1.713 Mal.
Ähnlich erfolgreich - ähnlich oft gesehen: "Two and a half Men" begeistert seit 2003 Millionen Fans weltweit. Seit Staffel neun auch in neuer Besetzung mit Ashton Kutcher als Walden Schmidt. In Deutschland ist die Serie auf ProSieben und KabelEins zu sehen.
Mit 1.513 Ausstrahlungen liegt die Serie zwar deutlich hinter "HIMYM" - sieht man sich aber nur die Primetime an (in der Untersuchung von dwdl.de von 20.15 bis 0.00 Uhr etwas großzügig bemessen), stehen gleich 282 Folgen zu Buche.
Bislang umfasst die Serie aber nur 188 Episoden, die auch schon in Deutschland gezeigt wurden (insgesamt wurden bisher 201 Episoden abgedreht). Obwohl der Höhepunkt - was die Ausstrahlungen betrifft - wohl schon vorbei ist, kann die gesamte Serie innerhalb von nur acht Monaten komplett wiederholt werden. Dauerschleife deluxe.
"The Big Bang Theory" hätte man sich theoretisch ganze 1.360 Mal zu Gemüte führen können. Die Serie ist zwar wegen ihres Humors sehr beliebt, aber wenn Sheldon zum tausendsten Mal keinen Sarkasmus versteht, verliert auch der beste Running Gag an Fahrt.
85 Mal war die Geek-Serie in der Primetime zu sehen - Erstausstrahlungen gab es allerdings nur zwölf. Warum so viele Serien in Dauerschleife laufen, ist übrigens mit nur einem Wort zu beantworten: Kostenersparnis.
Auch wenn Hal (Bryan Cranston) in seiner Garage mittlerweile Crystal Meth produziert (in "Breaking Bad") anstatt seine Frau Lois zu verwöhnen, "Malcolm mittendrin" (2000 - 2006) erfreut sich noch immer größter Beliebtheit, und wird entsprechend oft gezeigt: 1.113 Mal um genau zu sein.
Dass ProSieben bisher in dieser Liste besonders oft auftauchte, liegt auch an dem Serienschwerpunkt des zweitgrößten Privat-TV-Senders. Einstündige Serien kommen naturgemäß auf weniger Ausstrahlungen. Ganz weit vorne in dieser Kategorie: "Navy CIS"
445 Mal ermittelte das Team von Special Agent Leroy Jethro Gibbs bei Sat 1 und Kabel eins.Nicht zu verwechseln mit "CSI". Die Krimi-Reihe läuft in Deutschland auf RTL, Vox und RTL Nitro und kam so auf 449 Ausstrahlungen.
Mehr Wiederholungen bedeutet auch weniger Ausgaben für neue Episoden. Da verwundert es nicht, dass Dauerschleife bei den kleineren Sendern groß geschrieben wird: Tele 5 zeigte ganze 928 Mal "Star Trek - Das nächste Jahrhundert", dabei umfasst die Serie insgesamt gerade mal 178 Folgen.
ZDFneo zeigte den Vorgänger "Raumschiff Enterprise" ganze 652 Mal, obwohl hier nur 79 Episoden produziert wurden. Macht mehr als acht Wiederholungen im Jahr. Und täglich grüßt die Dauerschleife - da läuft William Shatner Bill Murray doch glatt den Rang ab.
Hätten Sie weiter oben erwartet? Naja, mit 856 Ausstrahlungen im deutschen TV sind die Simpsons ja noch immer ganz gut dabei und dominieren weiterhin den Nachmittag vieler Jugendlicher. Die Simpsons sind die am längsten laufende Zeichentrickserie der USA - mit mehr als 500 Episoden in 23 Staffeln.
Mittlerweile wird den Simpsons von Family Guy und Futurama aber der Rang abgelaufen. 909, bzw. 892 Mal waren die Comedy-Serien zwischen 1. Augsut 2011 und 31. Juli 2012 zu sehen.
Und was zeigt Kabel eins? Der Privatsender erinnert mit "Unsere kleine Farm" an die "gute alte Zeit", ganze 783 Mal im Jahr.
Die deutschen Fernsehsender können in Österreich über Kabel und Satellit empfangen werden. 2011 konnten Österreichs Haushalte im Schnitt 94 TV-Sender empfangen, 69 davon in deutscher Sprache - vorausgesetzt natürlich ein digitaler Empfang ist vorhanden, was 2011 bereits in 72 Prozent aller Haushalte der Fall war. In digitalen Satellitenhaushalten standen laut ORF-Medienforschung durchschnittlich 136 Sender zur Verfügung (davon 96 deutschsprachige Kanäle).
Schlüsselt man die Marktanteile nach einzelnen Sendern auf, lagen beide ORF-Programme mit 13,8, bzw. 22,6 Prozent zwar deutlich vor allen übrigen Sendern. Die stärksten Konkurrenz stellten jedoch die deutschen Privatsender Sat.1 und RTL mit einem Marktanteil von jeweils 6,5 Prozent dar. (Gefolgt von PRO7, 5,2 %, VOX, 4,5 %, ZDF, 4,2 %, ATV, 3,6 %, der ARD 3,2 %, und PULS 4, 2,9 %. Eine genaue Übersicht über die einzelnen Serien finden sie auf dwdl.de.
(kurier/kob)
Erstellt am 09.09.2012, 12:34