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KURIER Romy 2014
Christoph Waltz: "Eigentlich ist es nett, böse zu sein."
Christoph Waltz: "Eigentlich ist es nett, böse zu sein." - Foto: APA/MICHAEL NELSON

Letztes Update am 23.02.2013, 18:01

"Ich liebe es, wählerisch zu sein". Der österreichische Schauspieler Christoph Waltz im Gespräch über Tarantino, Shakespeare und zwei Pferde namens Fritz.

Seit sich Christoph Waltz mit Quentin Tarantino zusammengetan hat, legt er in Hollywood einen außergewöhnlichen Höhenflug hin. Für die Rolle des Nazi-Dandys Hans Landa in Tarantinos „Inglourious Basterds“ erhielt er 2010 den Oscar für den besten Nebendarsteller. Für seine Verkörperung von Doc Schultz, einem wohlerzogenen Kopfgeldjäger im Western „Django Unchained“, wurde er erneut für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert.

In „Django Unchained“ spielen Sie wahrscheinlich den sympathischsten Deutschen, der je auf einer US-Leinwand zu sehen war. Finden Sie nicht, Sie hätten sich eine Flasche Champagner von Angela Merkel verdient?
Christoph Waltz: Frau Merkel könnte tatsächlich einen netten, coolen Deutschen gebrauchen. Können Sie Ihr das bitte weiterleiten?
 
In Hollywood ist der Deutsche ja meistens der Nazi. In diesem Film aber ist Fritz das Pferd.
Ich verrate Ihnen jetzt ein Geheimnis: Ich hatte zwei Fritze zur Verfügung. Pferde sind zwar groß, haben aber nicht gerade eine hohe Aufmerksamkeitsspanne. Und sie brauchen sehr viel Zeit zum Erholen. Beide Fritzen konnten etwas besonders gut: der eine Fritz, der in Wahrheit Ribbon hieß, war der Elegante und konnte gut springen. Er war der, den ich geritten habe. Der andere Fritz – Cimarron – war der Gutmütige und zog die Kutsche. Er stand immer ganz still, solange, bis jemand ihn am richtigen Punkt berührte und in Bewegung setzte.
 
War es eigentlich nett für Sie, einmal einen netten Typen zu spielen?
Ist es nett, nett zu sein? Eigentlich ist es nett, böse zu sein. Und ist mein Doc Schultz überhaupt ein netter Typ? Ich bin mit solchen Einschätzungen sehr vorsichtig. Und wie spielt man so einen netten Typen? Das kann nämlich ziemlich furchtbar aussehen.
 
Sie sind ja nicht Tom-Hanks-nett, aber netter als in „Inglourious Basterds“...
Warum soll man diese beiden Rollen überhaupt vergleichen? Die sind einfach ganz verschieden. Es ist, als würde ich sagen: Ich mag New York, aber Rom mag ich lieber. Das ist eine Konversation, die nirgendwo hinführt.
 
Hatten Sie jemanden bestimmtes im Kopf, als Sie Doc Schultz spielten?
Verzeihen Sie, aber ich glaube, Sie haben eine falsche Vorstellung davon, wie ein Schauspieler arbeitet. Ich bin ja kein Kopist, kein Nachahmer. Ich weiß natürlich, dass Popkultur andauernd damit beschäftigt ist, alles und jedes zu kopieren. Aber wenn ich schon mal so ein tolles Drehbuch wie das von Quentin Tarantino habe, dann werde ich wohl nicht meine Inspiration woanders herholen und da hinein stopfen. Ich arbeite mit dem Material, das vor mir liegt.
 

 
Waren Sie vor „Django Unchained“ ein Fan des Spaghetti-Westerns?
Es wäre übertrieben zu sagen, ich war ein Fan. Aber es gibt schon Spaghetti-Western, die ich immer sehr mochte, zum Beispiel „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „Zwei glorreiche Halunken“.
 
Warum ist Quentin Tarantino so wichtig für Sie?
Tarantino schreibt einfach die besten Dialoge und die besten Geschichten weit und breit. Er schreibt Charakterrollen auf Shakespeare-Niveau. Ich will ihn jetzt nicht mit Shakespeare vergleichen, aber die vielfachen Möglichkeiten, die sich für einen ergeben, wenn man sein Drehbuch liest, sind einfach unschlagbar. Mehr kann man fürs Unterhaltungskino nicht verlangen. Wenn ich ein Tarantino-Drehbuch lese, habe ich einzig die Sorge, dass die Rolle mehr verlangt, als ich geben kann.
 
Wahrscheinlich ist es schwierig, danach andere Drehbücher gut zu finden.
Absolut. Das ist, als wenn man fantastischen Wein getrunken hat. Danach schmeckt alles langweilig, auch wenn man es davor gut gefunden hätte.
 
Sind Sie bei der Wahl von Drehbüchern sehr wählerisch?
SEHR. Das ist eine der wunderbaren Entwicklungen in meinem Leben, dass ich wählerisch sein darf. Früher war das nicht so. Aber das ist der große Vorteil, den ich jetzt genieße: Ich kann wählerisch sein. Ich liebe es, wählerisch zu sein.
 
Bekommen Sie ein weites Spektrum an Rollen angeboten?
Ja. Und das sage ich mit Stolz.
 
Was zum Beispiel? Romantische Komödien?
Die sind zur Zeit nicht so mein Ding. Ich habe nichts gegen romantische Komödien, wenn ich etwa an die Filme von George Cukor denke. Die sind herzzerreißend traurig und unglaublich witzig. Die wurden aber auch von großartigen Autoren geschrieben.
 
Wie funktioniert eigentlich die Zusammenarbeit mit Tarantino? Wird viel improvisiert?
Ich hasse Improvisation. So etwas mache ich nicht. Ich halte mich an das Drehbuch. Und wenn das ein Regisseur nicht von mir verlangt, dann verlange ich es selbst von mir. Ich bin Schauspieler, kein Stand-Up-Comedian. Improvisation wird meiner Ansicht nach überschätzt. Meistens sieht man genau, wann improvisiert wurde. Und das sind oft die schwächsten Momente des Films.
 
Interview: Nick Freeman / The Interview People
 

Liveticker: KURIER.at wird die gesamte Oscar-Gala ab 1 Uhr live tickern und kommentieren.

(KURIER/Nick Freeman) Erstellt am 23.02.2013, 18:01

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