Martin Kubaczeks Gedicht vom kleinen schwarzen Punkt

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Foto: /Armin Klein Martin Kubaczek

"Nebeneffekte" im AKH, 17. Stock

Das ist ein Gedicht, aber das merkt man vor allem, weil der Text im dramatischen Rhythmus pocht und hämmert und zuschlägt und danach, wenn man ganz unten ist, dann kitzelt er, dann streichelt er.

Es war nur ein kleiner schwarzer Punkt unter dem Schulterblatt. Ein Melanom, Clark Level IV. Es gibt keine Rettung, sagt der Arzt. Er soll noch ein paar Wochen genießen, sagt eine Krankenschwester.

Damals war der Violinist und Schriftsteller und Germanist (mit Gastprofessuren in Japan) Martin Kubaczek aus Wien 55 Jahre alt.

In "Nebeneffekte" sind wir bei ihm, wenn er im AKH liegt, 17. Stock, und zwei Mal operiert wird; wenn er nicht versteht; wenn er dann doch versteht, was es bedeutet; wenn er weinen muss und lachen kann über Patienten, die zanken, wer mehr krank ist; wenn der Krebs schläft und Kubaczek ihn wiegt ...

Es ist intensiv. Wer wagt es, "Nebeneffekt" zu lesen (es dauert eine gute Stunde)?

Diejenigen, die noch keinen schwarzen Punkt haben; und diejenigen, die einen haben, sie ganz besonders: Denn es ist mittlerweile sechs Jahre her, und Martin Kubaczek lebt.

Martin Kubaczek:
„Nebeneffekte“
Edition Korrespondenzen.
144 Seiten.
18 Euro.

(kurier) Erstellt am
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