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KURIER Romy 2014

Letztes Update am 11.06.2012, 18:00

Elliott Erwitt: Woody Allen der Fotografie. Vor dem Start seiner Retrospektive im Kunsthaus Wien erzählte der Fotograf Elliott Erwitt über Hunde, Hupen und Nudisten.

Der Fotograf im KURIER-Interview

epa000382586 Photographer Elliott Erwitt, who was born in Paris in 1928, stands next to a picture, which he took in New York in 1974, at the exhibition Elliott Erwitt: Schnappschuesse (elliott erwitt: snapshots) at the NRW-Forum Kultur und Wirtschaft (Nor
Foto: epa

Nein, den Skulpturenpark für Hunde, der derzeit auf der Kunstschau Documenta zu sehen ist, hat Elliott Erwitt noch nicht besucht. Nur ein Mal, vor 15 Jahren, war der Magnum-Fotograf in Kassel, um Bilder für eine Serie über Menschen im Museum zu schießen. "Es ist der extremste Ort für Nonsens, den ich je gesehen habe", sagt er.

Mit dem zeitgenössischen Kunstbetrieb hat Erwitt wenig Freude, mit der Annäherung zwischen Menschen und Hunden, die im Documenta-Umfeld diskutiert wird, kennt er sich aber aus: Hundefotos machen den populärsten Teil jenes Oeuvres aus, das ab Donnerstag in einer Werkschau im KunstHausWien präsentiert wird (bis 30. September).

 

Wuff

Zum KURIER-Gespräch erscheint der Fotograf, der im Juli 84 wird, an einem Stock, an dem eine Fahrradhupe montiert ist. Schon oft, erzählt Erwitt, hat er sie eingesetzt, um beim Fotografieren Überraschung zu erzeugen. "Es funktioniert besonders bei Tieren", sagt er.

Doch auch ohne Hunde ist der 1928 in Frankreich geborene und 1939 in die USA emigrierte Erwitt ein Meister darin, komische Konstellationen einzufangen: Riesige aufblasbare Damenbeine, die von einem New Yorker Wolkenkratzer baumeln, ein Brautpaar samt Schleier und Zylinder in einem Nudistencamp – Erwitt zeigt surreale Momente des Alltagslebens ohne die Abgründigkeit, die z. B. seine Kollegin Diane Arbus an den Tag legte.

Die humorvollen Bilder, die Erwitt den Beinamen "Woody Allen der Fotografie" einbrachten, sind aber nur ein Teil eines Werks, das der Meister selbst strikt in zwei Teile trennt: "Ich bin einerseits ein kommerzieller Fotograf, andererseits ein Amateur, der Aufnahmen zu seinem Amüsement macht."

Erwitts Arbeiten für die Agentur "Magnum", der er 1953 beitrat, beinhalten das weltberühmte Bild der "Küchendebatte" zwischen Chruschtschow und Nixon 1959, in dem der US-Präsident seinem Widerpart aggressiv an den Revers tippt. Fotos der trauernden Jackie Kennedy beim JFK-Begräbnis oder Bilder von Fidel Castro zeigen Erwitt im KunstHaus als Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts.

 

Anti-Kunst

Zuletzt stellte Erwitt unter dem Pseudonym "André S. Solidor" aus und machte sich mit Hochglanzfotos über die Ästhetik der aktuellen Kunstfotografie lustig. Doch auch wenn der zeitgenössische Kunstbetrieb aus seiner Sicht nichts wert ist – in einer Hinsicht hat der legendäre Fotograf ihn zu schätzen gelernt: "Er treibt die Preise an."

(kurier) Erstellt am 11.06.2012, 13:32


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