Steven Spielberg: Das Liebkind Hollywoods

Steven Spielberg
Foto: AP/Matt Sayles Der erfolgreichste Regisseur Hollywoods: 14 seiner Filme spielten in den USA mehr als 100 Millionen Dollar ein (inflationsbereinigt sogar 18). Das ist einsamer Rekord.

Sein Name steht wie kein Zweiter für die Traumfabrik Hollywood: Ein neuer Bildband beleuchtet die außerordentliche Karriere des Filmemachers, dessen Historiendrama "Lincoln" am Donnerstag in den heimischen Kinos anläuft.

Von Branchenkollegen geschätzt, vom Publikum geliebt: Steven Spielberg ist einer der bekanntesten Regisseure Hollywoods - und gemessen am Einspielergebnis sogar der erfolgreichste. Wie kein zweiter verkörpert er das große Kino der Traumfabrik. Mit "Der Weiße Hai" und "Indiana Jones" schuf er moderne Klassiker und begeisterte ein Millionenpublikum – mit "Schindlers Liste" und "Die Farbe Lila" konnte er auch die Kritiker überzeugen. Seitdem ist der Blockbuster-Spezialist stets auch im Kreis der Oscar-Favoriten zu finden.

Oscar-Favorit

Aktuell zählt sein Historiendrama "Lincoln" über den zur Legende gewordenen amerikanischen Präsidenten mit 12 Oscar-Nominierungen zu den großen Favoriten für die Verleihung Ende Februar. Das epische Biopic mit Daniel Day Lewis startet am 24. Jänner in den heimischen Kinos.

Zeitgerecht erschien nun im Knesebeck-Verlag eine Biografie über den begnadeten Regisseur. Der mit über 400 Fotografien bebilderte Band des renommierten Filmkritikers Richard Schickel schildert Spielbergs Werdegang entlang seiner Filme:

Was er anfasst, wird zu Gold: 14 seiner insgesamt 28 Filme spielten mehr als 100 Millionen Dollar ein. Mit unglaublicher Produktivität und Konstanz über vier Dekaden hinweg wurde Steven Spielberg so zum erfolgreichsten Regisseur Hollywoods: Steven Allan Spielberg wurde am 18. Dezember 1946 als Kind jüdischer Eltern in Cincinnati, Ohio geboren. Sein Vater war Elektroingenieur, seine Mutter Konzertpianistin. Seine Vorfahren haben auch österreichische Wurzeln. Sie arbeiteten um 1835 für den Grafen von Spielberg - daher auch der Name. Heute trägt der Hauptplatz der steirischen Gemeinde Spielberg bei Knittelfeld den offiziellen Namen Steven-Spielberg-Platz. Schon früh entdeckte Spielberg seine Leidenschaft für den Film: Seinen ersten Kurzfilm drehte er im zarten Alter von dreizehn Jahren. "Ich kann ehrlich behaupten, dass ich noch heute ein ebenso großer Filmnarr bin wie damals in der High School, als ich meine ersten Amateurfilme drehte", versichert der Regisseur im Vorwort zum Bildband höchstpersönlich. Bild: Als 17-Jähriger am Set von "Firelight". Seinem zweiten Film, mit dem er 600 Dollar einspielte. Begeistert von der Magie Hollywoods, schlich er sich als Teenager auf das Gelände der Universal Studios und wartete auf seine Chance. Die Hartnäckigkeit sollte sich lohnen: In Sidney Sheinberg fand er einen mächtigen Förderer. Nachdem Spielberg mit seinem Kurzfilm "Amblin" beim Atlanta Film Festival für Aufsehen sorgte, verpflichtete ihn der Präsident von Universal mit gerade einmal 24 Jahren für sein Studio. 1974 lieferte er mit "Sugarland Express" seine Feuerprobe für Universal ab und bestätigte seinen Ruf als Wunderkind. Bild: Spielberg bei der Besprechung einer Szene mit der jungen Goldie Hawn. Bereits ein Jahr später drehte er mit zarten 27 Jahren seinen ersten großen Blockbuster. "Der Weiße Hai" sollte den Mythos des erfolgreichsten Regisseurs Hollywoods begründen. Der Horrorstreifen führte sieben Jahre lang die Liste der erfolgreichsten Filme an.
Davon war bei den Dreharbeiten allerdings noch nichts zu bemerken:
Bild: Bei der Vorbereitung für den Dreh einer Szene von "Der Weiße Hai". "Ich war besinnungslos vor Angst. Ich sah aus wie 17 und hatte Akne, nicht gerade vertrauenserweckend für eine erfahrene Crew."
Es sind solche persönlichen Einblicke in das Seelenleben Spielbergs, die den Bildband von Richard Schickel auch zu einem besonderen Leseerlebnis machen. Daten und Fakten zu allen 28 Filmen werden durch zahlreiche Interviews, die Schickel mit Spielberg über die Jahre hinweg geführt hat, ergänzt. Der Filmhistoriker zeichnet so ein profundes Bild über einen Regisseur, der sich nach all den Erfolgen noch immer ehrlich - nie zynisch - für das Kino begeistert. Bild: "Bruce" (so wird die Hai-Attrappe am Set genannt) wird von Spielberg auf seine Fähigkeiten als Luftmatratze getestet. Die Privatperson Spielberg klammert Schickel dabei Großteils aus. Die beiden Ehen, aus denen Spielberg vier erwachsene Kinder hat, werden nur am Rande erwähnt. Im Vordergrund steht der Regisseur Spielberg. Bild: Einer der seltenen öffentlichen Auftritte mit Familie. Hier mit seiner Tochter Mikaela George bei der Oscar-Gala 2009. In den Folgejahren festigte Spielberg seinen Ruf, ein Gespür für gewinnträchtige Stoffe zu haben. Mit "Indiana Jones - Jäger des verlorenen Schatzes" folgte 1981 bereits der nächste große Erfolg.
Bild: Harrison Ford und Steven Spielberg am Set von Teil eins der Quadrologie. In Zusammenarbeit mit George Lucas, mit dem ihn auch eine enge persönliche Freundschaft verbindet, entstand so eine der erfolgreichsten Filmreihen Hollywoods. Denn auch die beiden Fortsetzungen "Der Tempel des Todes" (1984) und "Der letzte Kreuzzug" (1989 - Bild) wurden zu Kassenschlagern. Die Filme spielten im Schnitt 495 Millionen US-Dollar ein. 2008 erzählte er gemeinsam mit George Lucas - hier sind die beiden am Set von "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" zu sehen - und einem gealterten Harrison Ford ein letztes mal die Geschichte des legendären Dr. Henry Walton Jones, Jr. Der lange Zeit prägendste Film für Spielberg war jedoch "E.T. - Der Außerirdische". In dem Science-Fiction-Märchen erzählte er 1982 auch seine eigene Geschichte des "jüdischen Jungen, der immer anders war, als die anderen. Für mich ist E.T. der emotionalste Film, den ich je gemacht habe."
Typisch für Spielberg führte er darin ein junges Mädchen (Drew Barrymore) als Hauptfigur - in ein Genre ein, das zuvor nur tapfere Krieger und furchterregende Aliens kannte. Der Ausflug in das bis dato unbekannte Genre wurde zum Kassenschlager. Spielberg brach damit seinen eigenen Rekord, den er zuvor mit "Der Weiße Hai" aufgestellt hatte und war im Ranking der erfolgreichsten Filme ganze elf Jahre lang an der Spitze zu finden.
Bild: Spielberg und E.T. im Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds. Für Steven Spielberg stellte E.T. die "Quintessenz meiner Kindheit" dar - und bedeutete zugleich aber auch ihr Ende. "Mit dem Erfolg des Films im Rücken wagte ich mich an ernstere Themen heran. E.T. war sozusagen der Freifahrtschein künftig auch einmal scheitern zu dürfen." Für das Kinopublikum und die Kritiker hatte er damit aber lange Zeit den Stempel des Märchenonkels - dem man schwere Themen nicht zutraute. In "Die Farbe Lila" mit Whoopi Goldberg in der Hauptrolle der tragischen Figur Celie wagte er sich 1985 erstmals an einen solchen Stoff: Das Südstaatendrama handelt von lesbischer Liebe und kontroversen Themen wie Inzest und Missbrauch. Doch auch das bedrückende Drama wurde zum Erfolg an den Kinokassen und spielte ein Vielfaches seiner Produktionskosten ein. Darüber hinaus konnte Spielberg erstmals auch die Filmkritiker überzeugen. Oscar gab es allerdings keinen: Von elf Nominierungen zog keine einzige. Den großen Oscar-Erfolg sollte er 1993 mit "Schindlers Liste" nachholen. In dem Schwarzweiß-Drama setzte sich Spielberg mit der Geschichte des Holocaust auseinander. "Es war mein erster Versuch, einen Film mit einer Botschaft zu machen. Sie ist ganz einfach: So etwas darf nie wieder geschehen." Sieben Oscars, darunter "bester Film" und "beste Regie" waren der Lohn dafür. 1993 sollte überhaupt zu Spielbergs Jahr werden. Mit "Jurassic Park" startete er im selben Jahr seine zweite große Filmreihe - und setzte abermals neue Maßstäbe an den Kinokassen. Das Action-Spektakel mit den Kreaturen aus der Kreidezeit spielte weltweit 920 Millionen ein - und auch die beiden Fortsetzungen waren dem Blockbuster-König würdig. Spielberg selbst sieht seinen Erfolgsfilm mittlerweile kritisch: "Es ist mir peinlich, dass ich mit 'Jurassic Park' nur versucht habe, eine Fortsetzung von 'Der Weiße Hai' zu drehen - nur eben an Land. Das war unverfroren. Das kann ich heute zugeben." In den 90er-Jahren fokussierte Spielberg zusehends auf seine Tätigkeit als Produzent. 1994 gründete er mit "Dreamworks Pictures" sein eigenes Filmstudio, das sich vor allem mit Animationsfilmen ("Antz") einen Namen machte. Spielberg selbst konzentrierte sich vor allem auf die Förderung junger Talente und drehte erst 1997 wieder einen eigenen Film. Der "Der Soldat James Ryan" wurde 1998 zu einem weiteren Karrierehöhepunkt. Für den Kriegsfilm wurde er mit seinem zweiten und bislang letzten Regie-Oscar belohnt.
Die Zusammenarbeit mit Tom Hanks bezeichnete er in einem Interview mit Richard Schickel als "die beste Erfahrung, die ich je mit einem Schauspieler gemacht habe." Kein Wunder, dass die beiden Kapazunder - die auch abseits der Leinwand eine persönliche Freundschaft verbindet - noch öfters gemeinsam arbeiteten: Auch in "Terminal" (2004) war Hanks die erste Wahl. Als Produzenten blieben sie ihrem gemeinsamen Thema treu und arbeiteten gemeinsam an "Band of Brothers" (2001) und der Kriegsserie "The Pacific" (2009). Nach "Minority Report" mit Tom Cruise 2002 drehte er im selben Jahr "Catch me if you can". Leonardo DiCaprio wurde für seine Rolle als Trickbetrüger für den Golden Globe nominiert, Christopher Walken, der in der Gaunerkomödie seinen Vater spielte, für den Oscar als bester Nebendarsteller. Wieder mit dabei: Tom Hanks als FBI-Agent. Auch mit Tom Cruise gab es ein Wiedersehen: 2005 in "Krieg der Welten". In dem Sci-Fi-Thriller setzt Spielberg wieder auf sein Erfolgsrezept aus den 80ern: Durchschnittsbürger, die in außergewöhnlichen Situationen und untypischen Genres zu Helden reifen.  Zu Spielbergs Filmerfolgen kamen 2005 erstmals auch berufliche Rückschläge: Seine Produktionsfirma "Dreamworks Pictures" musste nach finanziellen Schwierigkeiten an Paramount Pictures verkauft werden. 2011 brachte Spielberg seinen ersten Animationsfilm in die Kinos. Für das ehrgeizige Projekt "Die Abenteuer von Tim und Struppi" tat er sich mit einem zweiten Blockbuster-Spezialisten zusammen: Peter Jackson. Gemessen am Einspielergebnis ist der Neuseeländer mit seiner "Ringe-Trilogie" sogar noch erfolgreicher als Spielberg selbst. Der zweite Teil der "Tim und Struppi"-Trilogie soll erst 2015 in die Kinos kommen. Aktuell feiert sein Historiendrama "Lincoln" Kritikererfolge. Das epische Biopic mit Daniel Day Lewis als legendärer Präsident der Vereinigten Staaten ist mit 12 Nominierungen der Topfavorit bei den diesjährigen Oscars. Bei den Golden Globes ging Spielberg aber leer aus. Egal, ob er am 24. Februar auch noch seinen dritten Oscar als "Bester Regisseur" in Empfang nehmen darf - an seinem Status als Hollywoods Lieblingsregisseur wird das wohl nichts ändern. "Steven Spielberg. Seine Filme, sein Leben" // Mit einem Vorwort von Steven Spielberg und der kompletten Filmografie // Gebunden, 280 Seiten // mit 400 farbigen Abbildungen // Preis € 41,10. // erschienen im Knesebeck Verlag 2012.

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