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KURIER
Fabian Hinrichs mit Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl.
Fabian Hinrichs mit Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl. - Foto: ORF BR/Kerstin Stelter

Letztes Update am 30.12.2012, 16:35

"Humor ist schon sehr verbindend". Seit 21 Jahren ist Miroslav Nemec "Tatort"-Kommissar, am Sonntag ist er in einer neuen Folge zu sehen.

KURIER: Im Tatort „Der tiefe Schlaf“ (Sonntag, ORF2/ARD, 20:15 Uhr) springen Sie Ihrem Kollegen gekonnt mit einer Ausrede zur Seite. Sind Sie selber auch so gut im Ausreden erfinden?“
Miroslav Nemec: Ich bin selber kein großer hinters-Licht-Führer, sondern eher direkt, und würde so etwas höchstens im Spaß machen, aber so, dass man es auch als solchen erkennen würde.

Dann sind Sie auch kein ironischer Mensch?
Manchmal schon aus Verzweiflung. (lacht)


Im "Tatort" wird Ihnen ein übereifriger Kollege zur Seite gestellt. Wie gehen Sie mit Besserwissern um?
(lacht) Ich werde vielleicht zuerst mal still und dann aber schon deutlich. Ich glaube nicht, dass ich mir so ein Verhalten gefallen lassen würde, sowas ginge mir auf die Nerven.

Bekäme so jemand auch eine 2.Chance bei Ihnen oder wäre schneller Schluss?
Nein, das finde ich schon in Ordnung, eine 2.Chance muss schon drin sein. Außer jemand diskreditiert sich dermaßen deutlich, dass es nichts bringen würde. Aber, wenn jemand fachlich gut ist, und man würde sehen, dass der Wille sich zu ändern noch erkennbar wäre, dann auf alle Fälle.

Fänden Sie es auch in Ordnung heimlich in den Sachen von jemand anderem zu schnüffeln?
Nein, so etwas mache ich prinzipiell nicht. Ich habe das in meiner Jugend einmal gemacht und so dermaßen eins auf die Finger gekriegt, was ich im Nachhinein auch richtig finde, dass ich großen Respekt vor der Privatsphäre  anderer habe.

Sie sind seit 21 Jahren "Tatort"-Kommissar, fast jeder kennt Sie, umgekehrt kennen Sie Ihre Zuschauer aber nicht. Kommt man sich da im Alltag nicht manchmal seltsam vor?
Natürlich, aber man gewöhnt sich daran, dass die Leute einen ansprechen, sie freuen sich, wollen ein Gespräch, ein Autogramm oder mal ein Foto, das gehört dazu, ich verstehe das auch. Aber es gibt einfach Situationen, die meide ich, wenn ich nicht gut drauf bin, z.B. Preisverleihungen, da kommt die Presse, da kommen Fotografen, da kann ich nicht hingehen und sagen „Nein, heute will ich nicht“, dann bleibe ich lieber zuhause. Und in der Öffentlichkeit wie z.B. in der S-Bahn, im Laden oder auf der Straße ist es in Deutschland, Österreich und der Schweiz eben oft so, dass ich erkannt werde. Aber die Leute sind normaler Weise sehr dezent und grüßen nur.

Sie müssen sich keine blonde Perücke aufsetzen?
(lacht) Nein, aber vielleicht mache ich das mal, am besten mit einer schwarzen Langhaarperücke.

Haben Sie sich mit Ihrem "Tatort"-Kollegen Udo Wachtveitl gleich gut verstanden?
Wir waren uns sympathisch und kannten uns flüchtig vom Synchron, hatten beide einen ähnlichen Humor, im Gegensatz zu manchen Leuten, bei denen man einen Witz erzählt und gleich merkt, das wird nichts. Humor ist schon sehr verbindend. Und dann hat uns auch gleich zu Beginn noch die Drehbucharbeit gepackt, weil das Drehbuch noch nicht ganz optimal war. Wir durften mitarbeiten und uns einbringen, daran wächst man natürlich auch. Mit Udo ist es so, stellen Sie sich vor, Sie haben einen Freund und müssen Jahre später auch noch mit ihm zusammen arbeiten, das könnte schief gehen. Wenn Sie aber mit jemandem gut zusammen arbeiten, dann kann daraus auch eine Freundschaft entstehen. Muss es natürlich nicht, aber das man gut zusammen arbeiten kann, das bleibt einem.

Trotzdem erstaunlich, dass Sie es schon über 20 Jahre miteinander aushalten. In der Presse werden Sie ja auch gerne als altes Ehepaar bezeichnet.
Das kommt, weil wir selber sagen, dass wir uns manchmal wie ein altes Ehepaar verhalten, einer fällt dem anderen ins Wort , jeder möchte einen Witz auf seine Weise erzählen, so dass der andere dann eben sagt „Ach, Gott, den Witz kenne ich schon, den hast du ja schon 10 Mal erzählt.“ (lacht)

Wenn man Sie beide im "Tatort" sieht, hat man das Gefühl Udo Wachtveitl ist der Ernstere von Ihnen beiden.
Ja, das ist auch im Leben so, Udo ist sehr korrekt und nimmt die Sachen sehr ernst. Ich bin da eher lässiger und sage schon mal „Ach, komm‘ lass‘ gut sein“. Das ist sicher eine Mentalitätssache.

 

Info: Tatort - "Der tiefe Schlaf", Sonntag 30.12., 20:15 Uhr, ORF2/ARD
Autobiografie: "Miroslav-Jugoslav" von Miroslav Nemec, Hess Verlag

(KURIER/Claudia Böhm) Erstellt am 30.12.2012, 10:35


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