Letztes Update am 13.09.2012, 15:21
Die Schau "Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit" in der Albertina ist in mehrfacher Hinsicht ein Triumph.
Die Nase
Diese Nase! Sie wird Ausstellungsbesucher der Albertina wohl noch lange verfolgen. Gleich am Eingang ragt sie aus einem Gips-Relief, abgegossen vom Goldenen Dachl in Innsbruck, hervor; sie dominiert die Herrscherporträts von Ambrogio de Predis, Jörg Muskat und natürlich jene von Albrecht Dürer, die im Halbdunkel des Albertina-Untergeschosses zu sehen sind. Selbst in Albrecht Altdorfers prunkvollem Triumphzug, in dem Gesichter nur einen knappen Zentimeter groß dargestellt sind, ist das Riechorgan noch markant genug, um klar zu vermitteln, wer innerhalb des Menschen- und Pferdegewirrs der Kaiser ist.
Wer sich fragt, wie der Zinken des mächtigen Habsburgers (1459 – 1519) zur wohl berühmtesten Herrschernase neben jener Kleopatras werden konnte, liegt nicht ganz falsch, wenn er mitten im Museumsrundgang an Comics denkt. Denn die Albertina-Schau "Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit" ist mindestens ebensosehr eine Medien-Ausstellung, wie sie eine Kunst- und eine Geschichte-Schau ist: Sie führt vor Augen, wie ein Herrscher das Medium des öffentlichen Bildes regelrecht an sich riss, neue Techniken der massenhaften Verbreitung nutzte und so eine neue Ära dessen einläutete, was heute "visuelle Kommunikation" genannt wird (siehe dazu auch Bildergalerie oben).
Überraschung
Die echte Überraschung der Schau ist, wie gut die 500 Jahre alten Bildbotschaften in der Ära der oft beklagten medialen "Bilderflut" ankommen: Auch die mit Manga-Comics und Internet-Memes aufgewachsene Generation sollte keine Probleme haben, in diese Bildwelt einzutauchen.
Herzstück der Ausstellung ist der von Kaiser Maximilian 1512 in Auftrag gegebene, von Albrecht Altdorfer und Werkstatt auf Pergament gemalte „Triumphzug“: 54 des einst rund 100 Meter langen Bildfrieses haben sich in der Albertina erhalten, nach dreijähriger Vorbereitung kann er erstmals in voller Breite präsentiert werden. Von rechts nach links – Leser japanischer Comics kennen das – schreitet man an Kanonen, Fahnenträgern und Prunkwagen vorbei; umwerfend sind die Miniatur-Schlachtengemälde, die von Herolden getragen werden.
Schon zu Lebzeiten hatte Maximilian nie vor, sein Publikum auf diese Weise über historische Tatsachen aufzuklären: Die Bilder und zu Ritterepen aufgebauschte Biografien wie „Theuerdank“ oder „Freydal“ sollten seinen Herrschaftsanspruch legitimieren und zeigen, was für ein toller Hecht der Kaiser doch war. Dass Maximilian am Ende verfügte, nach seinem Tod als Büßer, mit ausgebrochenen Zähnen und kahlem Kopf dargestellt zu werden, ist nur das letzte Kapitel eines auf Selbstinszinierung und Nachruhm bedachten Lebens.
Die Albertina erzählt diese Geschichte schlüssig und verständlich – und kann dabei, mehr noch als bei der Michelangelo-Schau 2010/’11, mit hauseigenen Schätzen strahlen:
Ganz sicher eine der wichtigsten Ausstellungen des Jahres.
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