Letztes Update am 09.08.2012, 13:12
Syrien: Kunst aus einem zerrissenen Land.
Die Berliner Ausstellung "KunstStoff Syrien" zeigt künstlerische Positionen aus dem vom Bürgerkrieg vergifteten arabischen Staat.
Vor mehr als einem Jahr begann die Revolution in Syrien gegen den despotisch agierenden Präsidenten Bashar al-Assad. Inzwischen herrschen kriegsähnliche Zustände, Regimegegner werden inhaftiert und gefoltert. Zehntausende von Menschen haben bereits ihr Leben verloren, Hunderttausende mussten fliehen oder sind obdachlos."All dies wird in den internationalen Medien kommuniziert, bleibe jedoch für die meisten Menschen sehr abstrakt", meinen die Macher der Berliner Ausstellung "KunstStoff Syrien". Sie wollen Ein- und Ausblicke in ein zerrissenes Land geben.
Foto: Projekt "The Syrian people know their way"
Die Künstler mit unterschiedlichen religiösen, ethnischen und politischen Hintergründen geben in der Berliner Forum Factory einen Einblick in ihre Ängste und Hoffnungen, die sie in Malerei, Fotografie, Film, Literatur, Musik und Theater verarbeiten und begreifbar machen. Dieses Foto stammt von Jaber Al-Azmeh.
Jaber Al-Azmeh ist Fotograf, Absolvent der Universität der Bildenden Künste Damaskus, lebt jetzt in Qatar.
Gezeigt wird etwa auch ein Musikvideo der Gruppe "Syrischer Bär", eine bitter-sarkastische Abrechnung mit Bashar al-Assad, der unter anderem als mordender Minderbemittelter dargestellt wird.
Einer der bekanntesten Fotografen Syriens ist Mohammad Al-Roumi. Er arbeitet seit vierzig Jahren an diversen Projekten in Syrien, die sich unter anderem mit Archäologie und den Vororten von syrischen Großstädten beschäftigen.
Al-Roumi stellt derzeit eine Serie über die Revolution unter anderem in Qatar aus.
Außerdem werden Grafiken der Facebook-Gruppe "Syrian people know their way" ausgestellt. Als die Revolution in ihrer Heimat Syrien ausbrach, wollten sie selbst aktiv werden. Durch Teamwork haben sie im Laufe der Zeit gelernt, wie man Videos schneidet, Bilder bearbeitet und Musik mischt. Für ihr Projekt "Syrian people know where they are going" wurden sie mit der Goldenen Nica des Prix Ars Electronica ausgezeichnet.
Eine andere Gruppe von Jugendlichen nutzt unter dem Namen "Lens Young Homsi" die Medien Fotografie und Facebook, um ganz persönliche Eindrücke der zerstörten Stadt Homs zu verbreiten: Subjektive Momentaufnahmen jenseits der bekannten Medienbilder aus Ruinen, traurig, zwischendurch auch heiter ironisch.
Maler Zavien Youssef sagt: "Für diese Ausstellung, die in Deutschland über die jetzige Situation in Syrien statt finden wird, habe ich mich entschieden, nur mein Gesicht als ein Gesicht Syriens zu präsentieren. Das bedeutet, dass ich aus einem Gesicht eine seelische Szene wie auch eine Maske auf einer optischen und emotionalen Ebene beschreiben und zeigen werde, ohne dass ich in ein literarisches Konzept versinke."
Zavien Youssef weiters: "In einer Art und Weise, wo der Konflikt zwischen dem Scheinbaren und dem Verborgen hervorkommt, genau wo die Orte der Liebe, der Depression, der Traurigkeit, der Wut und vieler anderer Emotionen zu finden sind."
Ahmed Ramadan studierte an der Universität der Bildenden Künste Damaskus, als er im Mai 2011 sein Studium aufgrund der politischen Situation abbrechen musste und nach Berlin zog.
Ali Kaaf studierte Malerei im Libanon, in Jordanien und Deutschland, uner anderem bei dem bekanntesten syrischen Künstler Marwan Kassab Bashi und Rebecca Horn an der Hochschule der Künste Berlin. Er stellte bereits u. a. in der ArteEast Virtual Gallery NYC, dem Martin-Gropius-Bau Berlin und bei der MiArt (International Modern and Contemporary Art Fair) in Mailand aus.
Yaser Safi meint über seine Kunst: "Auf der Straße und unter den Leuten versuche ich, Details und ihre eigene Geschichte zu ergründen, um sie in den tragischsten Momenten unserer Historie zu erfassen".
Begleitet wir die Ausstellung von einem Film- und Musikprogramm.
KunstStoff Syrien. Ein- und Ausblicke in ein zerrissenes Land vom 7. bis 18. August 2012 täglich von 10 bis 18 Uhr in der Forum Factory Besselstr.13, 10969 Berlin (U Kochstr.)Programm und Informationen
Bild: Ahmed Ramadan - ohne Titel
(kurier/tem)
Erstellt am 09.08.2012, 11:55