Kleine Kunstwerke für die Füße

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Foto: Sol Alonso/Foto: David Collart Dass Besen sich auch an Füßen gut machen<br />
können, beweist die Belgierin  Sol Alonso mit ihren „Brooms“ <span> </span>

Das Kunst Haus Wien ist noch bis 5. 10. schuhvernarrt.

Es gibt wohl kaum einen Tick, den man sich lieber unterstellen lässt, als einen Schuhtick. Carrie Bradshaw, die Titelheldin aus "Sex and the City", litt ebenso ungeniert daran, wie der einstige Pop-Darling Mariah Carey, die laut eigenen Angaben in ihren besten Zeiten gar 10.000 Exemplare besaß.

In Sachen Extravaganz können sich aber selbst Stars wie Lady Gaga derzeit im Kunst Haus Wien so manches abschauen. Pumps mit Haifisch-Zähnen und Froschschenkeln, mörderische Plateausohlen aus Elefantendung, Riemchensandalen aus Knoblauchzehen oder Holland-Clogs in Busenform sind nur eine kleine Auswahl an verrückten Kreationen, die dort noch bis 5. Oktober zu sehen sind.

Dass Schuhe nicht nur ein beiläufiges Modeaccessoire sein müssen, sondern unter den Händen von Stararchitekten wie etwa Zaha Hadid oder Rem Koolhaas gar zu einer anspruchsvollen Kleinskulptur werden können, zeigt die Ausstellung "SHOEting Stars" ebenso wie die Experimentierfreudigkeit von Designern und Künstlern mit neuen Techniken und Materialien.

Schuhe aus dem 3D-Drucker, die sich skelettartig um den Fuß schmiegen, stehen hier neben Exemplaren aus Papier, Beton, Silberbesteck, Holz, Besen, Zucker oder Porzellan (siehe Fotostrecke). Ergänzt wird die Schau durch den Kosmos der Fußbekleidung mit dazu passenden Fotos und Videos aus den letzten Jahrzehnten.

 "SHOEting Stars" im Kunst Haus Wien

Aus alten Schuhen schuf Kaarina Kaikkonen filigrane Insekten -  "The Queen of the Night", Finnland 2005–2013 Thomas van Schaik: Ein romantisch geblümter Pumps aus Porzellansplittern  Auch wenn der Stiletto des Briten INSA noch so edel aussieht, dasPlateau ist aus Elefantenmist  - "Anything goes when it comes to (s)hoes …, Großbritannien 2010 Kobi Levi, "Shark", Israel 2012 Julius Welby, "The Suicide Shoes",
Großbritannien 2005 Carolin Holzhuber, "Conjoined Illusion A",
Österreich 2013 Schuhe aus dem 3D-Drucker, die sich skelettartig um den Fuß schmiegen Sol Alonso, "Brooms", Belgien 2012 Irene Andessner, "39 1/2 < 27°", Schokoschuh, Österreich 1993 Bodenschrubben im Vorbeigehen - Design: Fantich & Young Zaha Hadid, Rem D. Koolhaas/United Nude, "NOVA Shoe", Niederlande 2013 Ivo Hofsté, "Mo with High Heel",
Niederlande 2009 Die Tragbarkeit mancher Modelle erschließt sich nicht immer auf den ersten Blick. "SHOEting Stars. Der Schuh in Kunst und Design", bis 5. 10. im Kunst Haus Wien, täglich von 10 bis 19 Uhr
www.kunsthauswien.com 
 

Auf hohen Haken

Ganz nach dem Motto "Wer schön sein will, muss leiden" setzen sich auch viele Arbeiten kritisch mit dem Thema High Heels auseinander. Sind sie nun ein Statussymbol für die selbstbewusste Frau oder doch eher eine Fußfessel, um dem männlichen Geschlecht zu gefallen? Die Österreicherin Ona. B. hat beispielsweise eine raumgreifende Installation mit Stöckelschuhen und Krücken geschaffen, die durchaus auch den Topos Vergänglichkeit miteinbezieht. Der Stöckelschuh evoziert hier Schönheit, Jugend und Erotik, die Krücke symbolisiert hingegen die Last des Alters und der Gebrechlichkeit.

Die finnische Künstlerin Kaarina Kaikkonen hat wiederum die alten Ballschuhe ihrer verstorbenen Mutter zerschnitten, die Sohlen aufgefächert und daraus filigrane Insekten und Blumen geschaffen, um so ihre Trauer besser verarbeiten zu können.

Noch bevor man in die Ausstellung geht, kann man übrigens im Foyer des Kunst Hauses seine Geschicklichkeit bei einem High Heels-Parcour testen. Selbst Männer bis Schuhgröße 46 werden hier fündig. Bei dem für Hundertwasser typisch unebenen Boden ist das selbst für Erprobte eine echte Herausforderung.

Die Ausstellung

Stars auf Sohlen

Die etwa 220 experimentellen Schuhkreationen von Designern, Künstlern und Architekten aus 27 verschiedenen Ländern wurden meist als Unikate oder Kleinserien hergestellt. Sie zeichnen sich durch außergewöhnliche Formgebung und Materialien aus – oft zu Lasten der Tragfähigkeit.

Entwürfe aus Österreich

Neben Irene Andessners essbaren Schokoladen-Pumps sind in der Schau u.a. auch Entwürfe von Birgit Jürgenssen und Rosa Mosa zu sehen. Die Künstlerin Ona. B. hat eine raumgreifende Installation beigetragen und von Deborah Sengl ist ein Art Stiefel aus Hirschleder ausgestellt.

INFO: "SHOEting Stars. Der Schuh in Kunst und Design", bis 5. 10. im Kunst Haus Wien, täglich von 10 bis 19 Uhr
www.kunsthauswien.com 

(kurier) Erstellt am
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