Letztes Update am 13.08.2012, 13:49
Remakes: Schmeckt nur Gulasch aufgewärmt besser?.
"Total Recall" entwickelt sich zum Flop an den US-Kinokassen. Es gibt aber auch gelungene Beispiele für Remakes. Welche Filme auch aufgewärmt gut schmecken, erfahren Sie hier.
"Nur Gulasch schmeckt aufgewärmt besser". Diesen Spruch, den normalerweise Ex-Pärchen im Trennungszweifel zu hören bekommen, müssen sich auch eine ganze Menge Remakes gefallen lassen. Beispiel gefällig? "Total Recall" mit Colin Farrell in der Rolle des Douglas Quaid, die 1990 auch schon Arnold Schwarzenegger gespielt hat.Dass das Ergebnis nicht immer schlecht ist, wenn "Hollywood die Ideen ausgehen" zeigen wir in dieser Liste.
"Total Recall" fiel in den USA bei Kritikern und Publikum durch. An seinem zweiten Wochenende spielte der Film dort kümmerliche 8,1 Millionen Dollar ein. Macht insgesamt 34 Millionen. Zu wenig, angesichts eines Produktionsbudgets von stolzen 125 Millionen Dollar. Das Original mit Arnold Schwarzenegger von Anfang der 90er ist mittlerweile zum Action-Klassiker avanciert. Das dürfte dem aktuellen Remake also wohl nicht gelingen. Vielleicht findet der Film ja in Österreich Fans: Am 24. August in den heimischen Kinos.
"Total Recall" reiht sich damit in die lange Liste fehlgeschlagener Versuche, vom (Kult)Status des Originals zu profitieren, ein. Allein in den vergangenen Jahren scheiterten Remakes wie "King Kong" (Bild), "Rollerball" oder "Krieg der Welten" sowohl bei Kritikern als auch an den Kinokassen. Folgende Filme schafften es aber, aus dem Schatten des Originals zu treten:
"21 Jump Street" zeigte diesen Frühling, dass es auch anders geht: Das Remake der Fernsehserie aus den späten 80ern baute auf der Kerngeschichte auf - also zwei Cops geben sich als Schüler an einer Highschool aus, um dort undercover ermitteln zu können.
Die Darsteller, und da vor allem Jonah Hill, brachten sich aber mit ihrem eigenen Stil ein und transformierten die Teenager-Serie in eine gelungene Komödie.
Und wie es sich für ein ordentliches Remake gehört, hatten auch die Originalschauspieler einen kurzen Auftritt. Johnny Depp, der mit "21 Jump Street" den Durchbruch schaffte, ist in seiner alten Rolle als Tom Hanson zu sehen (Bild).
Einen Cameo-Auftritt hatten auch die Original-"Starsky and Hutch" Paul Glaser und David Soul in dem Remake aus dem Jahr 2004. Dort wurden sie von Ben Stiller und Owen Wilson inklusive Original-Föhnfrisur und Muscle-Car aus den 70ern verkörpert. Auch wenn der Film auf geteilte Reaktionen bei den Kritikern stieß - dem Publikum gefiel`s.
Bis heute wohl eines der besten Remakes ist "Scarface" mit Al Pacino in der Hauptrolle. Das Gangsterepos von Regisseur Brian de Palma basiert auf dem gleichnamigen Film von Howard Hawks aus dem Jahr 1932.
Brian de Palma verlegte die Handlung vom Chicago der Prohibitionszeit ins sonnige Miami der 80er und setzte somit neue Maßstäbe für den amerikanischen Gangsterfilm.
Legendär, Al Pacino als manischer Tony "Scarface" Montana: "Kommt her! Ihr meint eure verdammten Kugeln können mir was anhaben? Was meint Ihr mit wem Ihr es überhaubt zu tun habt? Ich bin Tony Montana! Kommt her, ich schluck Sie alle. Ich bin Tony Montana!"
"Ocean`s Eleven": Steven Soderberg brachte 2001 das legendäre Rat Pack noch einmal auf die Leinwand. Statt Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Jr. und Co. ließ er aber George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon auflaufen.
Die lässigsten Stars von heute ersetzten die größten Stars von damals, oder umgekehrt. Egal: Der Film unterhielt ausgezeichnet. In den 60er Jahren lief der Streifen übrigens unter dem wenig schmeichelhaften Titel "Frankie und seine Spießgesellen." Die Geschichte um Danny Ocean war 2001 so erfolgreich, dass auf das Remake auch noch zwei Sequels folgten.
Johnny Depp ist schon so lange dabei, dass mittlerweile schon seine eigenen Filme neu verfilmt werden (siehe "21 Jump Street"). 2005 spielte er aber noch selbst in einem Remake mit: "Charly und die Schokoladenfabrik".
Das 1964 erschienene Kinderbuch von Roald Dahl wurde nämlich bereits 1971 ähnlich farbenfroh wie in der Tim Burton-Version verfilmt.
"Sein oder Nichtsein". Das fragte sich nicht nur Hamlet bei William Shakespeare, es ist auch der Filmtitel einer Komödie aus dem Jahr 1942.
Mel Brooks griff den Stoff 1983 wieder auf. In seiner satirischen Manier erzählte er die Geschichte um eine polnische Theatergruppe ein zweites, ebenfalls hochgelobtes Mal.
Auch der Politthriller "Der Manchurian Kandidat" war schon einmal in den Kinos zu sehen, bevor er mit Denzel Washington in der Hauptrolle 2004 neu verfilmt wurde. Das Original stammt nämlich bereits aus dem Jahr 1962 und basiert auf dem gleichnamigen Buch von Richard Condon.
In der "Thomas Crown Affäre" spielten Pierce Brosnan und Rene Russo 1999 bereits zum zweiten Mal ihr Katz- und Mausspiel. Der Film ist ein Remake des 1967 erschienen Klassikers "Thomas Crown ist nicht zu fassen" - damals jagten einander Steve McQueen und Faye Dunaway.
Auch "I am Legend" mit Will Smith war schon einmal in den Kinos zu sehen. Die Mischung aus Science Fiction- und Horrorfilm wurde insgesamt sogar ganze drei Mal erzählt:
1964 mit Vincent Price als "Letzter Mann auf Erden" in der Hauptrolle und 1971 spielte Charlton Heston den "Omega Mann". Für 2014 ist übrigens eine Fortsetzung der 2007er-Version angekündigt.
Die Vorlage zu Martin Scorsese Polizeithriller "The Departed - Unter Feinden" stammt aus Hongkong und heißt "Internal Affairs". Dass Regisseure wie Quentin Tarantino Inspiration für ihre Filme bei Martial Arts-Streifen finden, ist nichts Neues. Ein Remake derart nah am jungen ("Internal Affairs" stammt aus dem Jahr 2002) Original hingegen schon.
Michael Haneke lieferte 2007 das bis dato wohl kurioseste Remake eines Filmes ab: "Funny Games U.S." ist eine 1:1-Neuverfilmung seines eigenen Werkes aus dem Jahr 1997. Der kleine Zusatz "-U.S." im Titel verrät auch den Grund für das kuriose Unterfangen, in dem amerikanische, bzw. englischsprachige Schaupieler (im Bild: Naomi Watts) die österreichische Originalbesetzung ersetzten.
Welcher Film besser ist, lässt sich also wirklich nicht sagen. Der Spiegel schrieb "1997 schockierte Michael Haneke mit seinem Film ‚Funny Games‘ […] Nun gibt es ein US-Remake – doch angesichts des enthemmten Horrorkinos von heute wirkt es fast nostalgisch."
Es zeigt sich also, dass Filme auch im Kontext ihrer Zeit zu sehen und zu bewerten sind. Eine zeitgemäße Interpretation ist dann auch eines jener Kriterien, das ein gutes von einem weniger gelungenen Remake unterscheidet.
Da diese Liste unmöglich vollständig sein kann und lediglich einen Querschnitt bietet, sei an dieser Stelle ausnahmsweise auf Wikipedia verwiesen. Hier findet sich eine Liste mit allen Remakes von A wie "Alfie" bis Y wie "Yogi" (unter Z sind keine Einträge vorhanden).Aufgewärmt schmeckt eben manchmal nicht nur das Gulasch gut.
(kurier)
Erstellt am 13.08.2012, 10:01