Corona-Krise reißt dickes Minus ins ORF-Budget 2020

Corona-Krise reißt dickes Minus ins ORF-Budget 2020
Der ORF wird wohl weiter sparen. Heuer schließt er Corona-bedingt negativ ab, sagt der Generaldirektor

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht vor möglichen weiteren Einschnitten. Binnen fünf Jahren musste Österreichs größtes Medienunternehmen 300 Millionen einsparen. 2021 läuft dieses eigentlich Paket aus, wegen COVID-19 kommen mögliche weitere Pakete hinzu, sagte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Dienstagabend vor Journalisten. Er könne „darüber hinausgehende Maßnahmen nicht ausschließen“.

Wie in allen Medien hat die Corona-Krise auch im ORF eine massive Delle hinterlassen. Heuer wird das Unternehmen negativ bilanzieren: Minus 13 Millionen EGT (Ergebnis gewöhnlicher Geschäftstätigkeit) sind veranschlagt, so Wrabetz. Die Hauptgründe: Der Einbruch der Werbewirtschaft und eine immer höhere Zahl an Gebührenbefreiungen. Wer sozial schwach ist, muss der GIS nichts zahlen, in der größten Wirtschaftskrise der Zweiten Republik wird diese Gruppe immer größer. „In Summe kostet uns Corona fast 75 Millionen Euro“, sagt der Generaldirektor. Die Kurzarbeit sparte dem ORF nach seinen Angaben sechs bis sieben Millionen Euro. Die ORF-Führung zeigt sich für die kommenden Monate vorsichtig optimistisch, ist aber gewarnt: Der Werbemarkt ziehe zwar langsam wieder an, wenn internationale Großkonzerne wegen der schleppenden Konjunktur ihre Werbepläne adjustieren, könne es hier aber auch wieder bergab gehen.

Was hilft, war der positive Jahresabschluss 2019, wo 20 Millionen Gewinn zur Stärkung des Eigenkapitals herangezogen wurden – die Krise kann also finanziert werden. „Aber 2021 müssen wir wieder in die schwarzen Zahlen zurückkommen“, sagt der ORF-General. Was heuer hilft, kommt nächstes Jahr erschwerend hinzu: Zahlreiche in der Produktion teure Sportevents wurden verschoben, schlagen aber dafür im Budgetjahr 2021 zu Buche. 35 Millionen Mehrkosten entfallen laut Wrabetz allein darauf.

Corona-Krise reißt dickes Minus ins ORF-Budget 2020

ORF-Generaldirektor Wrabetz.

Durchschaltung bleibt

Quotentechnisch brachte die Krise Fernseh-Rekorde. So hatte die „Zeit im Bild“ am 15. März, als die Regierung einen allumfassenden Shutdown verkündete, 2,9 Millionen Zuschauer – soviele wie noch nie, seit in den 1990ern die Quotenmessung eingeführt wurde. Die „Zeit im Bild“ wurde in Folge auch wie früher auf ORF1 durchgeschaltet. Diese temporäre Maßnahme wurde bis August verlängert und soll danach bleiben, so Wrabetz: „Wir bereiten einen Beschluss vor, wonach das endgültig so sein wird.“ Damit wäre auch das Ende der „ZiB20“ auf ORF1 besiegelt. Braucht es also noch eine eigene ORF1-Information? Jein, meint der General sinngemäß: Er sieht die Stärken des Senders bei „vertiefender, etwas augenzwinkernder Information, zum Beispiel bei Hanno Settele“. Dass ORF2 und ORF1 jeweils wie bisher eigene Kurz-„ZiBs“ produzieren, stellt er infrage. Die Infokompetenz des Einserkanals sei jedenfalls gegeben, das weise auch der aktuelle Reuters Digital News Report aus.

Die Late-Night-Show des Satirikers Peter Klien wird trotz schwacher Quoten nicht abgesetzt, sagt der ORF-Chef. „Ich bin dafür, dass er weitergeht, allerdings hat er noch nicht sein Potenzial gehoben.“ Hier werde es noch Adaptierungen brauchen.

Das Ziel für die kommenden Monate? Die Umsetzung des neuen digitalen ORF-Players. Dazu braucht es noch eine Gesetzesnovelle. Die Verhandlungen laufen.

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