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KURIER
Ausschnitt aus dem Deix-Bild: "Die älteste Frage der Menschheit: Wie sieht Gott eigentlich aus?" (das ganze Bild finden Sie in der Bildergalerie unten)
Ausschnitt aus dem Deix-Bild: "Die älteste Frage der Menschheit: Wie sieht Gott eigentlich aus?" (das ganze Bild finden Sie in der Bildergalerie unten) - Foto: Manfred Deix

Letztes Update am 22.03.2013, 09:56

Manfred Deix' "Ostergeschenk an die Kirche". Der neue Sammelband "Der heilige Deix" mit Zeichnungen über Gott und die Welt erscheint am Samstag.

Bei einem Buch namens "Der heilige Deix" ist vom Inhalt genau das Gegenteil, nämlich eine gute Portion Unheiligkeit, zu erwarten. In seinem neuen Sammelband hat Karikaturist Manfred Deix auf 80 Seiten seine lange und intensive Auseinandersetzung mit religiösen Themen zusammengefasst: Zeichnungen über Gott und die Welt, Kirche und Klerus, Päpste und Priester. Das im Ecowin-Verlag erscheinende Buch ist nahezu tagesaktuell, es reicht bis zum überraschenden Rücktritt von Benedikt XVI. und der Suche nach einem Nachfolger. Nur Franziskus I. hat es nicht mehr ins Buch geschafft. Was er vom neuen Papst hält, warum ihn das Thema Kirche sein Leben lang beschäftigt und weshalb er strikter Gegner von Kirchenreformen ist, erzählte der 64-jährige Zeichner im folgenden Gespräch mit der Austria Presse Agentur.

APA: War "Der heilige Deix" schon länger geplant oder ist das Buch ein Schnellschuss aus aktuellem Anlass?

Manfred Deix: Es war ein Schnellschuss, weil die Papstwahl anstand und Ostern kommt. Es ist mein Osterhaserl, mein Ostergeschenk an die Kirche.

Man vermisst den neuen Papst Franziskus.
Der ist sich fürs Buch nicht mehr ausgegangen. Aber in "News" ist er bereits drinnen. Dort hab' ich ihn freundlich, nett und lustig in der Untergatte dargestellt.

Was hat Ihnen dabei als Material gedient?
Er ist angeblich ein liberalerer Bursch als sein Vorgänger. Optisch gibt er nicht viel her, weil er so durchschnittlich ausschaut mit seinen Brillen - wie ein höherer Beamter. Ich hab mich bemüht, ihm ein Einstandsgeschenk zu machen. Aber er ist noch ein unbeschriebenes Blatt. Wir werden sehen, ob er's bringt.

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Manfred Deix: 'Der heilige Deix', Ecowin Verlag, 80 S., 14,95 Euro - Foto: Ecowin
Sein Vorbild predigte ja nicht nur die Armut, sondern sprach auch mit den Tieren. Da sieht man ja förmlich schon ein paar künftige Deix-Bilder vor sich...
Gut, dass Sie mich darauf bringen. Natürlich, er hat ja mit den Tieren geplaudert! Vielen Dank für die Idee.

Einen Papst Schönborn hätten Sie bereits im zeichnerischen Repertoire gehabt.
Der wäre, glaube ich, etwas zu fad gewesen. Ich weiß ja nicht, was der jetzige Papst alles an Events bringt, aber Schönborn ist einer, der sich am Riemen reißt und sich nichts anmerken lässt. So ein Pokerface, immer freundlich und ernst. Der ist kein Bringer. Bis jetzt bin ich mit der Wahl sehr zufrieden.

Wobei auch die Wahl selbst und die Amtseinführung einiges an Spektakel geboten haben.
Dieses wuselnde Heer von tausenden rotgekleideten, verkleideten Generaldirektoren eines Weltkonzerns - für mich hat das richtig bedrohlich ausgeschaut. Wie geht es da dem kleinen Pfarrer am Land, wenn er das sieht? Er hat die Drecksarbeit, muss sich um die armen, kranken Leute kümmern, die seine Hilfe brauchen, und dort ist der große Almauftrieb. Dort sind alle, die es zu etwas gebracht haben in der Branche. Mir gefällt das gut. Ich sehe das sehr gern, weil es so entlarvend ist. Ich finde: Die Kirche soll so bleiben. Ich muss ja auch von etwas leben...

Ein Kirchenreformer, der alles auf den Kopf stellt, wäre Ihnen also nicht recht?
Aber kommt doch überhaupt nicht in Frage! Der wäre mein Todfeind. Alles, was an Reformen käme, wäre für mich ruinös. Ich will die Klemmis, diese verspannten, verklemmten, finster blickenden Pfarrer. Sie sollen so bleiben, wie sie sind. Da bieten sie am allermeisten.

(Scrollen Sie runter, um über Deix' persönliche Erfahrungen mit der Kirche zu lesen)

Bilder aus "Der heilige Deix"

Wie sieht es mit Ihren persönlichen Erfahrungen mit der katholischen Kirche aus?
Ich musste jeden Sonntag in die Kirche gehen. Das wollten meine Eltern so. Ich habe mich dort zu Tode gelangweilt und diesem Treiben immer eher befremdet zugesehen. Ich fand dieses ganze Getue und Geschwafel unglaubwürdig von vorne bis hinten. Meine Eltern hatten nämlich damals in Böheimkirchen ein Wirtshaus. Am Abend sind hin und wieder die Pfarrer zu uns gekommen, haben gegessen und Karten gespielt. Das hat sie auch sympathisch gemacht. Und wenn sie angesoffen waren, haben sie hin und wieder mit den Frauen am Tisch zu fußeln versucht. Ich hab das mit Kulleraugen beobachtet.

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Foto: Peter Rigaud
Im Buch findet sich auch ein Foto, wo Sie in fröhlicher Eintracht mit Bischof Kurt Krenn am Tisch sitzen (siehe Bild, Anm.).
Die Zeitschrift News hat das damals arrangiert, die haben mich quasi als Antichristen mit dem Krenn zusammengespannt und wollten wissen, was da herauskommt. Zu meiner Überraschung hat er sich als besonders lustiger und netter Mensch herausgestellt. Er hat nichts Verklemmtes gehabt. Wir haben ein bisschen getrunken und gescherzt. Es war eine überraschend angenehme Begegnung.

Was halten Sie vom alten und neuen niederösterreichischen "Landesvater" Erwin Pröll?
Ich hab ihn berufsbedingt persönlich kennengelernt. Ich halte ihn nicht für bigott, sondern für einen liberal denkenden Mann. Er ist keiner dieser typischen ÖVP-Politiker, die ich in meiner Jugend gekannt habe. Bei uns im Wirtshaus hat die örtliche ÖVP ja oft ihre Treffen abgehalten. Das waren grantige, gehässige, bösartige Ungustl, absolute Spießer, die mich schlecht behandelt haben, nur weil ich damals längere Haare gehabt habe. Mein Ressentiment gegen die ÖVP stammt aus diesen Tagen. Jetzt muss ich Ihnen etwas beichten, seien Sie mein Beichtvater: Erwin Pröll ist mir persönlich sympathisch. Ich halte ihn für einen guten Menschen. Ich glaube ja, mich bei Menschen ganz gut auszukennen. Ich bin ein großer Menschenbeobachter und hab auch ihn immer wieder geprüft. Vielleicht führt er ja ein Doppelleben, aber ich glaube es nicht. Ich vertraue ihm voll und ganz.

Freuen Sie sich als Zeichner auf die vielen neuen Gesichter, die die vielen Neuwahlen heuer bringen könnten?
Die sind leider alle so fad, zu gebügelt, zu geschniegelt, zu durchschnittlich. Je schiacher, je widerlicher, je unsympathischer die Neuen sind, desto lieber sind sie mir. Die mag ich. Denn die geben zeichnerisch was her. Die können gar nicht schiach genug sein. Ein Monster wäre mir das Liebste. Das wäre mein Kandidat.

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

INFO: Manfred Deix: "Der heilige Deix", Ecowin Verlag, 80 S., 14,95 Euro)
www.ecowin.at

(APA/red) Erstellt am 22.03.2013, 18:00

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