Kranker "Rigoletto" musste aufgeben

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Foto: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn Nach 31 Jahren gibt es an der Wiener Staatsoper wieder einen neuen „Rigoletto“: Die Inszenierung stammt von Pierre Audi<span> </span>

Bei der Premiere der Verdi-Oper an der Wiener Staatsoper gab es im zweiten Akt großes Chaos.

Die mit Spannung erwartete Premiere von Giuseppe Verdis "Rigoletto" an der Wiener Staatsoper wurde am Samstag vom vorzeitigen Abgang von Simon Keenlyside überschattet – und man musste mit dem Sänger der Titelpartie großes Mitleid haben. Und schüttelte über manches nur den Kopf.

FOTOPROBE: "RIGOLETTO" Foto: WIENER STAATSOPER/MICHAEL PÖHN Simon Keenlyside als Rigoletto Schon im ersten Akt konnte man hören, dass Keenlysides Stimme angeschlagen war. Er hatte wegen einer Erkrankung schon die Hauptprobe und die Generalprobe nicht gesungen. Nach dem sogenannten "Cortigiani", bei dem er von Dirigent Myung-Whun Chung am Pult des Staatsopernorchesters lautstärkenmäßig enorm gequält wurde, ging er während des Duetts mit seiner Tochter Gilda von der Bühne ab, die Besucher waren ratlos, wie das weitergehen könnte.

Der Südkoreaner dirigierte aber einfach weiter, statt abzuklopfen, ließ Gilda alleine singen, bewegte selbst die Lippen und zwang dadurch den kranken Keenlyside, sich noch mehrfach auf die Bühne zurück zu quälen. Man musste einem großen Künstler dabei zuhören, wie er einfach nicht mehr konnte. Ein Buh gegen ihn war skandalös.

Rätselraten vor drittem Akt

Der Vorhang fiel, man rätselte, was denn nun passieren würde. Vor dem dritten Akt trat Opernchef Dominique Meyer vor den Vorhang und kündigte an, dass Ensemblemitglied Paolo Rumetz die Vorstellung zu Ende singen werde.

Wenn man von diesen Vorfällen absieht, war eine belanglose Inszenierung zu sehen und ein uninspirierendes, grobes Dirigat von Chung zu hören. Piotr Beczala sang gut und mit schöner Höhe den Herzog – auch wenn das nicht seine beste Partie ist. Erin Morley ist eine Gilda mit klaren Spitzentönen und nicht sonderlich großem Sopran, Ryan Speedo Green ein nicht allzu bedrohlicher Sparafucile.

Verdis „Rigoletto“, wie ihn Regisseur Pierre Audi sieht: Marcus Pelz, Piotr Beczala, Simon Keenlyside (v. li. oben) und das Volk. Der erste Akt spielt zunächst im Palast des Herzogs von Mantua. Die Titelfigur ist Rigoletto, der bucklige Hofnarr des Herzogs von Mantua. Auf dem Fest seines Herrn verspottet er die Mitglieder der feinen Gesellschaft.
Bild: Simon Keenlyside als Rigoletto Der leichtlebige Herzog von Mantua (Piotr Beczala) wird auf seinem Fest durch den Grafen von Monterone verflucht, weil er dessen Tochter entehrt habe. Der Fluch trifft auch den spottenden Rigoletto.

  Szenenwechsel: Wir befinden uns nun bei Rigoletto zu Hause. Während Rigoletto durch den Fluch sehr verunsichert ist, fasst der Herzog neue Pläne. Er verkleidet sich und sucht Gilda (Erin Morley) auf, die er begehrt. Als der Herzog erkennt, dass Gilda die Tochter Rigolettos ist, beschließt er sie entführen zu lassen.
Bild: Piotr Beczala als Herzog von Mantua und Elena Maximova als Maddalena Rigoletto wird von den Höflingen düpiert. Sein Versuch, die Tochter zu Hause von Gefahr fernzuhalten, ist gescheitert. Sie wird entführt.
Bild: Simon Keenlyside als Rigoletto Er trifft Gilda im Palast an und muss erkennen, dass sie nicht nur vom Herzog entehrt wurde, sondern sich auch noch in diesen verliebt hat. Rigoletto schwört dem Herzog Rache und heuert den Mörder Sparafucile (Ryan Speedo Green) an. Dieser soll den Herzog ermorden und ihm den Leichnam in einem Sack übergeben. Bei Sparafuciles Weinschenke außerhalb der Stadt kommt es zum tragischen Finale. Rigoletto zeigt Sparafucile, wie der verkleidete Herzog (berühmte Arie: "La donna è mobile") dessen Schwester Maddalena umgarnt. Der Mörder nimmt daraufhin den Auftrag an.
Bild: Piotr Beczala als Herzog von Mantua und Elena Maximova als Maddalena Was dann geschieht, gehört zum Traurigsten, was in der Opernliteratur zu finden ist. Maddalena fleht ihren Bruder Sparafucile an, den Herzog zu verschonen. Dieser entschließt sich dazu, die nächstbeste Person, welche die Schenke betritt zu ermorden und Rigoletto in einem Sack zu präsentieren.
Bild: Erin Morley als Gilda Gilda, von ihrem Vater Rigoletto als Mann verkleidet, hat einen Teil des Gesprächs belauscht. Aus Liebe zum Herzog will sie sich opfern und betritt die Schenke, worauf sie von Sparafucile während des Höhepunkts eines Gewitters erstochen wird. Um Mitternacht erscheint Rigoletto, um den Sack mit dem Leichnam in Empfang zu nehmen. Er glaubt schon, seine Rache sei geglückt, als er aus der Ferne die Stimme des Herzogs hört. Rigoletto öffnet den Leichensack und erkennt seine sterbende Tochter, die noch mit einer großen Arie Abschied nimmt. Der Fluch hat sich nicht am Herzog erfüllt, sondern an ihm. "Rigoletto" wurde 1851 in Venedig uraufgeführt und basiert auf dem Drama „Le roi s’amuse“ von Victor Hugo. Das Libretto stammt von Francesco Maria Piave, der ursprüngliche geplante  Titel „La  maledizione“ („Der Fluch“) musste aufgrund  der Zensur  geändert werden.
(kurier) Erstellt am
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