Meisterdirigent Nikolaus Harnoncourt ist tot

Maestro Harnoncourt reacts during a dress rehearsa
Foto: Reuters/HERWIG PRAMMER Maestro Nikolaus Harnoncourt - das "Original des Originalklangs"

Der berühmteste Musikforscher und Dirigent Österreichs ist am Samstag im Alter von 86 Jahren verstorben.


Nikolaus Harnoncourt ist tot. Der herausragende Dirigent und Originalklang-Pionier ist am Samstag gestorben, hieß es in einer Mitteilung von Gattin Alice Harnoncourt und der Familie.  "Am 5.3.2016 ist Nikolaus Harnoncourt friedlich im Kreis seiner Familie entschlafen. Trauer und Dankbarkeit sind groß. Es war eine wunderbare Zusammenarbeit."

"Eine Ära ist zu Ende gegangen", sagte Musikvereins-Intendant Thomas Angyan tief erschüttert in einem Telefonat mit der APA. „Ich hätte nie erwartet, dass zwischen seinem Rückzug aus dem Konzertleben und seinem Ableben so eine kurze Zeitspanne liegen würde. Harnoncourt sei "das Original des Originalklangs" gewesen: "Das ist unwiederbringlich. Wir haben die Verpflichtung, das musikalische Erbe, das er uns hinterlassen hat, weiterzuführen." (weitere Reaktionen siehe unten)

Abschied

Schon an seinem 86. Geburtstag (am 6. Dezember 2015) hieß es für das Musikpublikum -  nicht nur jenes in Wien, sondern all jenen weltweit, die mit ihm stets nach vorne geschaut haben -  erstmals Abschied nehmen. Österreichs wichtigster Dirigent hat damals bekannt gegeben, nicht mehr dirigieren zu können.

Er sollte an jenem Wochenende den von ihm 1953 gegründeten Concentus Musicus bei zwei Konzerten im Musikverein leiten.  Völlig überraschend lag aber dem Programmheft die Kopie eines von Harnoncourt verfassten Briefes bei, in dem er sich – handschriftlich, wie es zu ihm passte – direkt an sein „Liebes Publikum“ wandte. "Meine körperlichen Kräfte gebieten eine Absage meiner weiteren Pläne", hieß es darin. "Da kommen große Gedanken hoch: zwischen uns am Podium und Ihnen im Saal hat sich eine ungewöhnlich tiefe Beziehung aufgebaut – und wir sind eine glückliche Entdeckergemeinschaft geworden."

Wie kein anderer nahm er seine Hörerinnen und Hörer mit auf Entdeckungsreisen in musikalische Gefilde, die uns – wie etwa im Fall Mozart – so nah sein sollten, durch verfälschte und unpräzise Interpretationen, gegen die Harnoncourt stets ankämpfte, aber oft fern sind.  Weiter hieß es in dem Schreiben: „Da wird wohl vieles bleiben.“

Der österreichische Konzertalltag war seitdem nicht mehr derselbe. Er hatte das Theater an der Wien ebenso geprägt wie die Styriarte, die seinen Tod am Sonntag ebenfalls bekanntgegeben hat.

Der Brief vom Dezember 2015

harnoncourt.png Foto: Musikverein

Jeder Abend als Premiere

Der Originalklang-Pionier war in seinem Fach der Größte,  seine Auftritte wurden regelmäßig zu herausragenden Ereignissen. An jedem Abend trachtete er danach, eine Art Premiere zu dirigieren (auch wenn er ein Werk schon x-fach aufgeführt hatte). Dadurch kam es stets zu neuen Hörerlebnissen, die den Aufführungskleister vergangener Zeiten wegputzten. So auch bei seinen zwei Neujahrskonzerten. Das erste im Jahr 2001 etwa eröffnete er mit dem „Radetzkymarsch“ und dem Verbot mitzuklatschen.

Er hasste das gängige Repertoiresystem (und hatte  mit rein darauf spezialisierten Theatern immer Probleme). Am Anfang seiner Dirigentenkarriere stand auch die Ablehnung ewig gleicher Klischees, konkret bei Mozarts g-Moll-Symphonie als Cellist bei den Symphonikern.

Sein stechender Blick Richtung Musiker, seine kommentierenden Worte ins Auditorium waren  ebenso berühmt wie Harnoncourts ungewohnte Tempi und seine bildhafte Sprache, mit der er Bücher füllte. Mit Neugier und Enthusiasmus hatte der Musiker sich einst geweigert, bewährte Pfade ungeprüft zu beschreiten und stattdessen das Quellenstudium und die Verwendung von Originalklanginstrumenten propagiert - was eine Revolution der Aufführungspraxis einleitete.

"Badldidadam" - Zitate aus Harnoncourts Probenarbeit:

"Wahrscheinlich ist Haydn der witzigste Komponist, den es überhaupt je gegeben hat – zumindest von denen, die ich kenne". Das sagte Harnoncourt zu Sabine M. Gruber, während er sich auf Haydns "Schöpfung" zu seinem 85. Geburtstag vorbereitete. Im Buch "Mit einem Fuß in der Frühlingswiese" zitiert die Autorin Proben-Bonmots des Originalklangmeisters. Etwa bei der Erarbeitung von Haydns "Jahreszeiten - der Frühling". Einleitend sagte Harnoncourt zum Leiter des Arnold Schoenberg Chors Erwin Ortner: "Ist der Chor fertig getopft? (Nr. 1, Einleitung und Rezitativ, "mit grässlichem Geheul":)
Harnoncourt: "Es ist gut. Aber es ist nicht grässlich!" (Rezitativ, 240 ff., nach "…durch laue Winde sanft gelockt":)
Harnoncourt: "Das Schönste überhaupt. Ein kleiner Almsee, mit Cumberlandsauce gefüllt." (Nr. 2, Chor des Landvolks:)
Harnoncourt: "Der Haydn hat ein Jahrhundert übersprungen: Wir sind mitten in der Romantik." (27 ff., "O komm, holder Lenz, des Himmels Gabe, komm":)
Harnoncourt zu den Musikern: "Da stehts ihr schon mit einem Fuß in der Frühlingswiese." (62 ff., Männerchor, "Frohlocket ja nicht allzufrüh…":)
Harnoncourt: "Singts das bisschen gemein. Stellts euch vor, ihr seits Wintersportler – die sind natürlich gegen den Frühling." (Nr. 4, Bass-Arie, "in langen Furchen schreitet er dem Pfluge flötend nach":)
Harnoncourt: "Wir zersageln das Piccolo, gegen zehn Geigen hat das überhaupt keine Chance." Harnoncourt: "Seit dem Bestehen der Welt ist das so: Frauen wollen tanzen, Männer wollen saufen. Ja, Männer wollen verschiedene andere Sachen auch, aber… tanzen wollen sie NICHT. Sie haben sich nur aus zwielichtigen Gründen dazu überreden lassen. Das muss man hören!"
  Harnoncourt zum Chor: "Im Tempo bleiben! Eine Fermate ist ja keine Autoverkehrstafel." (56 ff., "Lass deinen Tau die Erde wässern":)
Harnoncourt: "Bitte versuchts doch TAU! Was ihr da spielts, das sind Meteoriten. Oder TAUbeneier." (107, "alles schwebet":) "Bitte machts kein solches Gerumpel da unten."
(112 ff., "Seht die Lämmer":) "Das 'Bääh' machen die Bläser."
(119, Sechzehntel in den Geigen:) "Badldidadam." (240:)
Harnoncourt: "Prickeln! Plus zwei Ampullen Adrenalin!" (259 f., "gütiger Gott", punktierte Achtel:)
Harnoncourt: "Fesch! Das hat so einen richtig haydnischen Humor." (292 f., "ewiger Gott":)
Harnoncourt: "Eine lange Note ist kein Fertigprodukt, die muss ein Innenleben haben!"

Zitate aus: "Mit einem Fuß in der Frühlingswiese" (Sabine M. Gruber)

Aus adeligem Haus

Geboren wurde Nikolaus Harnoncourt als Johann Nicolaus de la Fontaine und d'Harnoncourt-Unverzagt am 6. Dezember 1929 in Berlin in luxemburgisch-lothringischen Hochadel. Aufgewachsen ist der spätere Musikerneuerer, ein Ururenkel Erzherzog Johanns, allerdings in Graz, wohin seine Familie 1931 zurückgekehrt war. Von 1945 an erhielt er Cello-Unterricht. 1949 gründete Harnoncourt gemeinsam mit Eduard Melkus, Alfred Altenburger und Alice Hoffelner das Wiener Gamben-Quartett und wandte sich in der Folge der Erforschung von Spielweise und Klang alter Instrumente zu. Drei Jahre später wurde er Cellist der Wiener Symphoniker. Diesen Beruf übte er bis 1969 aus. 1953 wurde zu einem prägenden Jahr für den aufstrebenden Klassikstar. Zum einen heiratete er seine Partnerin Hoffelner. Und im Herbst desselben Jahres erfolgte die Gründung des Concentus Musicus Wien, mit dem eine neue Ära der Musikinterpretation eingeleitet wurde.

Neben Konzerten und Plattenaufnahmen mit seinem eigenen Ensemble begann Harnoncourt 1972 auch zu dirigieren. 1975 startete die langjährige Zusammenarbeit mit dem Amsterdamer Concertgebouw Orchester. 1983 debütierte er am Dirigentenpult der Wiener Symphoniker, 1984 bei den Wiener Philharmonikern, 1987 (mit "Idomeneo") an der Wiener Staatsoper und 1992 bei den Salzburger Festspielen.

Aushängeschild

Beim 1985 gegründeten steirischen Klassikfestival styriarte fungierte er von Anfang an als Aushängeschild. 2001 und 2003 dirigierte er das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Dabei blieb der rastlose und hoch dekorierte Dirigent, der u.a. mit dem Polar-Musikpreis, dem Kyoto Preis und dem Ernst von Siemens Musikpreis ausgezeichnet wurde, nicht beim barocken Repertoire stehen, sondern erweiterte seinen Horizont über die Jahre. Zuletzt dirigierte er Händel und Monteverdi, Bach und Mozart ebenso selbstverständlich wie Berg, Offenbach, Gershwin und Strawinski.

Wer diesen allumfassenden Platz wieder einnehmen könnte oder die Projekte des Maestros weiterführen könnte, ist vollkommen offen. Klar ist nur: Nikolaus Harnoncourt wird in der Musiklandschaft schmerzlichst vermisst werden.

INFO: Der ORF zeigt am 7.3. im Kulturmontag (22.30 Uhr, ORF2) eine Dokumentation in memoriam Nikolaus Harnoncourt. ORF III plant einen Themenabend am 13. März.

Reaktionen

"Das Wort Verlust drückt nicht aus, was ich empfinde"

Bundespräsident Heinz Fischer zeigte sich "tief erschüttert über den Tod dieses hervorragenden Menschen. Harnoncourt war ein konsequenter Erneuerer der Musik (...)". "Der Tod von Nikolaus Harnoncourt bedeutet einen unersetzlichen Verlust für das österreichische und internationale Musikleben", so Kulturminister Josef Ostermayer (SP).

Auch Dirigent Franz Welser-Möst zeigte sich vom Ableben Harnoncourts tief getroffen: "Der Interpret, der unsere Welt mehr als jeder andere der letzten 50 Jahre geprägt hat, ist nicht mehr (...) Das Wort Verlust drückt nicht aus, was ich empfinde".

Eng verbunden mit Harnoncourt war Schauspieler und Regisseur Tobias Moretti: "Das tut ganz tief weh und wird auch lange so sein. Ohne ihn gäbe es uns so gar nicht."

Trauer und Bestürzung zeigte auch Roland Geyer, Intendant des Theaters an der Wien, wo auf eine über zehn Jahre währende Zusammenarbeit zurückgeblickt wurde: Die Begegnung mit Harnoncourt sei "künstlerisch wie menschlich ganz außergewöhnlich" gewesen.

Bestürzt über den Tod des großen Dirigenten zeigten sich die Präsidentin der Salzburger Festspiele, Helga Rabl-Stadler und Intendant Sven-Eric Bechtolf: "Nikolaus Harnoncourt der Fackelträger wird uns fehlen, fehlt uns heute schon." Die schwarze Flagge weht auf dem Festspielhaus, "in dem er uns so viele unvergessliche Stunden bereitet hat", gaben sie am Sonntag in einer Presseaussendung bekannt. "Unser Mitgefühl gilt in dieser dunklen Stunde seiner Familie vor allem seiner Frau Alice. Sie war sein Lebensmensch, seine unersetzliche private und berufliche Partnerin", meinten Rabl-Stadler und Bechtolf in der gemeinsamen Aussendung.

Mit Nikolaus Harnoncourt verlieren wir einen "brennend Überzeugten und charismatischen Überzeuger", würdigte Staatsopern-Direktor Dominique Meyer den Dirigenten. Mit dem Concentus Musicus Wien habe Harnoncourt der Welt einen Klangkörper geschenkt, "der Bekanntes in einem völlig neuen Licht präsentierte; so war ein Konzertbesuch bei ihm auch immer eine Entdeckungsreise", erinnerte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) an den "kompromisslosen wie leidenschaftlichen Künstler". "Die Welt hat einen Unersetzbaren verloren", reagierte styriarte-Intendant Mathis Huber. Weitere Reaktionen kamen u. a. von Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP), ORF-Chef Alexander Wrabetz sowie von allen Parlamentsparteien.

Chronologie

Harnoncourts wichtigste Lebensstationen

Im Folgenden die zentralen Stationen im Leben des Originalklangpioniers.

6. Dezember 1929

Geburt in Berlin als Johann Nicolaus de la Fontaine und d'Harnoncourt-Unverzagt

1931

Familie übersiedelt wieder nach Graz

1945

Aufnahme von Cello-Unterricht

1947

Regisseur und Puppenschnitzer bei einer Produktion von Bruno Ertlers "Dr. Faust" im Grazer Palais Attems

1949

Gründung des Wiener Gamben-Quartetts

1952

Harnoncourt wird Cellist der Wiener Symphoniker

1953

Heirat mit Alice Hoffelner

1953

Gründung des Concentus Musicus Wien

1957

Offizielles Debüt des Concentus zur Wiedereröffnung des Palais Schwarzenberg

1969

Rückzug als Symphoniker-Cellist

1972

Beginn der Dirigententätigkeit mit Monteverdis "Il ritorno d'Ulisse" an der Piccolo Scala in Mailand

1973

Professur am Mozarteum Salzburg

1975

Erste Opernproduktion (Monteverdis "L'Orfeo" mit Jean-Pierre Ponnelle am Opernhaus Zürich)

1980

Erster Auftritt als Dirigent in Österreich (Mit dem Concertgebouw Orkest bei der Salzburger Mozartwoche)

1983

Debüt am Pult der Wiener Symphoniker

1984

Debüt am Pult der Wiener Philharmoniker

1985

Gründung des steirischen Klassikfestivals styriarte

1987

Debüt an der Wiener Staatsoper mit Mozarts "Idomeneo"

1992

Debüt bei den Salzburger Festspielen mit Beethovens "Missa Solemnis"

1992

Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde Wien

1999

Verleihung der Hans-von-Bülow-Medaille der Berliner Philharmoniker

2001

Dirigiert erstmals das Neujahrskonzert (2003 erneut)

2002

Verleihung des Ernst-von-Siemens-Musikpreises in München

2002

Aufnahme in den Orden "Pour le Merite"

2002

Verleihung des Grammy für die Aufnahme von Bachs "Matthäuspassion"

2003

Großes Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland

2004

Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker

2008

Einzige Opernregie (Mozarts "Idomeneo" bei der styriarte)

2009

Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst

2012

Ernennung zum Officiers dans l'Ordre de la Legion d'Honneur

2014

Ehrenmitglied der Berliner Philharmoniker

2014

Echo Klassik für das Lebenswerk

5. Dezember 2015

Verkündung des Rückzugs vom Dirigentenpult in einem offenen Brief

5. März 2016

Tod im Alter von 86 Jahren

Originalklang

Die Discografie

Eine Auswahl der wichtigsten Aufnahmen aus dem vielseitigen CD-Katalog des umtriebigen Nikolaus Harnoncourt.

Erscheinungsjahr

Titel

Proponenten

Details

1950

Johann Sebastian Bach: Brandenburgische Konzerte Nr. 1-6

Kammerorchester der Konzerthaus-Gesellschaft (i.e. Wiener Symphoniker) unter Josef Mertin

Erste Aufnahme mit Nikolaus Harnoncourt, hier an der Viola da gamba

1954

Elisabethanische und Jakobinische Musik: Werke von Dowland, Morley, Bartlett

Mit Alfred Deller, Desmond Dupre und dem Wiener Gamben-Consort

Erste Aufnahme des 1949 gegründeten Gamben-Consorts

1960

Werke von Joseph Haydn

Concentus Musicus

Erste Aufnahme des 1953 gegründeten Concentus Musicus Wien

1964

Johann Sebastian Bach: Brandenburgische Konzerte Nr. 1-6

Concentus Musicus

Durchbruch des Concentus Musicus

1966

Johann Sebastian Bach: Johannes-Passion

Wiener Sängerknaben, Chorus Viennensis, Concentus Musicus Wien. Mit Kurt Equiluz, Max von Egmond, Jacques Villisech, Bert van t'Hoff und Siegfried Schneeweis

Erste Aufnahme der Johannes-Passion

1971

Johann Sebastian Bach: Das Kantatenwerk

Concentus Musicus Wien, Leonhardt Consort unter Gustav Leonhardt

Beginn der Einspielung aller Bach-Kantaten, die bis 1990 auf 90 LPs veröffentlicht werden

1971

Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion

Concentus Musicus Wien, Regensburger Domchor, Cambridge Choir Of King's College. Mit Tom Sutcliffe, Paul Esswood, James Bowman, Kurt Equiluz, Nigel Rogers, Karl Ridderbusch, Max van Egmond, Michael Schopper

Erste Aufnahme der Matthäus-Passion

1978

Claudio Monteverdi: L'Orfeo (Video)

Monteverdi-Ensemble des Opernhauses Zürich. Mit Philippe Huttenlocher, Dietlinde Turban, Trudeliese Schmidt, Francisco Araiza, Christian Boesch

Erstes Video einer Opern-Aufnahme (1981 auch als CD erschienen). Regie: Jean-Pierre Ponnelle

1980

Wolfgang Amadeus Mozart: Idomeneo

Chor und Mozart-Orchester des Opernhauses Zürich. Mit Rachel Yakar, Trudeliese Schmidt, Felicity Palmer, Kurt Equiluz, Werner Hollweg

Erste "Idomeneo"-Einspielung

1981

Wolfgang Amadeus Mozart: Thamos, König in Ägypten

Royal Concertgebouw Orchestra und dem niederländischen Kammerchor. Mit Thomas Thomaschke, Janet Perry, Anne-Marie Mühle, Marius van Altena, Harry van der Kamp, Collegium Vocale

Erste Aufnahme mit dem Concertgebouw Orchestra

1984

Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonia Concertante, Violinkonzert Nr. 1

Wiener Philharmoniker. Mit Gidon Kremer, Kim Kashkashian

Erste Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern

1988

Mozart and/or Jazz: Wolfgang Amadeus Mozart: Symphonie Nr. 38, Klavierkonzert Nr. 26, Improvisationen Friedrich Gulda und Joe Zawinul (Video)

Chamber Orchestra of Europe. Mit Friedrich Gulda und Josef Zawinul

Aufnahme eines Konzerts am 26. Juli 1988 auf dem Salzburger Domplatz.

1991

Ludwig van Beethoven: Symphonien Nr. 1-9

Chamber Orchestra of Europe, Arnold Schoenberg Chor. Mit Charlotte Margiono, Birgit Remmert, Rudolf Schasching und Robert Holl

Aufgenommen im Rahmen der styriarte 1990 und 1991 im Grazer Stefaniensaal.

1993

Franz Schubert: Die Symphonien

Royal Concertgebouw Orchestra

1995

Bruckner Symphony No. 3

Royal Concertgebouw Orchestra

Erste Bruckner-Einspielung

2000

Joseph Haydn: Armida

Concentus Musicus. Mit Cecilia Bartoli, Patricia Petibon, Markus Schäfer, Scot Weir, Oliver Widmer und Christoph Pregardien

2000

Franz Schmidt: Das Buch mit sieben Siegeln (Oratorium)

Wiener Philharmoniker, Wiener Singverein. Mit Kurt Streit, Dorothea Röschmann, Marjana Lipovsek, Herbert Lippert, Franz Hawlata und Herbert Tachezi

2001

Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion

Concentus Musicus, Arnold Schoenberg Chor, Wiener Sängerknaben. Mit Christoph Pregardien, Michael Schade, Markus Schäfer, Christine Schäfer, Dorothea Röschmann, Bernarda Fink, Elisabeth von Magnus, Matthias Görne, Dietrich Henschel und Oliver Widmer

Zweite Aufnahme mit dem Concentus Musicus

2001

Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2001

Wiener Philharmoniker

Erster Neujahrseinsatz Harnoncourts

2001

Giuseppe Verdi: Aida

Wiener Philharmoniker, Arnold Schoenberg Chor. Mit Cristina Gallardo-Domas, Olga Borodina, Vincenzo la Scola, Thomas Hampson, Matti Salminen, Laszlo Polgar, Dorothea Röschmann, Kurt Streit

2003

Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2003

Wiener Philharmoniker

Zwei und letzter Neujahrseinsatz Harnoncourts

2003

Ludwig van Beethoven: Symphonien Nr. 1-9

Chamber Orchestra of Europe

2003

Anton Bruckner: Symphonie Nr. 9

Wiener Philharmoniker

Ersteinspielung der kritischen Neuausgabe samt Ersteinspielung der Fragmente des Final-Satzes als Liveaufnahme von den Salzburger Festspielen 2003

2006

Wolfgang Amadeus Mozart: Zaide (Das Serail)

Concentus Musicus Wien. Mit Diana Damrau, Michael Schade, Florian Boesch, Rudolf Schasching, Anton Scharinger, Tobias Moretti

2007

Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte (Video)

Chor und Orchester der Oper Zürich. Mit Matti Salminen, Christoph Strehl, Julia Kleiter, Elena Mosuc, Ruben Drole, Eva Liebau

Aufnahme aus dem Opernhaus Zürich 2007. Regie: Martin Kusej

2009

George Gershwin: Porgy & Bess

Chamber Orchestra of Europe, Arnold Schoenberg Chor. Mit Jonathan Lemalu, Isabelle Kabatu, Bibiana Nwobilo

Aufgenommen im Rahmen der styriarte 2009 in Graz

2009

Salzburger Festspiele 2009 - Eröffnungskonzert (Video)

Wiener Philharmoniker

Eine Hommage an den Wiener Tanz mit Werken von Franz Schubert und Josef Strauss

2013

Ouverture spirituelle - Salzburger Festspiele 2012 mit Wolfang Amadeus Mozart: Missa longa / Litaniae de venerablili altaris sacramento (Video)

Concentus Musicus Wien, Arnold Schoenberg Chor. Mit Sylvia Schwartz, Elisabeth von Magnus, Jeremy Ovenden, Florian Boesch

Liveaufnahme von den Salzburger Festspielen aus dem Dom 2012

2013

Händel/Mozart: Timotheus oder die Gewalt der Musik

Concentus Musicus Wien, Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

Rekonstruktion des Eröffnungskonzerts der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aus dem Jahr 1812

2014

The Mozart Album: Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzerte KV 491 und 453 und Solowerke

Wiener Philharmoniker und Lang Lang

2014

Mozart: The Last Symphonies

Concentus Musicus Wien

Aufnahme der letzten Mozart-Sinfonien Nr. 39-41, die Harnoncourt als Sinneinheit und "instrumentales Oratorium" begriff

2014

Georg Friedrich Händel: Rodelinda (Video)

Concentus Musicus. Mit Danielle de Niese, Bejun Mehta, Kurt Streit, Konstantin Wolff, Malena Ernman, Matthias Rexroth

Liveaufnahme der Premiere im Theater an der Wien 2011. Regie: Philipp Harnoncourt

2015

Harnoncourt dirigiert Schubert (Acht CDs und Blu-ray)

Berliner Philharmoniker

Die Symphonien plus die Messen Nr. 5 und 6 sowie die Oper "Alfonso und Estrella"

2016

Beethoven: Sinfonien Nr. 4 & 5

Concentus Musicus Wien

Erste Aufnahme von Beethoven-Sinfonien mit dem Concentus Musicus

2016

Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem und Krönungsmesse

Concentus Musicus Wien, Arnold Schoenberg Chor, Choralschola der Wiener Hofburgkapelle. Mit Joan Rodgers, Elisabeth von Magnus, Josef Protschka, Laszlo Polgar

Lektüre

Bücher von und über Nikolaus Harnoncourt

Davon, wie schön und lehrreich es ist, wenn Leidenschaft und Kompetenz, Temperament und Eloquenz in einer Person zusammentreffen, zeugt auch eine Vielzahl von Schriften von und über Nikolaus Harnoncourt. Der Musiker und Theoretiker war stets auch ein begnadeter Vermittler - und ein strenger, doch begeisternder Lehrer, ob sein Gegenüber Musiker, Konzertbesucher oder Journalist war. Eine Auswahl.

"Vom Denken des Herzens" nennt die Musikpublizistin Monika Mertl ihre 1999 erstmals erschienene und 2004 überarbeitete Biografie von Alice und Nikolaus Harnoncourt. "Dieses Buch will nicht den Anschein von Objektivität erwecken. So wie Nikolaus Harnoncourt sich zur Subjektivität seines Musizierens bekennt, so bekennt sich die Autorin zur Subjektivität der Eindrucke, die sie hier gesammelt hat", stellt Mertl gleich anfangs klar. Trotzdem oder gerade deswegen ein Standardwerk, das mit Fotos ergänzt und einer Diskografie abgerundet wird.
Monika Mertl: "Vom Denken des Herzens - Alice und Nikolaus Harnoncourt", Residenz Verlag, 408 S., 24,90 Euro

"Being Nikolaus Harnoncourt" hieß 2009 in Anlehnung an den Film "Being John Malkovich" der Titel einer Geburtstagsausstellung im Grazer Stadtmuseum. Durch das "Ohr des Musikers" betrat man eine Folge von fünf Räume und konnte so die Denkräume und Innenwelten des Dirigenten erkunden. Das Begleitbuch zeichnet die Ausstellung nach und ergänzt sie mit weiteren Materialien.

Otto Hochreiter und Mathis Huber (Hg.): "Being Nikolaus Harnoncourt". Mit Beiträgen von Johanna Fürstauer, Reinhard Goebel, Thomas Höft und Margareth Otti, Styria Verlag, 200 S., 19,95 Euro

Wer Harnoncourt verstehen möchte, der greift am besten zu seinen eigenen Aussagen. "Musik als Klangrede" versammelt Essays und Vorträge, in denen der Dirigent eindringlich die Grundprinzipien seiner musikalischen Praxis erläutert. Darin enthalten: der Aufsatz "Zur Interpretation historischer Musik" aus dem Jahr 1954, Harnoncourts erste schriftliche Äußerung zu dem damals höchst umstrittenen Thema.
Nikolaus Harnoncourt: "Musik als Klangrede - Wege zu einem neuen Musikverständnis", Residenz Verlag, 284 S., 18 Euro

Gespräche mit Nikolaus Harnoncourt zählten zu den aufregendsten Begegnungen, die man als Kulturjournalist haben konnte. Seine Ansichten waren immer fundiert, originell - und mit dem Brustton der Überzeugung vorgetragen. Vom Gesprächspartner erwartete er dasselbe: Bildung, Wachheit, Neugier. "Eine Rückschau in Gesprächen" bietet diese 2014 erschienene Zusammenstellung von Interviews, in denen Harnoncourt immer wieder betont: "Meiner Meinung ist es wichtig, ja lebenswichtig, dass sich alle Leute mit Kunst beschäftigen."
Nikolaus Harnoncourt: "...es ging immer um Musik". Eine Rückschau in Gesprächen, Hg. von Johanna Fürstauer, Residenz Verlag, 318 S., 24,90 Euro

"Gespräche über romantische Musik" versammelt dieser Band, in dem man nicht nur "Von der Heiligkeit der Kunst", sondern vor allem zu Harnoncourts Gedanken zur Beethoven-, Schubert-, Bruckner- oder Strauß-Interpretation eine Menge erfahren kann.
Nikolaus Harnoncourt: "Töne sind höhere Worte. Gespräche über romantische Musik", Hg. von Johanna Fürstauer, Residenz Verlag, 424 S., 19,90 Euro

Texte, Reden und Gespräche zu Harnoncourts Mozart-Sicht versammelt dieser Band. Über Mozart ließ Harnoncourt nichts kommen, über Mozart-Dirigenten sehr wohl. "Ich bin eigentlich immer empört, wenn einer von 'Mozart-Stil' redet, empört über die Arroganz, mit der jemand behauptet zu wissen, was 'Mozart-Stil' ist", wetterte er. Wenn Harnoncourt einmal selbst etwas gefunden hatte, war ihm dies nur Ansporn, beim nächsten Mal nach etwas Neuem zu suchen - auch das zeichnete den großen Musiker aus.
Nikolaus Harnoncourt: "Mozart Dialoge", Hg. von Johanna Fürstauer, Residenz Verlag, 368 S., 19,90 Euro

Dem von Harnoncourt gegründeten Concentus Musicus haben Monika Mertl und der Fagottist Milan Turkovic ein informatives Buch gewidmet, dem auch eine CD beigelegt ist. Spannende und kurzweilige Geschichten erzählen aus den Anfängen des Ensembles, dessen Forschungen die Aufführungspraxis revolutionieren sollten. Die Zukunft dieses auf der ganzen Welt geschätzten Originalklangensembles ist ungewiss.
Milan Turkovic, Monika Mertl: "Die seltsamsten Wiener der Welt - Nikolaus Harnoncourt und sein Concentus Musicus - 50 Jahre musikalische Entdeckungsreisen, Residenz Verlag, 296 S., 29,90 Euro

Proben-Bonmots von Nikolaus Harnoncourt hat Sabine M. Gruber, Sängerin im Arnold Schoenberg Chor, in dem Band "Unmöglichkeiten sind die schönsten Möglichkeiten" gesammelt - eine unterhaltsame, alternative Annäherungsmöglichkeit an die legendäre, bildhafte Denk-und Ausdruckswelt des Dirigenten.
Sabine M. Gruber: "Unmöglichkeiten sind die schönsten Möglichkeiten - Die Sprachbilderwelt des Nikolaus Harnoncourt", Residenz Verlag, 128 S., 14,90 Euro

"Die Opernwelten des Nikolaus Harnoncourt" zeichnet dieses 2009 erschienene Buch nach - mit Aufführungen von Monteverdi, Mozart oder Strawinski. "Die Oper - oder besser: das Musiktheater - soll nicht zugrunde gehen dürfen, solange unsere Kultur existiert", war der Dirigent überzeugt. "Oper hat Zukunft, weil der Mensch das Theater und die Musik, also das Musikdrama, braucht."
Johanna Fürstauer, Anna Mika: "Oper, sinnlich. Die Opernwelten des Nikolaus Harnoncourt", Residenz Verlag, 496 S., 29,90 Euro

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