Ein letztes Mal Superpunk

Die Hamburger Band spielte beim FM4-Überraschungskonzert zum endgültig letzten Mal. Statt Wehmut gab’s Galgenhumor – wie die 16 Jahre zuvor.

"Es gibt nur ein Leben und Ich weigere mich, aufzugeben", sangen Superpunk 2004. Acht Jahre später war es im Wiener Stadtsaal dann so weit. Die Rockband aus Hamburg beendete beim FM4-Überraschungskonzert ein für allemal das gemeinsame Projekt. Mit wenig Wehmut, dafür mit umso mehr Galgenhumor. „Wir haben uns für heute etwas Besonderes überlegt und extra neue Saiten aufgezogen“, stapelte Sänger Carsten Friedrichs zu Beginn des rund 90-minütigen Konzerts tief. Da waren noch wenige Fans vor der Bühne. Superpunk, jahrelang Teil der Hamburger Bandriege rund um das Indielabel L’age d’Or (Tocotronic, die Sterne), waren gekommen um ihr Abschiedskonzert zu geben. Die vordersten Sitzreihen im Stadtsaal waren entfernt und das Parkett zum Tanzen freigegeben worden. 16 Jahre Banderfahrung halfen Superpunk aber die meisten der rund 300 Besucher von ihren hinteren Plätzen zu holen. Nach dem zweiten Lied "Ein bisschen Seele" hatte das bunt-gemischte Publikum aus jüngeren FM4-Hörern und Fans der ersten Stunde den freien Platz vor der Bühne recht gut aufgefüllt. Richtig voll wurde der Stadtsaal an diesem Abend aber nicht mehr. Die Stimmung war trotzdem gut. Auch weil die fünf Hamburger, die mittlerweile teilweise in München leben, ihr letztes Konzert sichtlich genossen. Statt wehmütiger: "Es war so schön mit euch"-Ansagen gab es feinen Galgenhumor. "Ja, ich bereue alles." Aus ihrem "Misserfolgsalbum" (Zitat Carsten Friedrichs) "Why Not…?" war ein erster Höhepunkt. Das Solo von Gitarrist Lars Bulnheim ("Spiel doch mal ein Solo zu dem Stück, das passt so gut zu deinem Leben") ging allerdings im schlechten Sound unter. Zwischen Songs wie „Partys in München“ und „Das Feuerwerk ist vorbei“ durften zum Abschluss auch Anekdoten aus dem Tourleben nicht fehlen. Und da kommt in 16 Jahren einiges zusammen: „Eine hübsche Dame hat Gitarrist Lars nach einem Konzert einmal einen kleinen Zettel zugesteckt bekommen, auf dem stand: ‚Ich will ein Kind von dir … adoptieren.‘“, erzählte Bassist Tim Jürgens genüsslich. Als Zugabe gab es neben dem stampfenden "Eric Cantona" ("Ein einfacher Song, um genau zu sein unser erster Song, den wir gemeinsam gespielt haben. Dementsprechend schlecht haben wir unsere Instrumente damals beherrscht.") auch noch die Coverversion von "Get right back where we started from“, die den Auftritt dann programmatisch abrundete. Die traurigen, verzweifelt renitenten Geschichten vermischten sich mit beißendem Galgenhumor. Vielleicht hat gerade das schon immer den Reiz von Superpunk ausgemacht. An diesem Abend bekamen die Texte aber eine ganz neue Dimension. Eigentlich hätte es klar sein müssen: Das beste Konzert von Superpunk kann nur das letzte sein. Leider kann es das nur einmal geben.
(kurier) Erstellt am
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