Gregor Bloéb: "An die Schmerzgrenze gehen"

Jägerstätter…
Foto: Moritz Schell In der Josefstadt und in Haag nähert sich Gregor Bloéb dem historischen Franz Jägerstätter: Premiere ist am 20. Juni, danach übersiedelt die Produktion nach Haag.

Gregor Bloéb spielt Felix Mitterers „Jägerstätter“ an der Josefstadt und in Haag.

Vieles war er: Bauer, Bergarbeiter, Ehemann, Vater einer unehelichen Tochter, ein gläubiger Mensch – und Wehrdienstverweigerer. Am 9. August 1943 wurde der in St. Radegund in Oberösterreich geborene Franz Jägerstätter in Berlin von den Nazis ermordet. Tod durch das Fallbeil. Nach heftigen Diskussionen sprach ihn die Kirche 2007 selig.

Im neuen Stück „Jägerstätter“ begibt sich der österreichische Autor Felix Mitterer auf eine Jägerstätter-Spurensuche. Stephanie Mohr inszeniert das Drama; Gregor Bloéb verkörpert den Jägerstätter. Uraufführung ist kommenden Donnerstag (20. Juni) im Theater in der Josefstadt. Ab 3. Juli übersiedelt die Produktion zum Theatersommer Haag, ehe sie im Herbst wieder nach Wien zurückkehren wird.

Sturer Hund

„Ich wollte zum Abschluss meiner fünfjährigen Intendanz in Haag ein Stück von Relevanz. Eines, das unter die Haut geht und mehr Fragen stellt, als sie zu beantworten“, sagt Gregor Bloéb. Dass die Josefstadt mit dabei ist, freut Bloéb. Warum aber gerade Jägerstätter? „Der hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Ich habe vor vielen Jahren den Film von Axel Corti gesehen, und irgendwie hat mich dieser Mensch interessiert. Vielleicht auch, weil er so ein sturer Hund war.“

Mit „sturer Hund“ spricht der Schauspieler auch die Gründe für die Kontroversen rund um die Seligsprechung Jägerstätters an. Denn dieser wurde auch von Teilen der katholischen Kirche nicht als „aktiver Widerstandskämpfer“ klassifiziert. Auch dass Jägerstätter mit seiner konsequenten Haltung zum Thema „Wehrdienstverweigerung“ seine Familie, also Gattin Franziska und seine Kinder, „quasi im Stich“ ließ, war Grund für heftige Kritik.

Szenenfotos des Stückes

Gregor Bloéb (Franz Jägerstätter), Peter Scholz (Bischof von Linz) Gregor Bloéb (l.) als "Franz Jägerstätter" und Peter Scholz als "Bischof von Linz" Gregor Bloéb (l.) als "Franz Jägerstätter" und Peter Scholz als "Bischof von Linz" Gregor Bloéb als "Franz Jägerstätter", Dominic Oley als "Unteroffizier" und Peter Drassl als "Offizier" (v.l.n.r.) Peter Drassl, Gregor Bloéb (Franz Jägerstätter), Michael Schönborn (Oberlehrer, Ortsgruppenleiter), Gerti Drassl (Franziska Jägerstätter), Christian Dolezal, Peter Scholz, Elfriede Schüsseleder Gregor Bloéb (Franz Jägerstätter) Elfriede Schüsseleder als "Rosalia Jägerstätter", Gerti Drassl als "Franziska Jägerstätter", Gregor Bloéb als "Franz Jägerstätter" und Matthias Franz Stein als "Pfarrer Fürthauer" (v.l.n.r.) Gerti Drassl (Franziska Jägerstätter) Gregor Bloéb (Franz Jägerstätter), Gerti Drassl (Franziska, seine Frau) Gerti Drassl als "Franziska Jägerstätter", Gregor Bloéb Gerti Drassl (Franziska Jägerstätter), Matthias Franz Stein (Pfarrer Fürthauer), Gregor Bloéb (Franz Jägerstätter) Matthias Franz Stein (Pfarrer Fürthauer), Gerti Drassl (Franziska Jägerstätter), Gregor Bloéb (Franz Jägerstätter), Stefan Lasko Gerti Drassl als "Franziska Jägerstätter" und Gregor Bloéb als "Franz Jägerstätter" Gerti Drassl als "Franziska Jägerstätter", Gregor Bloéb als "Franz Jägerstätter" und Stefan Lasko als "Bürgermeister" (v.l.n.r.) Gerti Drassl; Dominic Oley, Stefan Lasko, Gregor Bloéb, Peter Drassl, Christian Dolezal, Michael Schönborn, Peter Scholz, Matthias Franz Stein Gerti Drassl als "Franziska Jägerstätter", Gregor Bloéb als "Franz Jägerstätter" Gregor Bloéb als "Franz Jägerstätter" und Ensemble des Theaters in der Josefstadt Gregor Bloéb als "Franz Jägerstätter" Gregor Bloéb als "Franz Jägerstätter" Gregor Bloéb als "Franz Jägerstätter" Gregor Bloéb als "Franz Jägerstätter"

Viele Widersprüche

Bloéb: „Auch darum geht es in dem Stück. Um die Widersprüche. Man darf nicht vergessen. Der junge Jägerstätter war alles andere als lammfromm. Der hatte das erste Motorrad im Ort, war in Wirtshausschlägereien verwickelt, hat getrunken, war Vater einer unehelichen Tochter – Heilige und Selige sehen anders aus. Aber dann hat er die Bibel gelesen, immer und immer wieder, bis zur letzten, letalen Konsequenz. Das ist schon imponierend. Natürlich, er hätte sich vielleicht retten können. Immerhin hat man ihm einen Sanitätsdienst angeboten. Aber wir werten nicht. Wir versuchen, uns diesem Mann behutsam mit den Mitteln des Theaters anzunähern.“

ARCHIVBILD: FRANZ JAEGERSTAETTER Foto: APA/Repro/Rubra Jägerstätter (1907–1943) wurde von den Nazis ermordet Hilfreich war dabei, dass Autor Mitterer und Bloéb noch die Gelegenheit hatten, mit Jägerstätters Witwe Franziska zu sprechen. „Das war knapp vor ihrem 100. Geburtstag. Sie war schon bettlägrig und sie ist ja heuer im März wenige Tage nach ihrem Hunderter gestorben. Aber sie hat gut auf das Projekt reagiert und mir dabei sogar ein großes Kompliment gemacht. Sie hat gesagt: ‚Sie spielen also den Franz? Na das geht sich aus. Denn Sie sind ja so fesch. Und fesch war der Franz in Wirklichkeit auch.‘ Das hat mich total gefreut“, so Bloéb lachend. Die Franziska wird übrigens von Gerti Drassl dargestellt.

Heftiges Geschenk

Felix Mitterer Foto: KURIER/Jeff Mangione Felix Mitterer hat Jägerstätter in seinem neuen Stück verewigt Doch zurück zum Stück. „Als mir Felix das Ganze zum ersten Mal gegeben hat, war ich fassungslos, weil er einen Chor eingeführt hat. Und Chöre am Theater – damit kann man mich eigentlich jagen. Inzwischen weiß ich, wie wichtig dieser die Geschehnisse kommentierende Faktor ist. Es ist ein ganz tolles Stück herausgekommen, bei dem man als Schauspieler immer wieder an seine persönliche Schmerzgrenzen gehen muss. So eine Rolle findet man einmal im Leben. Das ist ein heftiges Geschenk.“

Und welche Rollen will Bloéb nach dem „Jägerstätter“ finden? „Ein paar Drehbücher liegen auf meinem Schreibtisch. Was ich aber auf jeden Fall machen werde: Ich habe seit der ,Africa Race‘, die auf Servus TV zu sehen war, Blut geleckt. Nach Haag geht es mit meinen Brüdern nach Marokko zum Rallye-Fahren. Ohne Fernsehen, nicht auf Stress. Nur die Wüste und wir – das ist ein unfassbar gutes Gefühl.“

www.josefstadt.org   

www.theatersommer.at

(kurier) Erstellt am
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