Zur mobilen Ansicht wechseln »
KURIER
Unternehmer Heinz J. Angerlehner trug in über 30 Jahren rund 1500 Kunstwerke zusammen. Nun will er sie öffentlich präsentieren.
Unternehmer Heinz J. Angerlehner trug in über 30 Jahren rund 1500 Kunstwerke zusammen. Nun will er sie öffentlich präsentieren. - Foto: Matthias Witzany

Letztes Update am 26.01.2013, 18:13

Eine Montagehalle für die Kunst. Zu Besuch bei dem Sammler Heinz J. Angerlehner, der sich nahe Wels ein Kunstmuseum baut.

Nein, es ist keine typische Kulturtourismusgegend hier: eine schmale Bundesstraße, ein Gasthaus, ein Zaun, dahinter eine Fabrikhalle mit einem blauweißen Verwaltungsgebäude.

Lange residierte hier, in Thalheim bei Wels, die Firma „FMT“ von Heinz J. Angerlehner. Ab September wird in der ehemaligen Montagehalle für schwere Industriegeräte Kunst einziehen: „Ich bin mit Herzen Oberösterreicher, ich habe mein Geld hier verdient, und ich möchte etwas zurückgeben“, sagt der Unternehmer.


Ein „Wohlfühlmuseum“ solle es werden, erklärt Angerlehner, der mit seiner Kunstsammlung auch Bayern, Salzburger und Sommerurlauber aus dem nahen Salzkammergut in seine Heimatstadt locken will. Rund 1500 Werke hat er für wechselnde Ausstellungen zur Wahl.

Kein Prunkbau

Museum Angerlehner, Thalheim bei Wels…
Modellansicht eines Ausstellungssaals: In die hohe Industriehalle wurden niedrigere Räume eingebaut - Foto: Museum Angerlehner
Wels muss deswegen nicht Bilbao werden: Statt aufwendiger Spektakel-Architektur wollte Angerlehner bei der Ausschreibung seines Museumsbaus den Industrie-Charakter des Baus erhalten wissen. Just gewann das lokale Büro Wolf Architektur den Bewerb: Seit Mai 2012 wird die Halle außen schwarz vertäfelt, im Innenraum gelangt man in ein eingezogenes Zwischengeschoß mit zwei niedrigeren Ausstellungsräumen. Ansonsten bleibt die enorme Halle – mitsamt dem Blick auf alte Montagekräne – im Wesentlichen erhalten.

„Wir sind nicht abgehoben“, sagt Angerlehner, der sowohl beim Bau als auch beim Kunstkauf weiß, was er will – und dabei durchaus aufs Geld schaut. Über seine Bestände spricht der Sammler bis zur Eröffnung (geplanter Termin: 19. 9. 2013) nicht gern, auf seinem Smartphone zeigt er aber dann doch einige Trophäen aus jüngerer Zeit: Geometrisches von Marc Adrian, Abstraktes von Hans Staudacher, dazu ein fünf Meter breites Gemälde von Markus Prachensky, das er „extra für das Museum“ erstanden hat. Die Kosten des Baus beziffert Angerlehner mit „einigen Millionen“, ohne Details zu nennen. Denn: Der Neid.

Angerlehner kann leidenschaftlich über die Missgunst anderer Leute klagen. Im Herbst etwa bedrohten Politiker und Aktivisten mit Kritik an einem geplanten Steg das Projekt: Ohne diese Brücke, die das Museum mit dem Welser Messegelände am anderen Ufer der Traun verbindet, wäre die Erreichbarkeit des Museums massiv erschwert gewesen.

Mittlerweile wird auch der Steg gebaut. Es ist der einzige öffentlich finanzierte Teil des Komplexes. Dass irgendwann auch der Museumsbetrieb subventioniert werden muss, schließt Angerlehner nicht aus („so größenwahnsinnig bin ich nicht“). Doch vorerst will er privat wirtschaften und durch Vermietungen und Veranstaltungen Geld einspielen. An Entschlossenheit mangelt es ihm dabei jedenfalls nicht.


Mäzenatentum

Der internationale Trend zum eigenen Museum

Dass Sammler die Präsentation ihrer Kunstschätze selbst in die Hand nehmen, ist nicht ganz neu – dennoch ist im deutschsprachigen Raum erst in den letzten 20 Jahren ein signifikantes Wachstum privater Kunsthäuser zu beobachten.

In Österreich war das 1999 eröffnete Essl Museum in Klosterneuburg das erste Museum, das eine private Kunstsammlung in einem privat finanzierten Bau zeigte. Vor Kurzem wurde dort die Organisationsform der Sammlung in eine „gemeinnützige Privatstiftung“ umgewandelt (www.essl.museum).

Der Sammler Rudolf Leopold hatte seine Sammlung schon 1994 in eine Stiftung eingebracht und wurde dafür vom Bund abgegolten. Das (mit Steuergeld erbaute) Leopold Museum eröffnete 2001 (www.leopoldmuseum.org).

2002 gründete Francesca Habsburg ihre in Wien ansässige Stiftung „TBA 21“, die sich allerdings weniger als „Museum“ denn als Produktionsbüro für Kunstprojekte versteht; derzeit betreibt sie einen Schauraum im Wiener Augarten (www.tba21.org).

2008 eröffnete der Unternehmer Herbert Liaunig in Neuhaus/Suha, Kärnten, sein Museum. Die Sammlung umfasst zeitgenössische Kunst und Goldobjekte aus Afrika (www.museumliaunig.at).

Das Museum Angerlehner ist der jüngste Zuwachs auf dem Sektor in Österreich (www.museum-angerlehner.at). Als Beraterin des Museumsgründers fungiert die Kulturmanagerin Gerda Ridler, die jüngst auch ihre Dissertation zu Privatmuseen, ihren unterschiedlichen Organisationsformen und ihren langfristigen Perspektiven veröffentlichte (Gerda Ridler: Privat gesammelt – öffentlich präsentiert. Über den Erfolg eines neuen musealen Trends bei Kunstsammlungen. Transcript Verlag, 39,80 €).

(kurier) Erstellt am 27.01.2013, 07:13


Diskussion

Kommentare aktualisieren
Bitte Javascript aktivieren!