Cartier-Bresson: Ausstellung in Wien

Indien. Kaschmir. Srinagar. 1948. Muslimische Frauen auf den Hängen des Hari Parbal-Hügels beim Beten zur hinter dem Himalaya aufgehenden Sonne
Foto: © Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos

Seine Fotos sind Klassiker und im Kunst Haus Wien zu sehen: Wie Henri Cartier-Bresson mit seiner Leica die USA, die Sowjetunion und Indien erkundete.

Für Qualität gab Henri Cartier-Bresson (1908- 2004) den Maßstab vor. "Ein gutes Foto ist eines, auf das man länger als eine Minute schaut." So gesehen kann man ziemlich viel Zeit im Kunst Haus Wien verbringen: "Henri Cartier-Bresson. Der Kompass im Auge: Amerika - Indien - Sowjetunion" (bis 26. 2.) zeigt die Ausbeute von Reisen im Lauf von 50 Jahren an Orte politischer Umwälzungen und sozialer Spannungen.

"Fotografie heute wäre ohne ihn gar nicht denkbar", sagt Kunst-Haus-Chef Franz Patay. Oft ging der Franzose, der als Beobachter mit der Kamera am liebsten unbemerkt blieb und inszenierte Fotos ablehnte, bis zu 40 Kilometer täglich zu Fuß. Auf der Suche nach Motiven.

Reporter und Fotokünstler

Indien. Kaschmir. Srinagar. 1948. Muslimische Frauen auf den Hängen des Hari Parbal-Hügels beim Beten zur hinter dem Himalaya aufgehenden Sonne Foto: © Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos Indien. Kaschmir. Srinagar. 1948. Muslimische Frauen auf den Hängen des Hari Parbal-Hügels beim Beten zur hinter dem Himalaya aufgehenden Sonne

Seine Momentaufnahmen sind Zeitdokumente: Etwa als er kurz nach der Unabhängigkeitserklärung Indiens 1948 in Bombay Mahatma Gandhi traf und die Stunden nach dessen Ermordung fotografisch festhielt. In die Sowjetunion konnte Cartier-Bresson erstmals 1954 einreisen. Obwohl ständig kontrolliert, konzentrierte er sich auf die Menschen, besuchte Moskau, Georgien, Usbekistan und den Kaukasus.
Dabei war das "Auge des Jahrhunderts", 1947 Mitbegründer der legendären Fotoagentur "Magnum", selbst kamerascheu. "Er hat das Leben und die Menschen studiert und beobachtet", sagt Andrea Holzherr von Magnum Photos Paris, "und die Bilder im Sucher komponiert." Den Meister des entscheidenden Augenblicks interessierte nur eines: "Was Menschen denken, ihre Körpersprache, ihre Gedanken, ihre Träume." Und er traf mit traumwandlerischer Sicherheit genau den Sekundenbruchteil, der aus einem Foto ein Meisterwerk macht. So entstanden auch berühmte Porträts u. a. von Marilyn Monroe, dem jungen Truman Capote und Igor Strawinsky mit schwarzer Katze auf dem Arm.
Unter den mehr als 200 Fotos sind auch solche mit augenzwinkernder Ironie: Wenn direkt vor einer Leine mit zum Trocknen aufgehängter Unterwäsche ein Steindenkmal mit der Aufschrift "God bless America" steht. Oder auf einem Holzkreuz "Jesus is coming soon" verkündet wird - unmittelbar neben den Wracks auf einem Autofriedhof.

Fotokunst: Porträts und Straßenszenen

Ausstellung:
"Henri Cartier- Bresson. Der Kompass im
Auge. Amerika. Indien. Sowjetunion". Die Präsentation der Indien-Bilder hat Cartier-Bresson in den 70er-Jahren in dieser Form noch selbst konzipiert.

Wann & Wo:
Bis 26. Februar 2012 im Kunst Haus Wien, 3., Untere Weißgerberstraße 13. Täglich 10 bis 19 Uhr. www.kunsthauswien.com

(kurier) Erstellt am
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