Letztes Update am 21.09.2012, 14:27
Die feuchteste Galerie der Welt.
Für den Wiener Fotografen Andreas Franke ist ein versenktes US-Kriegsschiff gleichzeitig Kulisse und "Galerie" für seine Bilder. In vierzig Metern Tiefe zeigt er seine Kunst.
Die USS General Hoyt S. Vandenberg ist wohl die feuchteste Galerie der Welt. In einer Tiefe von 40 Meter liegt das alte Schlachtschiff vor der Küste Floridas und dient dem österreichischen Fotografen Andreas Franke gleichzeitig als Kulisse und Ausstellungsraum für seine Fotos.
Die zweite Leidenschaft von Franke ist das Tauchen. Diese führte ihn zu dem im Jahr 2009 versenkten stählernen Soldaten. Die Mystik des Schiffes ließ den Wiener nicht mehr los und inspirierte ihn zu besonderen Fotos.
Mittels Bildmontage von Unterwasseraufnahmen der versunkenen Vandenberg und im Studio inszenierten Alltagsszenerien inszenierte Andreas Franke eine in sich versunkene vergessene Welt.
Eine Welt, die still im Niemandsland zwischen Vergangenheit und Gegenwart existiert. Eine Welt, deren Leben hinter dem diffusen, grünlichen Schleier der Unterwasserfotos stattfindet.
Die trübe Optik wirkt gleichermaßen irritierend wie faszinierend.
Es entstanden surreale Bilder. Alltagsszenen in einer fast schon absurden, einzigartigen Welt.
Damit das Meer die ausgestellten Fotos nicht zerstört, wurden sie in einem Stahlrahmen, hinter Plexiglas versiegelt.
Mit Magneten versehen, wurden sie an den Wänden der "Galerie" befestigt, so ging man sicher, dass das okölogische Gleichgewicht des künstlichen Riffes auch nach der Ausstellung nicht zerstört wird.
Nicht nur Taucher wurden von der besonderen Fotopräsentation angezogen, auch Mikroorganismen und Algen.
Diese hinterließen auf jedem einzelnen Bild bzw. dessen Rahmen eine spezielle, einzigartige Patina.
Der Ozean selbst hinterließ quasi seine Handschrift.
Der Wiener Andreas Franke arbeitet seit über zwanzig Jahren als Werbefotograf.
Das Fachmagazin Lürzer`s Archiv wählte ihn schon einige Male unter die 200 besten Werbefotografen der Welt.
Ebenfalls wurde er schon mit den wichtigsten Preise der Werbebranche belohnt und arbeitete schon für namhafte Marken wie Coca-Cola, Heineken oder Nike.
Franke ist bekannt dafür, seine fotografischen Inszenierungen bis ins kleinste Detail zu planen und zu konstruieren.
Er selbst sagt über das Projekt: "In meiner Fotografie versuche ich illusionistische Welten zu konstruieren. Ich betrachte Dinge gern aus einem anderen Winkel und versuche selbst einen neuen Blick darauf zu entwickeln.
Ich finde es äußerst interessant, auf das Schiff wieder leben zu bringen, indem ich die Unterwasseraufnahmen mit Geschichten fülle.
Als ich zum ersten Mal die Vandenberg tauchend erkundet habe, fand ich damit die perfekte Bühne für mein Projekt.
Ich arbeite immer nach einem strengen Konzept, so auch bei der Vandenberg. Jedes kleinste Detail ist geplant. Ich überlasse nichts dem Zufall."
Wer die Ausstellung selbst ertauchen will, hat noch bis etwa Mitte September Zeit dafür.
Aber auch für die Nicht-Taucher unter den Kunstinteressierten gibt es die Möglichkeit, die Bilder zu sehen. Ab Jänner in den Key West Studios in Florida.
"The Vandenberg Project"Andreas Frank24.27° Nord / 81.44° West; vor der Küste Floridas
Das Logo für das Projekt von Andreas Franke ist ebenfalls Made in Austria und wurde von der Wiener Agentur Gabler Jurasch kreiert.
(kurier)
Erstellt am 21.08.2012, 15:00