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Tom Hanks und Halle Berry spielen in dem Welten-Spektakel „Cloud Atlas“ (ab Donnerstag im Kino) in vielen verschiedenen Masken.
Tom Hanks und Halle Berry spielen in dem Welten-Spektakel „Cloud Atlas“ (ab Donnerstag im Kino) in vielen verschiedenen Masken. - Foto: Verleih

Letztes Update am 13.11.2012, 15:47

„Toll, aber ich versteh’s nicht“. Tom Hanks und Halle Berry über das Vergangenheits- und Zukunftspektakel „Cloud Atlas“.

Tom Hanks sieht derzeit aus wie Walt Disney. Das macht der zarte Schnurrbart, den er gerade auf der Oberlippe trägt. Für seine Rolle als Walt Disney.
Halle Berry sieht einfach nur toll aus. Zeitlos jugendlich, schön und wie aus dem Ei gepellt. Mit Hanks rührt Berry gerade die Werbetrommel für „Cloud Atlas“ (Kinostart: 15. November), dem gigantischen Filmprojekt der „Matrix“-Geschwister Lana und Andy Wachowski und Tom Tykwer, in dem sie und Tom Hanks die Hauptrolle spielen. Oder eigentlich sechs Hauptrollen, in sechs historischen Epochen.

Dabei reden wir nicht nur von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sondern von näherer und fernerer Vergangenheit, von näherer und fernerer Zukunft.
Man sieht schon: „Cloud Atlas“, ein gigantisches Mega-Spektakel, das im Kern aber relativ konventionelle Helden-Geschichten erzählt, bedarf einiger Erklärung. „Als ich das erste Mal das Drehbuch las, dachte ich, ,Toll, aber ich versteh’s nicht’“, bekennt Halle Berry im KURIER-Interview: „Man gab mir dann eine Drehbuchfassung, in dem Personen und Szenen erklärt wurden.“

Auch Tom Hanks musste, bei aller Begeisterung („Ich war sofort Feuer und Flamme“) immer wieder Lesepausen einlegen. Um sich durch den Dschungel an Geschichten zu schlagen, die sich immer wieder miteinander verzahnen und in denen immer wieder dieselben Leute auftreten, blätterte er mehr als einmal zurück: „Dieses Drehbuch war ein echtes Rätsel und ein profundes Stück Literatur“, dröhnt Hanks, der sich im Interview als leutseliger Entertainer entpuppt: „Ich hatte gleich das Gefühl, dass die Regisseure auf etwas sehr Originelles hinaus wollten. Und nachdem es ihnen in ihrem Drehbuch gelungen war, hatte ich auch keinen Zweifel, dass sie es auch in ihrem Film schaffen würden.“

Masken

Hanks selbst tritt in seinen sechs verschiedenen Rollen sehr unterschiedlich in Erscheinung: etwa als verbrecherischer Seebär im Jahr 1849; als tätowierter Bestseller-Autor, der im Jahr 2012 einen Kritiker über den Balkon wirft. Oder als Ziegenhirte Zachary, der in einer post-apokalyptischen Welt gemeinsam mit Halle Bery übernatürliche Kräfte bekämpft.

„Allein die Masken waren ein unglaublicher Aufwand“, stöhnt Hanks: „Die Makeup-Probe dauert normalerweise zwei Stunden. Hier haben sie über zwei Wochen daran gearbeitet. Und dann kam noch Tom Tykwer daher, sah meine Ohren an und meinte ( Tykwers deutschen Akzent nachahmend ): ,Kann man irgendetwas mit diesen Ohren machen? Diese Ohren schauen immer gleich aus.’“

In jedem Fall gelangen die Masken so perfekt, dass sich sogar die Schauspieler untereinander nicht mehr wieder erkannten. „Einmal dachte ich, da sei ein neues Mädchen am Set. Dabei war es Halle Berry“, kichert Hanks: „Ich konnte es kaum glauben. Und selbst als ich wusste, dass sie es ist, konnte ich sie in einfach nicht erkennen.“

„Ich hätte mir auch nie träumen lassen, dass ich jemals eine weiße deutsche Jüdin spielen würde“, pflichtet ihm Berry bei: „Und es war leicht beunruhigend, mich selbst auf der Leinwand als alten, unsympathischen, asiatischen Mann wiederzusehen. Ich dachte, so eine Rolle spiele ich höchstens mal in ,Saturday Night Live‘ zum Spaß, aber niemals ernsthaft. Das war eine tolle Gelegenheit.“

Was aber haben nun alle Figuren, die in unterschiedlichen Formen durch die Geschichten geistern – manchmal als Bösewichter, manchmal als Helden – tatsächlich miteinander zu tun?


 

Reinkarnation

„Ich persönlich glaube an Reinkarnation“, sagt Halle Berry mit Seitenblick auf Hanks: „Ich glaube einfach nicht, dass wir, wenn wir sterben, zu Staub zerfallen. Unsere Seele reist und kommt immer wieder. Und ich finde, dass der Film diese Idee sehr schön erzählt.“

„Ich bezweifle das mit der Reinkarnation“, schnappt Hanks zurück, „da bleibe ich lieber in der Gegenwart. Für mich erzählt ,Cloud Atlas‘ von Verbindungen zwischen den Figuren. Er erklärt uns nicht mit dem Holzhammer, wo wir die finden – da hat auch das Publikum Arbeit zu tun. Aber er erzählt, dass Menschen Entscheidungen treffen, die für ganze Generationen Folgen haben. Wenn man das Reinkarnation nennen möchte – mir soll es mir recht sein.“

Das Wachowski-Tykwer-Dreh-Abenteuer war für Tom Hanks jedenfalls eine „lebensverändernde Erfahrung“: „Wir haben schon darüber geredet, wie langweilig uns in Zukunft alles vorkommen wird: Immer nur eine Rolle zu spielen, in der man nur eine Hose an hat. Wo bleibt da die Action?“


Bilder

Szenenfotos des Films


Regie-Trio

„Sind wie ein Ehepaar zu dritt“

Andy und Lana Wachowski und Tom Tykwer: „Cloud Atlas“.

„Wir haben eine echte Liebesbeziehung zu einander. Wir sind wie ein Ehepaar zu dritt, das sich harmonisch und wunderbar ergänzt.“ Der deutsche Regisseur Tom Tykwer („Lola rennt“, „Drei“) kann gar nicht aufhören, von seiner wunderbaren Zusammenarbeit mit den Geschwistern Lana und Andy Wachowski in Berlin Babelsberg, wo gemeinsam gedreht wurde, zu schwärmen. „Es ist wie ein Wunder, das uns zugestoßen ist“, ergänzt Lana Wachowski, vormals Larry, heute Transgender. Die Geschwister Wachowski wurden als „Matrix“-Regisseure global berühmt. „Cloud Atlas“ ist die Verfilmung des David-Mitchell-Romans, der über fünf Jahrhunderte umspannt. Es war Natalie Portman, die Lana Wachowski mit dem Buch bekannt machte und dafür begeisterte.

Weniger einfach war es, Produzenten zu überzeugen: „Wir haben vier Jahre an diesem Film gearbeitet“, erzählt Lana Wachowski, „Es war unglaublich schwierig. Es war mühsam, das Geld aufzutreiben. Das Drehen war eine Herausforderung. Das alles hätte nicht stattgefunden, wäre es nicht eine Arbeit der Liebe gewesen wäre.“

(KURIER) Erstellt am 13.11.2012, 15:47


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