Letztes Update am 15.09.2012, 10:02
Miniatur-Street Art aus alten Dosen.
Müll mit neuem Gesicht: In seiner "Can Men"-Serie bemalt ein britischer Künstler alte Aludosen. Im Interview erklärt er, was es damit auf sich hat.
Von illegalen Graffitis unter Brücken hin zu Ausstellungen in Galerien. Street Art hat einen weiten Weg hinter sich und konnte sich in den letzten Jahren als ernstgenommene Kunstform etablieren. Ein Grundgedanke dieser öffentlichen Kunst ist aber unverändert: Sie will gesehen werden. Ein britischer Künstler geht da einen anderen Weg. Unter dem Künstlernamen "My Dog Sighs" macht er Miniatur-Street Art für den privaten Haushalt. Dazu bemalt er alte Alu-Dosen und haucht ihnen mit seinen Gesichtern neues Leben ein.
Neu ist dabei nicht nur das Format der kleinen Dosen, sondern auch ihr Verbreitungsweg. Im Interview mit KURIER.at erklärt der Brite, der lieber seine Kunst als seinen bürgerlichen Namen für sich sprechen lassen will, dass er seine "Can Men" einfach auf der Straße, zwischen ganz gewöhnlichem Müll ablege.
Passanten sollen dann seine Kunst erkennen und mit nach Hause nehmen. So könne jeder "sein eigenes Stück Street Art" besitzen.
Keine Dose gleicht der anderen. Von lachenden bis traurigen, von weinenden bis verträumten Gesichtern malt der Brite unterschiedlichste Emotionen auf seine Dosen. Manche Dosen haben auch ein besonderes Accessoire - wie eine Haube oder…
…eine Burka. Eine politische Botschaft will "My Dog sighs" in seiner Arbeit aber nicht erkennen. Wenngleich ein gewisser ökologischer Gedanke nicht von der Hand zu weisen sei. "Ich denke es könnte eine ökologische Botschaft über den Müll, den wir produzieren enthalten sein. Viele meiner Dosen sind ziemlich melancholisch. Ich finde es gut, dass die Leute dadurch mit den Dosen mitfühlen und ihnen eine zusätzliche Emotion zuschreiben."
Seine "Can Men" sind also nicht als Statement gegen Müllverschendung gedacht. Der Grund, weshalb er ausgerechnet alte Alu-Dosen für seine Kunst verwendet ist profaner. Der Brite, der im bürgerlichen Beruf Lehrer ist, war einfach nach der Suche nach einem Material das frei zur Verfügung stand. Wände wollte er nicht anmalen - auch wenn diese einen längeren Eindruck hinterlassen würden.
Denn den Künstler aus Southsea an der englischen Kanalküste stört es nicht, wenn seine Dosen oft nur wenige Stunden öffentlich zu sehen sind, bevor sie mitgenommen werden.
"Street Art ist generell vergänglich. Auch Wände werden oft sehr schnell übermalt oder abgerissen. Meine Dosen überleben viel länger, wenn sie jemand mit nach Hause nimmt.", erklärt der Brite.
Die kleinen Dosen mit den netten Gesichtern erfreuen sich immer mehr Fans. Mittlerweile verdient "My Dog sighs" mit seiner Kunst auch Geld, ist in zahlreichen Ausstellungen in England zu sehen.
Ein besonderes Anliegen ist My Dog Sighs der von ihm mitinitiierte "Freeartfriday". Die Idee ist simpel: Künstler verstecken ihre Kunstwerke jedweder Art an einem öffentlichen Platz. Wer die Bilder, Installationen, Fotos und... Dosen findet, kann sie mit nach Hause nehmen.
Die Bewegung ist mittlerweile in zahlreichen Städten in Amerika und England, außerdem in Tel Aviv und Belgrad aktiv und erfreut sich wachsender Beliebtheit.
In diesem Video können Sie sehen, wie die "Can Men" entstehen.
(kurier)
Erstellt am 08.07.2012, 13:04