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Skurriles Musikvideo: Zwei jünge Männer im Bikini sitzen im steirischen Wald und unterhalten sich im urigsten Dialekt rappend über Fleisch, Wurst und deren Hersteller.
Skurriles Musikvideo: Zwei jünge Männer im Bikini sitzen im steirischen Wald und unterhalten sich im urigsten Dialekt rappend über Fleisch, Wurst und deren Hersteller. - Foto: Youtube

Letztes Update am 23.01.2013, 13:10

Steirischer Fleischer fühlt sich durch Dialekt-Video verleumdet. "Holt die Goschn" rappen die Musiker der Band König Leopold in einem YouTube-Video. Ein Fleischhauer will deshalb klagen.

Zwei bärtige Männer sitzen im Wald – einer trägt Bikini, einer Badeanzug – und singen: „Holt die Goschn, holt, holt, holt die Goschn ...“ Für nicht-oststeirisches Publikum hat die Band Koenig Leopold den „Kohlhauser“-Videoclip freundlicherweise mit englischen Untertiteln unterlegt (siehe Video unten).

Während sich mehr als 84.000 YouTube-User darüber amüsieren, ärgert sich Josef Kohlhauser gewaltig. „Ich hab’ mir denkt: Das ist ein primitives Lied! So ein Schandlied!“ Der Fleisch­hauer aus Mönichwald scheint nämlich unfreiwillig Pate für das Lied gestanden zu haben. Sein markanter Dialekt, eine Wegbeschreibung zu seiner Fleischhauerei alles passt. Bis hin zum deftigen „Holt die Goschn“. „Kein schöner Ausdruck“, kommentiert Kohlhauser. „Ich sag’ net, dass ich’s nie g’sagt hätt’. Aber doch net dauernd, das kann rausrutschen.“


Schluss mit lustig

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Josef Kohlhauser ärgert sich über das 'Schandlied' und fordert, dass es von YouTube entfernt wird - Foto: ELMAR GUBISCH /Elmar Gubisch
Sein Anwalt Bertram Schneeberger überlegt jetzt eine Unterlassungsklage sowie eine Sachverhaltsdarstellung wegen Verleumdung an die Staatsanwaltschaft. Bei der Textzeile „da Kohlhauser hat sich saniert und abkassiert“ war nämlich Schluss mit lustig und „ois sauber, die Rostflecken“ sei ja fast schon geschäftsschädigend.

84.000 Klicks hat das Lied bereits auf YouTube. Rauf und runter wird es in lokalen Radiosendern gespielt. Und als Klingelton ist „Holt die Goschn“ auch schon zu haben.

In Kohlhausers Geschäft geht es so richtig rund, seit die mögliche Klage medial bekannt wurden. „A jeder spricht mich darauf an. Mittlerweil’ kann i eh schon drüber lachen, is’ ja eigentlich a Werbung a noch.“ Aber die Familie geniert sich. „Die leidet fürchterlich. Die Enkelkinder hören in der Schule: ,Da hör’, des ist dei Opa.‘ Das ist doch net angenehm für a kleines Kind.“

Dabei würden sich der Fleischer und sein Anwalt gern gütlich einigen. „Aber wir finden kein Impressum auf der Homepage der Band, wir haben den Burschen auf die Mobilbox gesprochen. Die reagieren nicht auf uns“, bedauert Schneeberger. Vielleicht kam auch deshalb die sanfte finanzielle Drohung: 10 Cent pro Video-Klick fordert Kohlhauser. „I erwart’ mir auch, dass es entfernt wird.“

Via Medien ließ ein Bandmitglied ausrichten, die Figur des Kohlhauser sei rein fiktiv.


Hintergrund

Internet-Spezialist: Nicht strafbar, aber problematisch

Im aktuellen Fall sieht Matthias C. Kettemann, Spezialist für Internet-Recht an der Uni Graz, keine strafbare Handlung, wohl aber einen problematischen Verstoß gegen das Menschenrecht auf Privatsphäre: "Es handelt sich offenbar um einen problematischen Eingriff in die Privatsphäre, eine klare strafbare Handlung, wie Verleumdung oder den Vorwurf einer verächtlichen Gesinnung kann ich jetzt aber auf den ersten Blick nicht ausmachen. Für Schmerzengeld müsste wiederum eine tief gehende Verletzung der physischen oder psychischen Gesundheit vorliegen."

"Don't feed the Troll"

Der Fleischer ist, ohne dass er selbst unbedacht mit seinen persönlichen Daten im Web umgegangen wäre, ein Internet-Opfer geworden und steht ungewollt im Rampenlicht. Den nun vom ihm gesetzten Schritt hält der Experte aber für "nicht sinnvoll": "In solchen Fällen gilt es die Eskalationsspirale zu stoppen: 'Don't feed the Troll - den Troll nicht füttern', denn sonst bekommt der Provokateur genau das, was er sich wünscht, nämlich Aufmerksamkeit". Er hätte dem Opfer geraten, mit den Video-Produzenten Kontakt aufzunehmen und sich außergerichtlich zu einigen, "damit das Ganze nicht noch an Bekanntheit gewinnt", so Kettemann.

Bei gröberen Vergehen wie zum Beispiel ungewollte Veröffentlichung von Nacktfotos rät Kettemann: "Erstens Kontakt mit dem betreibenden Server suchen, zweitens die Polizei informieren, damit diese ein Verfahren einleitet, sowie drittens die staatlichen Meldestellen und eventuell eine anwaltliche Vertretung kontaktieren."

Grundsätzlich konstatiert der Grazer Experte eine große Unwissenheit von Internet-Usern im Hinblick auf die rechtlichen Konsequenzen ihres Tuns. "Das Internet ermöglicht auch ein Verhalten, das die Menschenrechte und hier vor allem das Recht auf Privatsphäre gefährdet. Viele füttern das Internet pausenlos mit privaten oder auch nicht privaten Informationen - ohne die Konsequenzen für sich und andere zu bedenken."

(apa)

(KURIER) Erstellt am 23.01.2013, 13:10

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