Letztes Update am 03.05.2012, 08:03
Licht, Öffis und Melonen in der Secession.
In der Wiener Secession sinniert David Claerbout über
filmisches Licht und Zeit, Slavs und Tatars setzen auf
Wassermelonen und Stephan Dillemuth secessioniert sich.
Zwischen dem 3. Mai und dem 17. Juni konzentriert sich die Wiener Secession auf David Claerbout, Stephan Dillemuth und Slavs und Tatars.Bild: David Claerbout
Die Wiener Secession richtet den Scheinwerfer auf das filmische Licht: Mit der ersten Werkschau des belgischen Künstlers David Claerbout in Österreich rücken kleine cinematische Preziosen in den Fokus, ...
Bild: David Claerbout
... die den Betrachter im Hauptraum des Ausstellungshauses zu einer Reflexion über Licht und Zeit verführen.
Bild: David Claerbout
Empfangen wird der Besucher allerdings von Wassermelonen. Zwei überdimensionale Stücke der Kürbisgewächse thronen derzeit in den Schildkrötenvasen Robert Oerleys vor dem Jugendstilbau. Sie stimmen mit Augenzwinkern auf die zweite neue Schau, "Not Moscow not Mecca" des Kollektivs Slavs and Tatars, ein.
Bild: Slavs und Tatars
Der Hauptraum der Secession liegt im Dunkeln.
Bild: David Claerbout
Einzig die projizierten Videos werfen ihren Schein auf den mit Folie verspiegelten Boden und entfalten dabei einen eigenen Sog.
Bild: David Claerbout
Mit Arbeiten aus den vergangenen zehn Jahren versammelt Claerbout sein Kompendium des Nachdenkens über die filmische und die Realzeit. In der 36-minütigen Einstellung "The Stack" aus 2002 fällt beispielsweise nur zwei Minuten der Lichtstrahl hinter einer Autobahn auf einen dort liegenden Obdachlosen.
Bild: David Claerbout
In "The Long Goodbye" aus 2007 entfernt sich die Kamera über Minuten von einer Frau, die aus einer Villa tritt und sich winkend vom vermeintlichen Gast verabschiedet.
Bild: David Claerbout
Das Opus Magnum der Wiener Schau ist allerdings "Bordeaux Piece". Dabei hat der Belgier im Laufe eines Monats einen zehnminütigen Kurzfilm 75 Mal exakt nachgedreht.
Bild: Stephan Dillemuth
Einzig die Tageszeit des Drehs wanderte sukzessive von 5.30 Uhr auf 22 Uhr. Und so wird das kleine Beziehungsspiel dreier Protagonisten nun in Wien gezeigt.
Bild: Stephan Dillemuth
Über den Tag verteilt wird die an Godard erinnernde Szene scheinbar im Loop wiederholt - auch wenn es sich um eine exakte Nachstellung handelt. Claerbout zeigte sich dabei am Mittwoch von der Installation im schwarzen Projektionssaal begeistert.
Bild: Stephan Dillemuth
"Davon träume ich schon seit Jahren - aber ich habe nie die Leute getroffen, die verrückt genug waren, es umzusetzen."
Bild: Stephan Dillemuth
Im Grafischen Kabinett der Secession geht es hingegen farbenfroher zu. Slavs und Tatars sinnieren dort humorvoll ...
Bild: Slavs und Tatars
... mit überdimensionalen Obstskulpturen wie einem Quitten-Globus über Zentralasien und Europa, den Islam und die Moderne, Orient und Okzident.
Bild: Slavs und Tatars
Neben verschiedenen Früchten wie Maulbeere oder Granatapfel gehört für sie auch die Wassermelone dazu, ...
Bild: Slavs und Tatars
... die sich eben vor der Secession findet. "Wassermelonen sind eine Karikatur, sie stehen für das andere", so das Kollektiv im Pressetext.
Bild: Slavs und Tatars
Als wahrer Secessionist erweist sich hingegen der deutsche Künstler Stephan Dillemuth, der für die dritte kleine Schau in der Secession verantwortlich zeichnet. Unter dem Titel "Öffentliche Verkehrsmittel" hat er sich in den rechten Seitenraum des Hauses zurückgezogen, der von der Secession selbst nicht, sondern nur von außen begehbar ist. "Ich habe mich secessioniert", so Dillemuth.
Bild: Stephan Dillemuth
In seinem Refugium zeigt er einen Brunnen als Symbol des dörflichen Treffpunkts. Die Installation "Ohne Alles, auch ohne Titel" wirft hingegen einen öffentlichen Raum auf die Wände, und in der Videoarbeit "The Hard Way to Enlightenment" sinniert Dillemuth über künstlerische Forschung und Selbstermächtigung. "In meiner Arbeit spielt generell die Künstlerselbstorganisation eine große Rolle", zeigte sich Dillemuth am Mittwoch selbstbewusst.
Bild: Stephan Dillemuth
(APA/moe)
Erstellt am 02.05.2012, 14:02