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KURIER

Letztes Update am 11.09.2012, 16:07

Künstlerische Umwege in Ungarn. Die Ausstellung "Die Acht" im Bank Austria Kunstforum zeigt Ungarns Annäherung an die moderne Malerei.

Dezső Czigány, Stillleben, um 1910, Gyula Kemény
Dezső Czigány, Stillleben, um 1910. - Foto: Kunstforum

„Ein perfektes Gegenprogramm zum Klimt-Jahr“ nennt  Kuratorin Evelyn Benesch ihre neue Ausstellung. Fürwahr: Wo allerorts der Aufbruch in die Moderne im „Wien um 1900“ gefeiert wird, liegt ein Blick  nach Budapest  zur selben Zeit nahe.


Einen Klimt, Schiele oder Kokoschka sucht man dort allerdings vergebens – statt dessen stößt man auf die Künstlergruppe „Die Acht“ („A Nyolcak“), die 1911 erstmals  ausstellte  und sich wenig  später wieder zerstritt.

Der Versuch, aus der kurzen Schaffensperiode einen „Highway in die Moderne“  zu konstruieren, wie  es der Untertitel der  Schau im Bank Austria Kunstforum tut, ist allerdings zum Scheitern verurteilt. 

Nebenpfade

Róbert Berény<br />
Frau mit Glas, 1906<br />
Sammlung Tamás Kieselbach, Budapest
Róbert Berény, Frau mit Glas, 1906. - Foto: Kunstforum/© VBK, Wien, 2012

Die Ausstellung führt vielmehr auf einen jener unzähligen Nebenpfade, die den geistig-künstlerischen Aufbruch im frühen 20. Jahrhundert begleiteten. Bis zu  einer Ausstellung in der ungarischen Kulturhauptstadt Pécs 2010/’11 blieb der Pfad kaum beachtet; dass sich  das Szépművészeti Múzeum Budapest als Initiator der Wiener Schau nun anschickt, ihn zum „Highway“ auszubauen, sagt mehr über aktuelle ungarische Kulturpolitik als über die tatsächlichen Wege der Moderne aus.


Paris-Budapest Die Bilder der „Acht“, die sich schon vor ihrer namensgebenden Gruppenausstellung  lose zusammenfanden, sind   fast durchwegs beflissene  und  mitunter kuriose Variationen jener Kunststile, die im Paris  des frühen 20. Jahrhunderts Furore machten. Róbert Berény etwa näherte sich  in seinen Frauenakten und Landschaftsidyllen um 1907/’08  massiv an Henri Matisse und die Gruppe der Fauves an; die Figuren von Badenden, die sein Kollege Ödön Márffy um 1909 auf Leinwand bannte, buchstabieren  ebenso das Vokabular von Paul Cézanne nach wie die  Stillleben von Lajos Tihanyi oder Desző Orban, denen in der Wiener Schau ein ganzer Raum gewidmet ist.

Auch dem Kubismus huldigten die „Acht“  mehr oder weniger gekonnt: Eine   „Komposition  mit männlicher und weiblicher Figur“, die Tihanyi 1911 schuf, ist nur  als  verhunzte  Paraphrase auf Picassos „Demoiselles“   zu lesen. Im Spätwerk kehrten einige der „Acht“ zu konservativen Formen zurück; die Bilder der anderen verschwimmen buchstäblich in stilistischer Ratlosigkeit. Um  rückwirkend in der Kunstgeschichte verankert zu werden, ist die Malerei einfach nicht gut genug.

(kurier) Erstellt am 11.09.2012, 13:36

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